"Zeiten, die Anleger meiden sollten" - Börsianer trotz Dax-Plus skeptisch
Mit Rückenwind einiger guter Firmenbilanzen ist der deutsche Aktienmarkt auf Erholungskurs gegangen.
Der Dax ging 0,4 Prozent höher bei 12.658 Punkten aus dem Handel. Am Nachmittag hatte er sogar noch 0,9 Prozent im Plus über 12.700 Punkten gelegen.
Der MDax dagegen verlor 0,4 Prozent auf 26.789 Punkte. Der TecDax gab ebenfalls 0,4 Prozent nach und schloss bei 2927 Punkten.
Doch trotz des Pluszeichens im Dax und einer oft positiven Gewinnentwicklung bei den Unternehmen bleiben viele Börsianer skeptisch: "Zu schwer lastet der Handelsstreit zwischen den USA und China auf dem Gemüt der schreckhaften Anleger", sagt Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets.
Zudem verweisen Statistiker auf die schlechte Börsenjahreszeit. Am Aktienmarkt gibt es Zeiten, die die Anleger meiden sollten. Eine solche startet momentan, sie dauert nach Aussage der Marktstrategen der HSBC bis Ende September an und sorgte in den Jahren 1974 bis 2017 für durchschnittliche Kursverluste am deutschen Aktienmarkt von etwa fünf Prozent. Auch die Kollegen der DZ-Bank verweisen auf die Saisonalität, die ungünstige Zyklik bis in den September hinein birgt auch für sie Kursrisiken, die den Dax in Richtung der Tiefs von Ende Juni bei 12.105 Punkte drücken könnten.
Europas Börsen halten an Gewinnen fest
Europas Börsen halten am Nachmittag an den Gewinnen fest. Neue belastende Nachrichten zum Thema Handelsstreit gibt es nicht.
Das Sentiment werde zudem gestützt von den deutschen Produktionsdaten für Juni, heißt es im Handel. Sie gingen zwar um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, hier sei aber nach den schwachen Auftragseingängen des Vortages deutlich Schlimmeres befürchtet worden. "Damit ist einfach ein Risikofaktor verschwunden", so ein Händler.
Der Dax steigt 0,9 Prozent auf 12.708 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 geht es 0,8 Prozent auf 3.511 nach oben.
Die laufende Berichtssaison liefert aufs Neue die Impulse für die Einzelwerte. Aus dem Dax haben Commerzbank, Deutsche Post sowie Beiersdorf ihre Quartalszahlen vorgelegt. Die Post wird mit einem Plus von mehr als 4 Prozent gefeiert, Commerzbank und Beiersdorf können am Morgen noch heftigen Verlust am Nachmittag immerhin etwas eindämmen.
Gute Quartalszahlen der Automobilzulieferer Schaeffler (plus 9,3 Prozent) wie auch Elringklinger (plus 4 Prozent) verbessern das Sentiment für den Sektor, für den Subindex der europäischen Automobilwerte geht es um 1,3 Prozent nach oben.
Investoren fliehen: Muss IWF die Türkei vorm Bankrott retten?
Die finanzielle Lage der Türkei spitzt sich zu. Nach dem gestrigen Absturz der Lira stoßen die Investoren türkische Anleihen in großem Stil ab. Die Rendite 10-jähriger, lira-demontierter Staatsanleihen ist laut der "Financial Times" auf über 20 Prozent nach oben geschossen. Das gefährdet den Zugang des türkischen Staates zum Kapitalmarkt. r
Laut der Finanzagentur "Bloomberg" machen sich Investoren Sorgen, die Türkei müsse vom Internationalen Währungskredit gerettet werden. Auch mit Kapitalkontrollen, das heißt mit Einschränkungen für den Handel mit der Lira und für Geldtransfers aus dem Land rechneten bereits einige Marktteilnehmer.
Auch das Bankensystem gerät durch den Währungseinbruch in Gefahr. Die rasante Abwertung der Lira droht Goldman Sachs zufolge die Kapitalpuffer der türkischen Banken aufzuzehren. Sollte der Dollar auf 7,10 Lira steigen, hätten die Institute keinerlei Sicherheitspolster mehr, warnten die Experten der US-Investmentbank.
Angst vor Ausverkauf: Deutschland erschwert China-Übernahmen
Für Aktionäre und andere Unternehmenseigner ist das keine gute Nachricht: Die Bundesregierung will Firmenübernahmen durch ausländische Investoren in sensiblen Wirtschaftsbereichen erschweren.
Die Beteiligung von Interessenten außerhalb der EU habe "stark zugenommen" und die Regierung wolle künftig besser herausfinden, ob dabei "legitime Sicherheitsinteressen Deutschlands betroffen sind", hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium angesichts chinesischer Übernahmeaktivitäten.
Konkret will die Bundesregierung die Schwelle senken, ab der sie Beteiligungen und Übernahmen überprüfen und gegebenenfalls untersagen kann. Sie liegt derzeit bei 25 Prozent der Stimmrechte. Übernahmen oder Beteiligungen an bestimmten Unternehmen sollen demnach künftig ab einem Schwellenwert von 15 Prozent der Stimmrechte unter die Investitionsprüfung fallen.
Zuletzt hatten vor allem Pläne chinesischer Investoren für Diskussionen gesorgt. So zog ein Investor wegen eines drohenden Vetos der Regierung sein Kaufangebot für einen westfälischen Maschinenbauer zurück. Außerdem stieg die Regierung bei 50Hertz ein, um China an der Übernahme eines Teils des Netzbetreibers zu hindern.
Teure Wetten: Steigender Strompreis brockt Kraftwerkskonzern Verlust ein
Steigende Preise sollten Erzeugern generell höhere Gewinne bescheren - es sei denn, sie haben sich mit Termingeschäften verzockt:
Der Energiekonzern Uniper ist im ersten Halbjahr wegen des kräftigen Anstiegs der Strom- und Gaspreise in die roten Zahlen gerutscht. Schuld an der auf den ersten Blick verblüffenden Entwicklung sind Belastungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro durch Rohstoff-Termingeschäfte, mit denen der Konzern im Handelsgeschäft seine langfristigen Vereinbarungen über Strom und Gaslieferungen gegen Preisschwankungen abgesichert hatte.
Der Strompreis ist in nur einem Jahr um mehr als 50 Prozent auf rund 44 Euro je Megawattstunde gestiegen. Auch bei Gas lagen die Preissteigerungen laut Uniper bei nahezu 50 Prozent.
Unter dem Strich sorgte diese unerwartete Entwicklung bei dem Düsseldorfer Konzern zwischen Januar und Juni für einen Verlust von 546 Millionen Euro nach einem Gewinn von 967 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Finanzvorstand Christopher Delbrück sagte, wenn das Preisniveau von Strom und Gas auf dem aktuellen Stand bleibe, werde sich der Verlust bis zum Jahresende aber deutlich reduzieren.
So martialisch beginnt Teslas Rekrutierungs-Offensive in China
"Das Schlachtschiff legt bald ab", heißt es Berichten zufolge in den ersten Stellenanzeigen, die Tesla in China geschaltet hat. "Wir werben die ersten Matrosen an und freuen uns, Sie bald an Bord zu haben." Offenbar spricht Tesla auch Ingenieure beim Messaging-Dienst WeChat direkt an. n
Der Elektroautobauer treibt damit seine Pläne für ein neues Werk in Shanghai, das erste außerhalb der USA, voran. Vor einem Monat hatte das US-Unternehmen mit den Behörden vor Ort das Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt unterzeichnet. Stellenausschreibungen auf der Internetseite der Firma zufolge werden zunächst Architekten und erfahrene Finanzmanager gesucht.
Das benötigte Kapital will Konzernchef Elon Musk vor Ort aufnehmen.
Facebook will Bankdienstleistungen anbieten
Das Wort "Facebook-Konto" soll offenbar eine neue Bedeutung bekommen: k
Facebook will eigenen Angaben zufolge seine Dienste ausweiten und ist deshalb mit Banken in Kontakt. Zugleich könnten Finanzinstitute dadurch ihr Angebot verbessern, teilte Facebook mit.
Facebook-Nutzer könnten ihre Bankkonten von beispielsweise PayPal, Citibank oder American Express mit dem Messenger von Facebook verknüpfen und über diesen Weg mit einem Kundenbetreuer in Verbindung treten.
Sollten sich Kunden für das neue Facebook-Angebot entscheiden, sei es möglich, dass Facebook einige Finanzinformationen der Bankkonten einsehen könnte. Diese würden aber nicht für Werbung oder ähnliches genutzt. "Die Idee, die dahinter steckt, ist, dass es einfacher sein kann mit der Bank über Messenger zu kommunizieren als in der Warteschleife am Telefon zu hängen", hieß es in der Mitteilung von Facebook.
