Marktberichte

Dow schafft neuen Rekord "Super Thursday" lässt Dax-Anleger kalt

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Ruhige Stimmung an der Börse - trotz mehrerer Großereignisse.

(Foto: REUTERS)

Weder die mit Spannung erwartete Sitzung der EZB noch die Aussagen von Ex-FBI-Chef Comey haben große Auswirkungen auf den Dax. Er geht mit einem leichten Plus in den Feierabend. In New York schafft der Dow Jones ein neues Allzeithoch, um dann wieder zurückzufallen.

An diesem "Super-Donnerstag" sind zwei von drei potentiell kursbewegenden Ereignissen fast spurlos am Dax vorbeigegangen: die Sitzung der Europäische Zentralbank (EZB) und die Aussage von Ex-FBI-Chef Comey vor dem US-Geheimdienstausschuss. Der Dax notierte am Ende leicht im Plus und verbesserte sich um 0,3 Prozent auf 12.714 Punkte. Der Euro schwankte nach gemischten Signalen von EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach dem EZB-Treffen hin und her.

Der MDax verlor 0,4 Prozent auf 25.159 Zähler. Auch im TecDax gab es leichte Verluste von 0,3 Prozent auf 2296 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 stieg dafür um 0,4 Prozent auf 3564 Zähler.

EZB-Entscheid entspricht Erwartungen

Die EZB verzichtete auf den Hinweis, dass die Zinsen auch in Zukunft auf ein noch niedrigeres Niveau fallen könnten. Dies sei am Markt erwartet worden und daher auch eingepreist gewesen, hieß es von einer Händlerin. Den Leitzins der Eurozone beließ die EZB unverändert bei null Prozent.

Die EZB hatte außerdem angekündigt, die Anleihekäufe so lange fortzusetzen, bis die Inflation dauerhaft bei 2 Prozent liege. Auf den ersten Blick wirkte dies falkenhaft. Nach Einschätzung der Marktteilnehmerin war die Aussage aber nicht überzubewerten. Die EZB dürfte im September eine Drosselung der Wertpapierkäufe bekanntgeben. Die Währungshüter haben bereits aktuell Probleme, ausreichend Aktiva für ihr Kaufprogramm zu finden.

Comey-Anhörung und Briten-Wahl

Nach der EZB-Sitzung widmeten sich die Anleger der Anhörung Comeys. In einer schon am Mittwochabend veröffentlichten schriftlichen Erklärung teilte Comey mit, Präsident Donald Trump habe von ihm verlangt, die Ermittlungen in der Russland-Affäre teilweise einzustellen. Vor dem Ausschuss sprach der entlassene FBI-Chef von einer "Diffamierung" durch Trump.

Erst am Freitag können die Anleger auf das Wahlergebnis in Großbritannien reagieren, wo die Wahllokale am Donnerstag um 23 Uhr schließen. In Erwartung eines Sieges der Konservativen von Premierministerin Theresa May kauften die Anleger zuletzt Pfund Sterling. Die britische Währung notierte am späten Nachmittag bei 1,2944 Dollar nahe des am Mittwoch erreichten Zwei-Wochen-Hochs von 1,2975 Dollar. Stimmenverluste für May könnten das Pfund Experten zufolge aber in neue Turbulenzen stürzen.

Dax: Thyssen nach Studie weit oben

Weit oben im Dax standen zum Börsenschluss Thyssenkrupp, die nach einer Studie der Credit Suisse um 3,6 Prozent auf 23,79 Euro zulegen. Die Analysten halten in ihrem "Blue-Sky-Szenario" Kurse von 84 Euro für möglich.

Auch die Aktien von Eon standen erneut hoch im Kurs und verbesserten sich um 4,2 Prozent. Vorausgegangen war eine Serie positiver Analystekommentare. RWE gewannen 2,3 Prozent. Angesichts erwarteter milliardenschwerer Steuerrückzahlungen stuften zahlreiche Analysten die Aktien hoch. Am Mittwoch hatten die Energieversorger über fünf Prozent gewonnen.

