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Durch Inzucht geschwächt Der verhexte König Karl II.

Die über viele Generationen übliche Heirat innerhalb der Herrscherdynastie der Habsburger hat Erbkrankheiten und damit den Machtverlust gefördert. Das bestätigt eine neue genetische Analyse des Stammbaums von König Karl II., auch genannt "Der Verhexte". Mit dem kinderlosen König von Spanien und Teilen Italiens starb im Jahr 1700 die spanische Linie des Herrschergeschlechts aus. Auch historische Gemälde und Berichte weisen auf Erbkrankheiten hin, die Karl kinderlos blieben ließen. Weil die Thronfolge damit nicht geklärt war, brach der spanische Erbfolgekrieg aus.

Die genetische Ausstattung von Karl II. ähnelt jener von Nachkommen, die bei Inzestfällen von Vater und Tochter oder Bruder und Schwester entstehen, erklären die Genetiker. Solche Verbindungen sind in Deutschland verboten, denn genetische Krankheiten brechen bei den betroffenen Nachkommen überdurchschnittlich häufig aus. Die Gruppe um Gonzalo Alvarez von der spanischen Universität in Santiago de Compostela berichtet im Journal "PLoS One" über ihre Resultate.

Genetisches Puzzlespiel

Der Stammbaum der einst mächtigen Habsburger ist gut dokumentiert und lässt sich durch die Jahrhunderte genau verfolgen – ein riesenhaftes genetisches Puzzlespiel. Genetiker können mit Geduld herauslesen, wie stark die einzelnen Familienmitglieder verwandt sind, und auch Vorhersagen für mögliche Nachkommen treffen – eine Aufgabe, die hierzulande etwa die humangenetischen Beratungsstellen der Universitätskliniken wahrnehmen. Alvarez und seine Kollegen berücksichtigten 3000 Verwandte aus 16 Generationen, um einen Inzucht-Koeffizienten zu berechnen. Dieser Wert war bei Karl II. und seinem Großvater Philip III. am größten. Beide waren zwar "nur" die Söhne einer Verbindung von Onkel und Nichte, aber auch deren Vorfahren waren bereits eng verwandt.

Klein, schwach, krank

Weiteres Resultat der Untersuchung: In der untersuchten Zeit erreichte nur die Hälfte der Neugeborenen der Habsburger-Dynastie das erste Lebensjahr – verglichen mit 80 Prozent in den spanischen Dörfern dieser Zeit. Karl der II. wurde auch "Der Verhexte" (el Hechizado) genannt, weil er zeitlebens von vielen Krankheiten geplagt wurde. Zeitgenössischen Berichten zufolge war er klein und schwach, hatte Probleme mit vielen Organen und Blut im Urin. Auch Karl hatte die "Habsburgerlippe": einen vorstehenden Unterkiefer, ebenfalls Folge der Heirat unter seinen Vorgängern.

Im genetischen Sinne zielt die sexuelle Vermehrung darauf ab, möglichst verschiedene Erbanlagen miteinander neu zu kombinieren. So kann ein defektes Gen der Mutter von einer intakten Version des Vaters ausgeglichen werden, und umgekehrt. Die Nachkommen sind damit wahrscheinlich gesünder. Inzest hingegen erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass defekte Erbanlagen innerhalb der Familie nicht korrigiert werden.

Quelle: ntv.de

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