Autozulieferer begeistern
Bei den Aktienwerten stand Schaeffler im Rampenlicht. Die Titel des Autozulieferers stiegen um bis zu 7,7 Prozent und steuerten auf den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte zu. Das Quartalsergebnis habe über den Erwartungen gelegen, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies in einem Kommentar. Außerdem seien die Schaeffler-Papiere im Branchenvergleich günstig.
Mit Elringklinger legt noch ein weiterer Autozulieferer gute Zahlen vor, sodass der ganze Sektor nach oben gezogen wird.
Lira-Crash: "Türkische Zentralbank entscheidet nicht mehr frei"
Die türkische Lira sendet ein Lebenszeichen aus dem Kurskeller:
Vom neuen Rekordtief von 5,4288 je Dollar berappelte sie sich in der Nacht zunächst bis auf rund 5,3630 und geht aktuell mit 5,2310 um. Zu Beginn der Woche war der Dollar noch mit 5,1000 gehandelt worden, ehe sich die Lira-Talfahrt am Montag im Tagesverlauf nochmals deutlich beschleunigte. e
Als weitgehend wirkungslos entpuppt sich bislang eine Maßnahme der türkischen Notenbank vom späten Montagnachmittag, die die eigene Währung stützen soll. Die Experten der Commerzbank halten diese auch nicht für geeignet, den Druck von der Lira zu nehmen. In einem überraschenden Schritt habe die Notenbank (CBT) den Anteil der Mindestreserven, den Banken in ausländischen Währungen halten dürfen, von 45 auf 40 Prozent gesenkt. Nach Berechnungen der CBT setzte das Liquidität von rund 2,2 Milliarden Dollar frei.
Zwar müssten die Banken nun Dollar verkaufen, um ihrer Mindestreservepflicht nachzukommen, was eigentlich Druck von der Lira nehmen sollte, erläutert Commerzbank-Devisenexperte Lutz Karpowitz. Allerdings sei der Betrag von 2,2 Milliarden für den Devisenmarkt nicht viel, und vor allem offenbare die CBT mit dem Schritt, dass sie offensichtlich nicht mehr frei entscheiden könne.
Ultimatum verstrichen - deutsche Ryanair-Piloten vor Streik
Beim Billigflieger Ryanair scheint ein Streik der in Deutschland stationierten Piloten kaum noch vermeidbar.
Das Unternehmen habe nichts vorgelegt, was man als neues Angebot werten könne, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) der dpa. In der Nacht war eine letzte Frist der VC für ein verbessertes Tarifangebot abgelaufen.
Man werde nun am Mittwoch (11.00 Uhr) die weiteren Maßnahmen bekanntgeben, kündigte die Gewerkschaft an. Ryanair hat nach eigenen Angaben bereits am Freitag ein neues Schreiben an die VC übermittelt. "Aus unserer Sicht war das nur eine Zusammenfassung der bisherigen Positionen. Das Signal ist ausgeblieben", erklärte dazu VC-Sprecher Janis Schmitt.
Produktionsdaten stützen den Dax
Langsam nach oben tickert der Dax am Vormittag. "Die 12.700er-Marke muss überwunden werden", sagt ein Händler. Bis dahin müsse auch das Plus von aktuell 0,7 Prozent nur als Tagesvolatilität verbucht werden. Das Sentiment werde aber freundlich gestützt von den deutschen Produktionsdaten für Juni. Sie gingen zwar um 0,9 Prozent zurück, hier sei aber nach den schwachen Auftragseingängen des Vortages deutlich Schlimmeres befürchtet worden. "Damit ist einfach ein Risikofaktor verschwunden", so der Händler.
Paketgewinn bricht ein - Post will Preise erhöhen
Im Manager-Sprech hört sich das so an: "Wir werden nun (..) unsere Preise und Kosten sowohl im Post- als auch im Paketbereich stärker in den Blick nehmen, um die Volumenentwicklung in kontinuierlich steigende Erträge zu überführen", erklärt Post-Chef Appel. Übersetzt: Preise für Pakete und Briefe sollen angehoben werden und gleichzeitig soll gespart werden.
Denn zuletzt wuchs vor allem das Paketgeschäft der Deutschen Post dank des boomenden Online-Handels rasant - doch die Kosten liefen aus dem Ruder. "Im Paketgeschäft sind wir in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als der Wettbewerb, alles nach der Devise: 'Wachstum ist super, der Rest wird sich finden'", hatte Post-Chef Appel in einem Mitarbeiter-Magazin kritisiert. Die Erträge seien aber nicht in dem Maße mitgewachsen, räumte er ein.
