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Pestizid mit Langzeitfolgen DDT könnte Alzheimer auslösen

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In den 50er Jahren ging man mit DDT gegen Insekten vor. Dass das Pestizid Menschen erheblich schadet, wurde erst später entdeckt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, ist von vielen Faktoren abhängig. Forscher haben nun Hinweise auf eine weitere beteiligte Substanz gefunden: ein langlebiges Abbauprodukt des früher großflächig eingesetzten Insektizids DDT.

Obwohl in den meisten Teilen der Welt schon lange verboten, könnte das Pestizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) noch immer die Gesundheit vieler Menschen beeinflussen. US-Wissenschaftler haben Hinweise dafür gefunden, dass DDT das Risiko für Alzheimer erhöhen könnte. Darauf deuteten langlebige Abbauprodukte des Insektengifts im Blut von Alzheimer-Patienten, berichten sie in der Fachzeitschrift "Jama Neurology".

Die Forscher um Jason Richardson vom amerikanischen Robert Wood Johnson Medical School Institute hatten die Blutwerte von 86 über 60 Jahre alten Alzheimer-Patienten mit denen von 79 Menschen ohne die Krankheit verglichen. Das sei eine sehr kleine Studie für eine solche Analyse, kommentierte Prof. Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Das Ergebnis sei interessant, aber keineswegs als sicher belegt, sondern als Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zu werten.

Wohl nur ein Faktor von vielen

Die Wissenschaftler hatten bei 70 Prozent der Probanden in der Vergleichsgruppe und bei 80 Prozent der Alzheimer-Kranken Spuren von Dichlordiphenyldichlorethen (DDE) gefunden, einem langlebigen Abbauprodukt des DDT. Die Konzentration lag bei den Alzheimer-Patienten im Schnitt um den Faktor 3,8 höher. Für die Hirnfunktion ergab sich bei Tests ein Zusammenhang mit der jeweiligen DDE-Konzentration im Blut.

Dies könne ein Hinweis für eine Beteiligung von DDT-Derivaten an der Ausbildung von Alzheimer sein, schreiben die Forscher. Denkbar sei, dass die Substanzen allgemein die Anfälligkeit für Hirnerkrankungen erhöhen - also zum Beispiel auch für Schlaganfall oder Parkinson, sagte Frölich dazu. "Wenn, dann ist das aber nur ein Faktor von ganz vielen, die das Risiko beeinflussen."

Versuche mit Zellkulturen zeigten die mögliche Wirkungsweise: Wurden die Nervenzellen hohen DDT- oder DDE-Konzentrationen ausgesetzt, entstand darin verstärkt ein Vorläufer-Protein für das Beta-Amyloid, das sich in den Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten findet.

DDT seit vierzig Jahren verboten

"Das ist eine der ersten Studien, die einen starken Risikofaktor aus der Umwelt für Alzheimer identifizieren", wird Koautor Allan Levey vom Emory Alzheimer Forschungszentrums in Atlanta zitiert. "Die Stärke des Effekts ist auffallend groß, sie gleicht der des verbreitetsten Gen-Faktors bei der späten Ausbildung von Alzheimer."

DDT wurde über Jahrzehnte verbreitet als Insektizid in der Landwirtschaft verwendet. Als seine schädliche Wirkung auf Tiere und Menschen klar wurde, folgte in den 70er Jahren ein schrittweises Verbot. Die Substanz hat hormonähnliche Wirkungen und gilt als wahrscheinlich krebserregend. In Westdeutschland ist die Produktion und Anwendung seit 1972 verboten.

In einigen Ländern wird DDT allerdings noch immer verbreitet verwendet. Zudem gibt es Ausnahmeregelungen wie etwa für die Bekämpfung der Malaria. Dadurch und wegen der großen Stabilität der Chemikalie in der Umwelt ist nicht auszuschließen, dass Menschen auch heute noch geringe Mengen DDT über die Nahrung aufnehmen.

Quelle: ntv.de, ame/dpa

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