Marktberichte

Handelsspane: 135 Punkte Dax schaukelt sich auf

s.jpg

Mit neuem Schwung geht es für den Dax wieder nach oben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einer Achterbahnfahrt wartet der deutsche Aktienmarkt auf. Erst besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten beruhigen die Nerven der Anleger. Die Wall Street hilft zusätzlich.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag seine Verluste vom Handelsbeginn bis zum Mittag in Gewinne umgewandelt und konnte einen Teil dann in den Feierabend retten. Für die kräftige Erholung zu Beginn war der deutlich besser als erwartet ausgefallene deutsche Einkaufsmanager-Index verantwortlich. Er stieg auf 55,9 von 54,0 im Vormonat. Der Index für das verarbeitende Gewerbe legte auf 52,9 zu von 51,8. Erwartet worden war ein Wert von 52,0. "Das entkräftet zumindest vorerst die Sorgen nach dem schwachen Indikator aus Frankreich", sagte ein Händler.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,4 Prozent bei 9794 Punkten. Das Tagestief lag bei 9675, das Tageshoch bei 9810 Zählern. Der MDax ging 0,5 Prozent fester bei 16.511 Stellen aus dem Handel. Der TecDax verabschiedete sich 0,4 Prozent höher bei 1272 Punkten aus dem Handel. Die Wall Street wies ebenfalls leichte Gewinne auf. N-tv-Börsenexpertin Katja Dofel sprach von einer "Schaukelbörse".

Bessere Stimmung in der Wirtschaft

Neben den deutschen Zahlen hoben auch die chinesischen Einkaufsmanager-Daten sowie die der Eurozone die Stimmung. Daran änderte auch die Wachstumskrise in Frankreich nichts. Der Sammelindex, der auf dem Produktionsindex für das verarbeitende Gewerbe und dem Index des Dienstleistungsbereichs basiert, erhöhte sich für den Euroraum auf 54,0 Zähler von 52,8 im Vormonat. Volkswirte hatten eine Stagnation vorhergesagt. "Die Eurozone hat sich wieder berappelt und dürfte mit einer der höchsten Wachstumsraten der letzten drei Jahre aufwarten", erklärte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Auch in China nimmt die Wirtschaft Fahrt auf. Die Stimmung der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe war mit einem Wert von 52 im Juli auf den höchsten Stand seit 18 Monaten geklettert. Das deutet nach Einschätzung von Beobachtern darauf hin, dass die Bemühungen der Regierung in Peking zur Stimulierung der Wirtschaft Früchte tragen.

Gewinnmitnahmen bei BASF

"Ziemlich gemischt" bis "leicht schwächer" lauteten die Marktmeinungen zu den Zahlen von BASF. Umsatz und operatives Ergebnis (Ebit) lägen leicht unter den Erwartungen. Schwerer wiege das schwächer als erwartet ausgefallene Ergebnis in der Agrarsparte. "Zudem hat BASF den hauseigenen Ausblick auf das weltweite BIP-Wachstum gesenkt", betonte ein anderer Händler. Dies könnte andere Chemie-und Agrar-Werte belasten. BASF selbst habe allerdings den Jahresausblick bestätigt, so dass der Markt das Gesamtpaket der Zahlen und die Aussagen als "konservativ wie üblich" verbuchen sollt e. Die Anleger nehmen Gewinne mit, der BASF-Kurs sackte 1,6 Prozent ab.

Zu den Gewinnern zählten Deutsche Bank, die am Mittwoch unter die Räder gekommen waren. Die Papiere zogen 1,8 Prozent an.

Blicke zur Konkurrenz

Telekom-Titel gewannen 0,4 Prozent. Hauptkonkurrent Vodafone musste ein gesenktes Kredit-Rating durch Moodys verkraften. "Nach den ganzen Zukäufen und Übernahmen hatte man damit als Konsequenz der steigenden Verschuldung gerechnet", sagte ein Händler.

Bayer-Papiere drehten ebenfalls 0,4 Prozent ins Plus. Hier verwiesen Händler auf die Zahlen des Pharma-Riesen Roche. Als "überzeugend" stufte ein Händler in einer ersten Einschätzung dessen Zahlen ein.

Der Quartalsbericht von Potash trieb K+S. Der Kurs verbesserte sich um 3,6 Prozent an. Der Gewinn bei Potash war zwar deutlich zurückgegangen, den Ausblick hat das Unternehmen aber nach oben genommen.

Infineon präsentierten sich wiederum 0,8 Prozent schwächer. Ausschlaggebend dafür waren Händlern zufolge die schwächeren Zahlen der koreanischen Hynix. Der Nettogewinn des Speicher-Herstellers fiel um rund 29 Prozent. "Das sind hausgemachte Probleme und Steuersachen", sagte ein Händler. Umgekehrt sei für die Branche gut, dass Hynix von einer weiterhin stabilen Nachfrage nach DRAM-Speichern spreche.

Gewinneinbruch bei Software AG

Software AG-Titel rückten 2,3 Prozent vor. Verzögerungen bei Großprojekten haben im zweiten Quartal voll auf den Gewinn durchgeschlagen. Unter dem Strich verdiente der Spezialist für Unternehmenssoftware mit 14,1 Millionen Euro nicht einmal halb so viel wie vor einem Jahr. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Darmstädter wegen Projektverzögerungen ihre Jahresprognose für die erklärte Wachstumssparte mit Integrationssoftware (BPE) gesenkt und den Markt damit geschockt. Der Aktienkurs war daraufhin zeitweise um fast ein Fünftel abgerutscht.

SGL spart

SGL Carbon will sein Sparprogramm ausweiten. Das brachte dem Aktienkurs einen Aufschlag von 1,2 Prozent. "Die Aktie hat schon gestern Abend als die Meldungen kamen, nicht reagiert", sagte ein Teilnehmer. SGL will laut einem "Handelsblatt"-Bericht das Volumen seiner Sparpläne um 50 Millionen auf 200 Millionen Euro aufstocken.

Eine positive Überraschung bei den Quartalszahlen der Comdirect sei das deutlich oberhalb der Erwartung ausgefallenen Vorsteuerergebnis, hieß es von den Analysten von Close Brothers Seydler. Das Geschäft der Internet-Bank wachse stetig, wie die Entwicklung der Kunden und Kundengelder zeige. Den Ausblick des Unternehmens stuft Close Brothers als "konservativ" ein. 0,9 Prozent zogen die Titel daraufhin an.

Kurspower bei MTU

Der starke Euro und verschobene Wartungsaufträge bremsten das Geschäft beim Triebwerksbauer MTU. Der Umsatz werde daher in diesem Jahr voraussichtlich nur um rund zwei Prozent auf 3,65 Milliarden Euro steigen, wie Vorstandschef Reiner Winkler sagte. Bisher hatte er 3,75 Milliarden Euro angepeilt. Das operative Ergebnis soll mit 375 Millionen Euro wie erwartet das Niveau aus dem Vorjahr erreichen. Das Kursplus betrug am Ende 1,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de, bad/jwu/rts/DJ

Mehr zum Thema