Marktberichte

Rohstoffe im Rückwärtsgang Ölpreise rauschen runter

An den Rohstoffmärkten geht es am Donnerstag hoch her. Eine Reihe negativer Konjunkturdaten und Äußerungen von EZB-Chef Trichet zu weiteren Zinspolitik sorgen für Verunsicherung. Die Ölpreise geben mehr als acht Prozent nach. Aber auch mit den Preisen für die Edelmetalle geht es bergab.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ölpreise sind am Donnerstag im Sog der Dollaraufwertung und steigender Konjunktursorgen eingebrochen. An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex stürzte der nächstfällige Junikontrakt auf ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI zum Settlement um 8,6 Prozent beziehungsweise 9,44 Dollar auf 99,80 Dollar und damit auf den tiefsten Stand Mitte März ab.

Auch an der ICE in London vollzog sich der Preisverfall in ähnlicher Größenordnung: Der Markt führende Junikontrakt auf ein Fass Rohöl der Sorte Brent fiel um 8,6 Prozent oder 10,39 Dollar auf 110,80 Dollar zum Settlement. Der Einbruch an den Rohstoffbörsen war der größte seit April 2009. Im elektronischen Handel fielen die Preise anschließend weiter.

Die Ölpreise folgten den übrigen Rohstoffmärkten talwärts. Auch die Preise für Gold, Silber, Kupfer und andere Rohstoffe gingen am Berichtstag auf Tauchstation. Als entscheidenden Grund für die Entwicklung an den Rohstoffmärkten nannten Händler die Dollaraufwertung oder der Einbruch des Euro. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte die europäische Gemeinschaftswährung mit seinen Äußerungen zur kurzfristigen Zinspolitik gen Süden geschickt.

Im Spothandel verbilligte sich die Feinunze Silber um bis zu 3,2 Prozent auf 38,07 Dollar, nachdem sie in der Vorwoche noch ein 31-Jahres-Hoch von 49,51 US-Dollar markiert hatte. Der an der Comex gehandelte Silber-Future fiel um 3,4 Prozent auf 38,06 Dollar je Feinunze.

"Der Beschleuniger für die Bewegung des Silberpreises dürften die Hinterlegungspflichten sein, sie vertreiben die rein kurzfristig orientierten Spekulanten, die ein heißes Spiel spielten", sagte Analyst Joe Cusick von Online-Broker Optionsxpress in Chicago.

Die Comex-Mutter CME erhöhte mit Wirkung von Donnerstag die Sicherheitsleistung auf 14.000 von 12.000 Dollar je Terminkontrakt im Volumen von 5000 Feinunzen. Am Montag soll die Anforderung auf 16.000 Dollar steigen. Mit den insgesamt fünf Schritten dieser Art hat die CME damit den Handel mit Silberterminkontrakten um 84 Prozent verteuert.

Gold verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 1507,59 Dollar je Feinunze beziehungsweise um 0,6 Prozent auf 1015,84 Euro.

Weniger Industrienachfrage voraus

Auch bei den Industriemetallen geht der Abwärtstrend weiter. Kupfer wurde in London bis zu drei Prozent billiger mit 8855 Dollar je Tonne gehandelt und war damit so billig wie zuletzt im Dezember 2010. Analysten zufolge wirkten die schwachen US-Konjunkturindikatoren vom Vortag nach. Zudem fürchte der Markt eine weitere Straffung der Geldpolitik im wichtigsten Verbraucherland China.

Die Aussicht auf eine baldige Wiederaufnahme der Lieferungen aus dem wichtigen Exportland Elfenbeinküste beschleunigte derweil die Talfahrt des Kakao-Preises. Der in den USA gehandelte Juli-Kontrakt brach um bis zu 4,7 Prozent auf 3059 Dollar je Tonne ein. Sein Londoner Pendant verlor in der Spitze 3,4 Prozent auf 1878 Pfund Sterling. "Die Aufwärtsdynamik ist komplett verschwunden", sagte ein Börsianer. Immer mehr Anleger zögen sich aus dem Rohstoff-Markt zurück.

Quelle: n-tv.de, nne/DJ/rts

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