Nicht belastet wurden Allianz von Plänen für eine mögliche Komplettübernahme von Euler-Hermes. Am Ende notierte Allianz im Dax ein Plus von 0,9 Prozent. Derzeit hält der Finanzkonzern 63 Prozent an dem Kreditversicherer. Der noch fehlende Anteil ist etwa 1,5 Milliarden Euro wert.

TecDax: Nordex trotz neuen Auftrags im Jahrestief

Trotz eines Folgeauftrag für weitere 22 Turbinen vom Typ AW125/3000 aus Australien fiel der Aktienkurs des Hamburger Windturbinenbauer Nordex um 3,2 Prozent auf 11,88 Euro. Zuvor hatte er ein neues Jahrestief mit 11,62 Euro markiert. Händler führten dies auf den Bruch der wichtigen Unterstützung von 12,50 Euro zurück. "Da lagen eine Menge Stops von Leuten, die auf diesem Level auf eine Bodenbildung gesetzt hatten", sagte ein Händler.

Kunde des Auftrags sei erneut Acciona Energia, teilte der Konzern mit. Das Unternehmen hatte bereits zum Jahreswechsel 22 Anlagen dieser Plattform für die erste Bauphase des Windparks "Mount Gellibrand" bei Nordex bestellt. Die entsprechenden Komponenten liefert Nordex ab Herbst 2017 nach Australien.

SDax: Heideldruck auf Jahreshoch

SDax-Aufsteiger Heidelberger Druck lagen nach der Vorlage von Zahlen 5,1 Prozent im Plus. Gleichzeitig erreichte die Aktie im Tagesverlauf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 2,69 Euro. "Der mittelfristige Ausblick klingt positiv", sagte ein Händler. Im Geschäftsjahr 2021/22 will der Konzern 3 Milliarden Euro umsetzen und ein Ebitda von 250 bis 300 Millionen Euro erzielen. "Das drückt den mauen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr in den Hintergrund", so ein Marktteilnehmer.

Nach dem finalen Ausstieg von Großaktionär Kinnevik ging es für Rocket Internet um 2,1 Prozent nach unten. Damit hielten sich die Abgaben in Grenzen. Zum einen habe man den Ausstieg nach der vorangegangenen Platzierung im Frühjahr und dem Ende der Sperrfrist bereits erwartet, zum anderen stünden Leerverkäufer unter Eindeckungsdruck. "Es gibt noch rund 7,3 Prozent Shorties, aber Kinnevik platziert nur 6,6 Prozent an Rocket", erläuterte ein Händler. Für die Kinnevik-Aktie ging es um 0,4 Prozent nach oben.

USA: Dow Jones mit neuem Rekord und Mini-Plus

Die New Yorker Wall Street hat auf die Aussage des geschassten FBI-Chefs Comey mit Gewinnen reagiert. Die meisten Investoren gehen offenbar davon aus, dass die Regierungsarbeit von Präsident Donald Trump durch die Vernehmung nicht beeinträchtigt wird. Comey bezichtigte Trump zwar der Lüge, machte öffentlich aber keine Angaben dazu, ob der Republikaner in der Russland-Affäre die Justiz behindert haben könnte. Dies wäre ein schwerwiegender Vorwurf.

Die Aussage Comeys wurde mit Spannung erwartet, weil viele Anleger darauf setzen, dass Trump etwa seine Pläne für eine Steuerreform umsetzt. Eine für ihn überraschend negative Aussage Comeys hätte seinen Rückhalt im Kongress schwinden lassen können und Reformen erschwert.

Der Dow Jones stieg geringfügig um 9 Zähler und schloss bei 21.183 Punkten. Am Abend MESZ hatte er mit 21.266 Zählern ein neues Allzeithoch markiert. Der breiter aufgestellten S&P 500 verharrte mit 2434 Stellen auf dem Stand des Vortages. Der Nasdaq Composite rückte um 0,4 Prozent auf 6322 Zähler vor.

