Marktberichte

Starker Euro Stoxx macht schlapp

Für die europäischen Blue Chips ging es am Mittwoch noch tiefer in den Keller. Vor allem die Verluste bei den Technologie-Werten belasteten die Indizes. Händler sprachen von einer insgesamt trüben Stimmung. Mangels Neuigkeiten von europäischen Unternehmen rückte wieder die Schwäche der US-Währung gegenüber dem Euro ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Dollar sank gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten. Und die Indizes fielen hinterher: Der Stoxx50 gab 2,6 Prozent auf 3.124 Punkte nach, der Eurostoxx50 fiel 2,7 Prozent auf 3.177 Zähler.

Die Anleger würden zur Zeit kein Bedürfnis verspüren Aktien zu kaufen, so Hendrick Garz von der WestLB Panmure. Dieser Zustand werde wohl auch noch einige Zeit anhalten, der Markt werde von psychologischen und nicht von fundamentalen Faktoren getrieben.

Auch ein positiver Motorola-Ausblick konnte die Anleger nicht zum Kaufen animieren. Der zweitgrößte Handy-Hersteller der Welt gab am Nachmittag einen positiven Ausblick für das laufende Quartal. Motorola kündigte an, der Umsatz im zweiten Quartal werde im Zielbereich von 6,4 Milliarden Dollar liegen oder diesen sogar übertreffen. Auch die Prognose für den Verlust von 4 Cent je Aktie werde erreicht oder sogar übertroffen, hieß es weiter.

Zu den großen Verlierern in Europa zählte die Nummer Eins unter den Handy-Hersteller Nokia. Die Aktie gab knapp 7 Prozent auf 13,13 Euro nach, obwohl mehrere Investmentbanken die Papiere hochstuften. Konkurrent Ericsson verlor 8,7 Prozent auf 16,80 schwedische Kronen. Die Schweden gaben am Mittwoch den Verkauf ihrer Mikroelektronik-Sparte an den deutschen Halbleiter-Hersteller Infineon für 400 Millionen Euro bekannt. Der Kaufpreis werde in Aktien bezahlt, so das Unternehmen.

Unter Druck standen auch die Papiere der France Telecom. Die Franzosen hatten am Dienstagnachmittag das mit MobilCom für den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland geschlossene Kooperationsabkommen gekündigt, womit der Konflikt zwischen den beiden Unternehmen einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Die über ihre Mobilfunktochter Orange mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligte France Telecom warf MobilCom-Chef Gerhard Schmid Vertragsverletzungen vor, bekräftige aber zugleich, dass MobilCom vorerst weiter mit Liquidität versorgt werde, um die Gesellschaft vor der sonst drohenden Insolvenz zu bewahren. Die France Telecom-Aktie gab 5,5 Prozent auf 17,81 Euro nach.

Nach Börsenschluss in Paris wurde zudem aus Finanzkreisen bekannt, dass France Telecom gemeinsam mit den Banken des angeschlagenen Büdelsdorfer Telekom-Konzerns eine Refinanzierung der Mobilcom-Schulden von 4,7 Milliarden Euro über eine Wandelanleihe prüft.

Die Credit Suisse Group will in ihrer Finanz-Sparte weitere 500 Stellen streichen. Dies geschehe im Rahmen des Restrukturierungsprogramm das bislang einen Jobabbau von maximal 800 Stellen vorsah, so die Schweizer weiter. Die Aktie fiel 3,6 Prozent auf 52,35 Schweizer Franken.

Der Pharmasektor kam durch die negativen Vorgaben aus den USA unter Druck. Abbot Laboratories hatte am Dienstag in New York 16 Prozent verloren, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognosen zurückgenommen hatte. Die größten europäischen Pharmaunternehmen waren entsprechend angeschlagen: GlaxoSmithKline verlor 0,7 Prozent auf 1352 Pence, AstraZeneca gab 3,3 Prozent auf 2.788 Pence nach und Novartis verlor 4,6 Prozent auf 60,83 Schweizer Franken.

Einen großen Gewinner gab es allerdings doch: den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg am Morgen erstmals seit Januar 2001 über die 0,95 Dollar-Marke. Grund für den Anstieg sei die anhaltende Dollar-Schwäche in Folge der Sorgen um die US-Wirtschaftserholung, so Händler.

Quelle: ntv.de

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