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Bei Investoren bevorzugt Paris überholt Berlin als Startup-Metropole

Frankreich soll mit staatlicher Hilfe zur "Startup-Nation" werden. Die Gründerszene des Nachbarlandes hat die deutsche Hauptstadt nun erstmals überholt, was Attraktivität und Investitionen angeht. An erster Stelle thront aber weiterhin eine andere europäische Metropole.

Paris hat laut einer Studie Berlin als Gründer-Metropole überholt. Im ersten Halbjahr 2019 warben Start-ups aus der französischen Hauptstadt rund 2,2 Milliarden Euro von Investoren ein. Damit zogen sie an Wachstumsfirmen aus Berlin vorbei, die 2,0 Milliarden Euro einsammelten, wie eine aktuelle Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Bei der Zahl der Finanzierungsrunden hatte Paris mit 230 die Nase noch deutlicher vor Berlin (129).

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In Frankreich werden bürokratische Hürden für Jungunternehmer abgebaut, Gründer und Investoren vom Staat zusammengebracht.

(Foto: imago images / imagebroker)

Unangefochten an der Spitze Europas blieb jedoch London. Die starke Unterstützung für Startups in Frankreich zeige Wirkung, erklärte EY-Partner Peter Lennartz. Die Regierung verfolge das klare Ziel, Frankreich zum führenden Startup-Standort Europas zu machen, indem bürokratische Hürden für Jungunternehmer abgebaut würden und der Staat Investoren und Gründer zusammenbringe. So hatte Präsident Emmanuel Macron 2017 erklärt, Frankreich mit staatlicher Hilfe zur "Startup-Nation" machen zu wollen. Er warb auch bei großen französischen Unternehmen um Investments in heimische Start-ups.

Politik will Gründerkultur stärken

Wachstumsfirmen sind bei ihrer Expansion häufig auf Geld von Investoren angewiesen, da sie am Anfang in der Regel noch keinen Gewinn schreiben. Fonds und große Unternehmen stecken Wagniskapital in verheißungsvolle Firmen in der Hoffnung, dass sich deren Geschäftsideen durchsetzen und ihnen üppige Profite bescheren. Im Jahr 2018 hatte sich Berlin mit 2,6 Milliarden Euro Investments in Startups noch knapp vor Paris (2,5 Milliarden) behauptet. Die französische Hauptstadt hatte da aber schon rasant aufgeholt. 2017 hatte sie noch deutlich hinter Berlin gelegen.

Gründer in Deutschland sind zwar stärker in den Fokus der Politik geraten, kommen aber oft nur schwer an üppige Geldspritzen. Die Förderbank KfW schätzt die Finanzierungslücke in der frühen Wachstumsphase auf bis zu 600 Millionen Euro pro Jahr. Die Bundesregierung will die Gründerkultur mit staatlich unterstützten Wagniskapitalfonds vorantreiben. Sie hatte mit der KfW auch eine Plattform für Startups ins Leben gerufen, um Gründer und Investoren zu vernetzen, Beratung zu verbessern und Finanzierungen zu erleichtern.

London trotzt dem Brexit-Chaos

In London sammelten Gründer 5,7 Milliarden Euro ein und lagen auch bei der Zahl der Finanzierungsrunden mit 323 klar vorn. "Das Brexit-Chaos scheint der Londoner Startup-Szene kaum etwas anhaben zu können", sagte Lennartz. Jeder dritte Euro Wagniskapital floss im ersten Halbjahr an dort ansässige Startups.

Das britische Internet-Satelliten-Startup OneWeb bekam in dem Zeitraum auch die größte Finanzspritze in Europa (1,1 Milliarden Euro). Die Berliner Reiseplattform GetYourGuide (428 Millionen) lag auf Platz fünf, mit Abstand folgte die Smartphone-Bank N26 (266 Millionen). Insgesamt erhielten europäische Start-ups in der ersten Jahreshälfte die Rekordsumme von 16,9 Milliarden Euro, 62 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es sei enorm viel Kapital im Markt, das angelegt werden müsse. "Investoren konzentrieren sich auf reifere Geschäftsmodelle und Unternehmen, die bewiesen haben, dass sie ihre Ziele erreichen können", sagte Lennartz.

Die Aussicht auf einen erfolgreichen Ausstieg per Börsengang oder Weiterverkauf erhöhe die Bereitschaft, auf der Zielgeraden nochmal hohe Summen zu investieren. Im zweiten Halbjahr habe der Boom angehalten. Gerade in Deutschland gab es ein starkes drittes Quartal - Hoffnung also für Berlin.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa