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Wachwechsel bei der Bahn Mit Grube aus der Krise

Der bisherige Daimler-Manager Rüdiger Grube soll die Deutsche Bahn nach monatelangen Kämpfen wegen der Datenaffäre aus der Krise steuern. Die Bundesregierung als Eigentümerin des Konzerns schlug den 57 Jahre alten Vorstand des Autobauers als Nachfolger des scheidenden Bahnchefs Hartmut Mehdorn vor, teilte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) in Berlin mit.

Grube soll neben dem Mutterkonzern auch die für einen möglichen Börsengang gegründete Tochter DB Mobility Logistics führen, die den Personen- und Güterverkehr vereint. Beschließen muss die Personalie der Bahn-Aufsichtsrat. Die Arbeitnehmervertreter stellten ihre Zustimmung unter Vorbehalt, signalisierten aber bereits Aufgeschlossenheit.

Tiefensee sagte, Grube sei "ein guter Mann zur richtigen Zeit" und habe "hohe soziale Kompetenz" im Umgang mit den Beschäftigten. Wegen der "tiefen Vertrauenskrise" durch die Affäre um Massenkontrollen von Belegschaftsdaten und E-Mails sollten die Mitarbeitervertretungen eng eingebunden werden. Den mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) abgestimmten Personalvorschlag habe er dem Bahn-Aufsichtsrat zugeleitet. Tiefensee erwartet eine Entscheidung des Kontrollgremiums noch im April.

Vor einem "Riesenauftrag"

Der Vorsitzende der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, sagte mit Blick auf Grube: "Ich glaube, er könnte es können." Zusammen mit dem Chef der Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, habe er am Mittwochabend 20 Minuten Zeit gehabt, den Manager kennenzulernen. Vor einer Entscheidung über das Votum der Arbeitnehmervertreter im Bahn-Aufsichtsrat solle sich Grube an diesem Montag auch bei Beratungen der Hauptvorstände beider Gewerkschaften vorstellen können. Transnet und GDBA sind im Kontrollgremium vertreten, die Lokführer-Gewerkschaft GDL nicht.

Den Vertrauensverlust wegen der Datenaffäre auszugleichen, werde "ein Riesenauftrag" sein, sagte Hommel weiter. Zentral sei zudem, den Konzernverbund nicht zu zerschlagen. Daher sei es zu begrüßen, dass Überlegungen für eine Doppelspitze für die Konzernführung vom Tisch genommen worden seien.

Tiefensee sagte, die Unternehmensstrategie der Bahn solle sich nicht grundsätzlich ändern. Es gehe aber um einen "starken Fokus auf Deutschland und auf die Dienstleistungsqualität hier für die Kunden." Die Regierung sei sich einig, dass ein Börsengang "im gegenwärtigen Umfeld der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht auf der Agenda steht". Dies beurteile auch Grube so.

Mit Mehdorn zusammengearbeitet

Der gebürtige Hamburger ist seit 2001 Vorstandsmitglied bei Daimler und leitet die Sparte Konzernentwicklung. Er ist außerdem Vorsitzender des Verwaltungsrates beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Anfang der neunziger Jahre hatten sich die Wege Grubes und Mehdorns gekreuzt. Mehdorn war von 1989 bis 1992 Vorsitzender der Airbus-Geschäftsführung, Grube sein Büroleiter. 1992 wechselten beide zum Luft- und Raumfahrtunternehmen Dasa nach München - Mehdorn als Vorstandsmitglied und Grube als Standort-Leiter in Ottobrunn.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte im Hessischen Rundfunk, Grube sei "ein glänzender Manager". Er stehe "nicht im Verdacht, die Bahn zu repolitisieren. Wichtig ist, dass sich beide Parteien auf eine klare Managerpersönlichkeit geeinigt haben." Nach Worten Tiefensees kam der Vorschlag in einer kleinen Kabinettsrunde am Dienstagabend im Kanzleramt "sowohl von Frau Bundeskanzlerin als auch von Frank-Walter Steinmeier".

Kein großer Bahnstratege

Bei Verbänden und Politik stieß die Personalie auf ein geteiltes Echo. Grube sei kein großer Bahnstratege und habe keine Erfahrung im Schienenverkehr, sagte Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann im RBB. FDP-Experte Horst Friedrich forderte einen Neuanfang. "Die Gutsherrenart, mit der die DB die Bahnpolitik und den Eisenbahnmarkt zu beherrschen versuchte, hat ausgedient." GDL-Chef Claus Weselsky vermisst bei Grube Bahn-Sachverstand.

Der Verkehrsclub Deutschland nannte Grube eine "Fehlbesetzung", mit dem die Bundesregierung die Chance auf einen Neuanfang vertue. Der Chef des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte, es sei "ein vermutlich guter Kandidat gefunden worden".

Quelle: n-tv.de

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