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Wie der Schmerz verschwindet Akupunktur setzt Moleküle frei

In den Körper gestochene Nadeln machen den meisten Menschen Angst. Viele jedoch, die durch einen Dauerschmerz keinen anderen Ausweg mehr finden, greifen auf die uralte chinesische Therapieform zurück, meistens mit Erfolg.

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Akupunktur soll auch bei Gesichtslähmung helfen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Akupunktur lindert den Schmerz, weil die eingestochenen Nadeln ein schmerzstillendes Molekül freisetzen. Das berichtet eine Gruppe um Maiken Nedergaard vom University of Rochester Medical Center (US-Staat New York). Das Team hatte Mäuse mit entzündeten Pfoten mit Akupunktur behandelt und dabei das Gewebe der Tiere untersucht. Die Resultate sind im Journal "Nature Neuroscience" nachzulesen. Die Wirkungsweise von Akupunktur auf Heuschnupfen haben die Forscher nicht untersucht.

Warum die feinen Nadeln bei vielen Schmerzen Linderung verschaffen, ist ein altes Rätsel der Medizin. Unbestritten ist bei vielen Patienten, Medizinern, Krankenkassen und der Weltgesundheitsorganisation, dass die Methode hilft. Akupunktur wird von der traditionellen chinesischen Medizin seit rund 4000 Jahren eingesetzt und hat sich über viele Teile der Welt verbreitet.

Die einen sagen, dass die an besonderen Punkten eingestochenen und vorsichtig gedrehten Nadeln "Energieflüsse" beeinflussen und zur "Balance der gegensätzlichen Kräfte Yin und Yang" beitragen. "Eine zentrale Rolle spielt darin das philosophische Konzept der Lebensenergie, Qi‘ (auch, Chi‘). Das, Qi‘ soll den Körper in mehreren Kanälen, den sogenannten "Meridianen" durchfließen, Gesundheit sei gekennzeichnet durch einen harmonischen Fluss von, Qi‘", heißt es bei der skeptisch eingestellten Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Andere Ärzte merken an, dass der Placebo-Effekt die entscheidende Rolle spielt – die Patienten glaubten schlicht sehr fest an die Hilfe.

Mehr Adenosin

Die Gruppe um Nedergaard experimentierte mit Greif- und Messbarem. Dazu setzte sie Nadeln in die Knie von Mäusen mit einer entzündeten Pfote – an der dem Menschen entsprechenden Stelle. Zudem wurden die Nadeln gedreht – auch das gehört zur etwa halbstündigen Therapie. Daraufhin stieg der Gehalt des Botenstoffes Adenosin im akupunktierten Gewebe – ein messbarer und klar zu belegender Effekt. Zudem hätten sich die Schmerzsymptome der Versuchstiere gelindert, schreibt das Team.

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Während einer Akupunkturbehandlung werden die Nadeln auch gedreht.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Adenosin kann an Nervenzellen binden, die Schmerz weiterleiten, und deren Aktivität mindern. Dazu koppelt das Molekül an einen Rezeptor auf den Zellen. Wenn Nedergaard die Nadeln lediglich einstach, aber nicht drehte, stiegt die Adenosin-Konzentration nicht. Weiterer Beleg für die Thesen des Teams: Ein Wirkstoff, der die Lebensdauer von Adenosin an der Akupunkturstelle erhöhte, verlängerte den schmerzstillenden Effekt der Nadeln.

Im Ergebnis schreiben die Forscher, dass die rotierenden Nadeln winzige Verletzungen zur Folge haben, wobei Adenosin freigesetzt wird. Geschehe dies nahe genug der Schmerz übertragenden Nerven, könnte das zur Unterdrückung eines lokalen Schmerzes führen.

Quelle: n-tv.de, dpa