Der für die Sparte zuständige Vorstand Jürgen Gerdes hatte seinen Hut nehmen müssen, Appel leitet das Geschäft nun selbst.
Abseits des Brief- und Paketgeschäfts lief es indes gut für die Post. In der Brief- und Paketsparte brach der operative Ertrag auf 108 (260) Millionen Euro ein. Insgesamt ging der operative Ertrag (Ebit) im zweiten Quartal bei einem Umsatz von 15 (VJ: 14,8) Milliarden Euro um 11,2 Prozent auf 747 Millionen Euro zurück.
Die Anleger sind offenbar zuversichtlich, dass Appel das Ruder bei der Paketzustellung tatsächlich herumreißen kann. Die Aktie setzte sich zu Handelsbeginn mit einem Plus von 1,5 Prozent an die Spitze des Dax.
Beiersdorf stürzen trotz starkem Wachstum tief
Bei Beiersdorf reichen gute Zahlen und selbst das Anheben der Prognose den Anlegern nicht:
Der Nivea-Konzern traut sich nach kräftigen Zuwächsen im ersten Halbjahr einen höheren Jahresumsatz zu. Das Management um Vorstandschef Stefan Heidenreich stellt für 2018 nun ein Umsatzplus von etwa fünf Prozent in Aussicht. Bisher hatte der Dax-Konzern aus Hamburg ein Wachstum von rund vier Prozent erwartet. Die Prognose für die Rendite bekräftigte Beiersdorf. Demnach peilt der Nivea-Hersteller weiter eine um Sondereffekte bereinigte operative Marge in Vorjahreshöhe von 15,4 Prozent an.
Die Aktie, in die die sehr guten Zahlen allerdings offenbar schon eingepreist waren, fällt zu Handelsbeginn mit einem Minus von mehr als 2,5 Prozent ans Ende des Dax.
Ölpreise trotz US-Sanktionen stabil
Die Ölpreise haben sich wenig bewegt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Oktober 73,93 US-Dollar. Das waren 18 Cent mehr als am Montag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung im September stieg um zwei Cent auf 69,03 Dollar.
Das erneute Inkrafttreten von US-Sanktionen gegen das Opec-Land Iran konnte die Ölpreise am Morgen nicht nennenswert bewegen. Ziel ist es nach Worten von US-Präsident Donald Trump, "maximalen wirtschaftlichen Druck" auf das ökonomisch angeschlagene Land auszuüben.
Euro stoppt Talfahrt
Der Kurs des Euro hat die Talfahrt der vergangenen Handelstage vorerst gestoppt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1557 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Zum Wochenauftakt war der Euro noch zeitweise bis auf 1,1530 Dollar gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit Ende Juni.
Weiter auf rasanter Talfahrt ist hingegen die türkische Lira. In der Nacht auf Dienstag mussten erstmals mehr als sechs Lira für einen Euro gezahlt werden. In der Spitze wurde ein Euro für 6,2695 Lira gehandelt. Am Morgen erholte sich der Kurs wieder etwas, auf zuletzt etwa 6,10 Lira für einen Euro.
Shanghai dreht ins Plus
Fast durchweg im grünen Bereich notieren die Börsen in Ostasien. Allerdings bewegt sich die Börse in Shanghai in einem nervösen Geschäft im Zickzack, da sich der Handelsstreit zwischen den USA und China fortsetzt. Ansonsten wird die Stimmung von den Vorlagen der Wall Street verbessert, wo es am Montag nach oben gegangen war. i
In Hongkong geht es um 0,9 Prozent nach oben, angeführt wird der Markt von den Casinobetreibern wie Galaxy Entertainment oder Sands China. Die Aktie des Technologieschwergewichts Tencent verliert dagegen 0,5 Prozent.
An der Börse in Japan steigt der Nikkei-225 um 0,5 Prozent auf 22.620 Punkte. Hier stützt nicht zuletzt die Softbank-Aktie, die nach den am Montag nachbörslich vorgelegten Geschäftszahlen des Beteiligungskonzerns um 6,7 Prozent vorrückt.
Kleinere Gewinne werden an der koreanischen Börse in Seoul verbucht, unterstützt von den Schwergewichten Samsung und SK Hynix. Gegen den Trend abwärts geht es mit dem taiwanischen Markt, obwohl sich Schwergewicht Taiwan Semiconductor von den Verlusten am Montag erholt.