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Schwalbensterben in Südafrika Beweis für Klimawandel

In Südafrika haben die Warnungen vor den katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels eine neue Dringlichkeit bekommen. Während Tierschützer hilflos das Massensterben zehntausender Schwalben unmittelbar vor ihrem Rückflug nach Europa beobachteten, warnte nur wenige Kilometer entfernt Südafrikas Umweltminister Martinus van Schalkwyk vor weiteren Konsequenzen. Auf einem internationalen Naturpark-Kongress malte er diese Woche ein düsteres Szenario vor allem für die Naturparadiese des Kap-Staates.

Der Krüger-Nationalpark mit seiner einmaligen Flora und Fauna sei als Folge des Klimawandels besonders gefährdet, da heftigere Regenzeiten im Wechsel mit längeren Dürreperioden drohen. Ein derart verändertes Klima-Szenario war den Schwalben in der an den Krüger- Park grenzenden Limpopo-Provinz zum Verhängnis geworden. Ein plötzlicher Temperatursturz durch eine Kaltfront mit ergiebigen Regenfällen hatte die europäischen Frühlingsboten an Auszehrung sterben lassen. Sie hatten kaum noch nach Futter suchen können.

Ökosysteme aus dem Gleichgewicht

Ein ähnliches Massensterben von Zugvögeln beobachteten Vogelexperten in den vergangenen Jahren immer öfter. "Der Februar wurde früher (in Südafrika) stets als feuchter und der März eher als trockener Monat angesehen, aber nun hat sich die Situation verändert", betont Gerhard Verdoorn von der Umweltgruppe Birdlife Südafrika.

Minister van Schalkwyk warnte vor "echten und schweren" Konsequenzen auch für die Pflanzenwelt, die wiederum Folgen für die Tiere hätten. Wärmere Temperaturen würden die Schatten und Futter spendenden Blätterdächer der Bäume dürrer werden lassen. Zudem drohe ein sich verschärfender Kampf beim Zugang zu Wasser. Auf dem nach Ansicht von Klimatologen am schlimmsten vom Klimawandel bedrohten Teil Südafrikas - der Kap-Halbinsel - wird zudem der Totalverlust der ökologisch wertvollen Fynbos-Vegetation befürchtet.

Strategien, um dem Klimawandel zu begegnen

Der Erika-Pflanzen ähnelnde Fynbos hat rund um Kapstadt eine der Regionen mit der weltweit höchsten Artenvielfalt entstehen lassen. Sollte er verschwinden, könnten sich Hitze-resistentere Pflanzen aus anderen Teilen der Welt dort breitmachen, hörten die Experten auf dem Kongress. Südafrika appellierte an die Industriestaaten als größte Verursacher, bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen und die Verhandlungen zum Klimawandel bis Ende 2009 abzuschließen. Der Kap-Staat investiert schon heute große Summen in die Vorbereitung auf den befürchteten Klimawandel. So werden etwa mehrere der 22 Nationalparks um höher gelegene, kühlere Regionen erweitert, um den Tieren größere Ausweichflächen zu bieten.

Auch die Winzer rund um Kapstadt experimentieren bereits mit Hitze resistenteren Trauben aus Südfrankreich und expandieren in höher gelegene Anbauregionen, die früher eher für Obstanbau bekannt waren. Auf der Suche nach Alternativen hoben die Winzer sogar völlig neue Regionen auf die Weltkarte der Weinanbaugebiete. In der eher tropischen Provinz KwaZulu-Natal setzte das erste Weingut der Region einen Trend, der nicht nur zu Dutzenden internationaler Auszeichnungen führte, sondern auch bereits erste Nachahmer nach sich zog.

Ralf E. Krüger, dpa

Quelle: ntv.de