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Bis zu sechs Gläser Wein in der Woche gelten als moderates Trinken.
Bis zu sechs Gläser Wein in der Woche gelten als moderates Trinken.(Foto: dpa)
Donnerstag, 02. August 2018

Nur bei moderatem Konsum: Alkohol kann Demenzrisiko stark senken

Abstinenzler leben gesünder? Zumindest in Bezug auf das Demenzrisiko widerlegt eine aktuelle Studie diese These - und enthüllt zudem, welche Art von Alkohol am besten vorbeugt. Zu tief ins Glas zu schauen, ist allerdings kontraproduktiv.

Menschen, die jahrzehntelang keinen Tropfen Alkohol anrühren, haben einer Studie zufolge ein deutlich höheres Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken, als moderate Trinker. Die Wahrscheinlichkeit, dass langjährige Abstinenzler Alzheimer oder andere Formen der Demenz bekommen, sei rund 50 Prozent höher als bei Menschen mit einem mäßigen Alkoholkonsum, heißt es in einer Studie, die im Medizin-Fachblatt "BMJ" veröffentlicht wurde.

Die Forscher unter der Leitung von Séverine Sabia von Frankreichs Nationalem Institut für Gesundheit und medizinische Forschung zeigen in der Studie auch, welche Art von Alkohol Demenz am ehesten vorbeugt: Unter den moderaten Trinkern haben Weintrinker demnach ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken, als Konsumenten von Bier oder hochprozentigem Alkohol.

Bei Menschen mittleren Alters gilt als leichtes bis moderates Trinken der Konsum von einer bis 14 Einheiten Alkohol pro Woche. 14 Einheiten entsprechen sechs mittelgroßen Gläsern Wein à 175 Millilitern, sechs Gläsern mit einem halben Liter Bier oder 14 Schnapsgläser mit Hochprozentigem.

Die Untersuchung beruht auf der Auswertung medizinischer Daten von mehr als 9000 britischen Staatsbediensteten und ist weniger genau als medizinische Studien, wie sie für die Einführung neuer Medikamente erstellt werden. Dennoch sei das Ergebnis der Studie belastbar, kommentierte Savil Yasar von der renommierten Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore, der nicht an der Studie beteiligt war. Die Medizin solle auf Grundlage dieser Erkenntnisse "die mögliche schützende Wirkung von leichtem bis moderatem Alkoholkonsum" hinsichtlich Demenz in Betracht ziehen, riet der Experte.

Negative Auswirkungen auf Leber und Krebsrisiko

Die Gründe für die offenbar positive Wirkung moderaten Alkoholkonsums auf das Gehirn werden in der Studie zwar nicht untersucht - sie enthält aber Hinweise auf Erklärungsansätze. Abstinenzler hätten ein höheres Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes, schrieben Sabia und ihr Team. Außerdem hätten frühere Studien Hinweise auf eine schützende Wirkung von in Wein enthaltenen Polyphenolen auf Nervenstrukturen und Blutgefäße ergeben.

Eine an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin wies jedoch darauf hin, dass lediglich Daten von Menschen ab einem mittleren Alter ausgewertet worden seien. Möglicherweise hätten die Abstinenzler aber Phasen starken Alkoholkonsums hinter sich, die Jahrzehnte später zur Demenz beigetragen hätten. "Künftige Studien müssen die Trinkgewohnheiten während des ganzen Lebens untersuchen und das wird dabei helfen, mehr Licht in das Verhältnis zwischen Alkohol und Demenz zu bringen", sagte die Leiterin des Alzheimer-Forschungszentrums von Großbritannien, Sara Imarisio, dem Science Media Centre.

Die Studienautoren wollen Abstinenzler aber keinesfalls zum Alkoholtrinken verleiten - "angesichts der bekannten schädlichen Auswirkungen von Alkoholkonsum auf Sterblichkeit, neuropsychiatrischen Störungen, Leberzirrhose und Krebs". Auch Yasar kommentierte, nicht nur die Wirkung des Alkohol auf das Gehirn, sondern auch mögliche Risiken wie Leberschäden und Krebs müssten berücksichtigt werden.

Zudem kehrt starkes Trinken der Studie zufolge den Effekt um und lässt das Demenz-Risiko deutlich steigen - und zwar um 17 Prozent je sieben zusätzlicher Alkoholeinheiten pro Woche. Eine Studie des  Translational Health Economics Network in Paris wies Anfang des Jahres in die gleiche Richtung: Starkes Trinken verdreifacht den Forschern in Paris zufolge das Demenzrisiko.

Quelle: n-tv.de