Neben der Comey-Aussage blickten Wall-Street-Investoren nach Großbritannien, wo am Donnerstag das Parlament gewählt wird. Eine erste Prognose wird für 23.00 Uhr MESZ erwartet - zu spät für die US-Aktienmärkte.

Bei den Einzelwerten standen Papiere des Onlinehändlers Alibaba im Mittelpunkt. Der Konzern begeisterte Aktionäre mit einer Umsatzprognose. Der Kurs stieg um 14,1 Prozent. Auch die Anteilsscheine von Alibaba-Großaktionär Yahoo legten zu: Das Plus betrug 10,4 Prozent.

Um 9,0 Prozent ging es für die Edelkaufhauskette Nordstrom nach oben. Hintergrund sind Erwägungen der Gründerfamilie, das Unternehmen wieder ganz in die eigenen Hände zu bringen und von der Börse zu nehmen.

Devisen: Euro wankt, aber erholt sich

Der Euro schwankte nach gemischten Signalen von Draghi hin und her. Draghi senkte während einer Pressekonferenz in der estnischen Hauptstadt Tallinn den Inflationsausblick der Währungshüter der Eurozone, hob aber gleichzeitig die Wachstumsprognosen an. Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich zeitweise um 0,5 Prozent auf ein Acht-Tages-Tief von 1,1196 Dollar, holte einen Teil der Verluste aber wieder auf. Zu US-Handelsschluss lag der Euro bei 1,1216 Dollar.

Die Fachleute der EZB erwarten für 2017 nur noch eine Inflation von 1,5 Prozent nach bisher 1,7 Prozent. Auch für 2018 und 2019 senkte Draghi den Ausblick. Dagegen erwarten die Notenbank-Experten einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 1,9 Prozent, nachdem sie bislang von 1,8 Prozent ausgingen. Auch für die beiden Folgejahre erhöhten sie die Prognosen.

Rohstoffe: Ölpreise grenzen Verluste ein

Nach dem Ausverkauf des Vortages fielen die Ölpreise zunächst weiter, allerdings nicht mehr mit der Abwärtsdynamik des Vortages. Am Abend bauten sie ihre Verluste etwas ab. US-Leichtöl der Sorte WTI waren mit 46,85 Dollar pro Barrel 0,3 Prozent unter Vortagesniveau. Das Fass der globaler gehandelten Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 47,86 Dollar.

Die US-Rohöllagerbestände waren zur Wochenmitte überraschend gestiegen, obwohl Analysten stattdessen einen deutlichen Lagerabbau prognostiziert hatten. Daraufhin hatten die Ölpreise den massivsten Einbruch seit Anfang März verbucht. Die Daten zeigten einmal mehr, wie expansiv die US-Förderung mittlerweile ausfalle, hieß es im Handel.

Der Goldpreis verlor mit der leichten Dollarstärke 0,7 Prozent auf 1279 Dollar. Im Handel verwies man auf die leichte Entspannung angesichts der Comey-Aussagen. Außerdem nähere sich die EZB immerhin einem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

Asien: Nikkei schließt im Minus

Kaum verändert haben die Kurse an den Aktienmärkten in Ostasien den Handel beendet. In Tokio rutschte der Nikkei-225 mit einem steigenden Yen im späten Handel deutlicher ins Minus. Er drehte kurz vor Handelsende mit einem anziehenden Yen ins Minus und verlor 0,4 Prozent auf 19.909 Punkte.

Der Shanghai-Composite kletterte um 0,3 Prozent auf 3151 Punkte und setzte damit die jüngste Aufwärtsbewegung fort, wenn auch mit gebremstem Tempo.

In Tokio kletterte die Toshiba-Aktie um 5,5 Prozent. Laut einem Medienbericht hat der angeschlagene Konzern in einem Brief an Western Digital nochmals seine Rechte an einer Chipfabrik in Japan bekräftigt. Diese ist Teil des geplanten Verkaufs der Chip-Sparte, der für den Konzern von existenzieller Bedeutung ist.

Quelle: ntv.de, lsc/kst/mbo/rts/DJ

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