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Neue Behandlungswege bei Prostatakrebs Bestrahlung und OP vermeiden

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Eine Operation eines nicht aggressiven Karzinom der Vorsteherdrüse

(Foto: picture-alliance / dpa)

Seit Langem diskutieren Experten über das beste Vorgehen nach der Diagnose eines Prostata-Karzinoms. Eine zentrale Frage ist, ob ein solcher Tumor im Lauf der Zeit aggressiver wird. US-Wissenschaftler kommen nun zu einem Ergebnis, das herkömmliche Behandlungsmethoden infrage stellt.

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3D-Modell einer Prostata: Die üblichen Behandlungsmethoden können schädliche Nebenwirkungen wie Impotenz oder Inkontinenz haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Aggressivität eines Prostatatumors ändert sich im Lauf der Erkrankung offenbar kaum. Dieses Resultat einer US-Studie stützt die Strategie, ein diagnostiziertes, nicht aggressives Karzinom der Vorsteherdrü se nicht unbedingt sofort zu behandeln, sondern zunächst sorgfältig zu beobachten. Das berichten Forscher um Kathryn Peeney von der Harvard Medical School im Fachblatt "Cancer Research". Die Forscher prüften Daten von rund 1200 Patienten, bei denen zwischen 1982 und 2004 Prostatakrebs entdeckt wurde.

Weil sich in der späteren Phase dieses Zeitraums der PSA-Test zur Früherkennung etablierte, wurden mit den Jahren zunehmend mehr Karzinome im Frühstadium entdeckt. Aufschluss über die Aggressivität gibt der sogenannte Gleason-Score, der angibt, wie stark sich das Tumorgewebe von gesundem Gewebe unterscheidet. Der Gleason-Score hat nichts zu tun mit dem Tumorstadium, das nach Größe und Ausdehnung eingeteilt wird und danach, ob das Karzinom die Lymphknoten erreicht oder Metastasen gebildet hat.

Verhinderung einer Verringerung der Lebensqualität

In der Untersuchungszeit sank der Anteil der Tumoren, die erst im Spätstadium gefunden wurden, um 85 Prozent – von 20 Prozent im ersten Jahrzehnt auf nur noch 3 Prozent ab dem Jahr 2000. Der Anteil der Tumoren mit hohem Gleason-Score verringerte sich jedoch nur von gut 25 auf knapp 18 Prozent – also um 30 Prozent. Diesen geringeren Rückgang führen die Forscher aber darauf zurück, dass ohne PSA-Screening viele niedriggradige Tumoren nie entdeckt worden wären. Man könne zwar nicht ausschließen, dass ein Tumor aggressiver werde, typisch sei dies aber nicht, folgern sie.

"Falls der Gleason-Wert mit der Zeit fortschreiten würde, würden wir durch das PSA-Screening eine Abnahme hoher Werte mit der Zeit erwarten. Doch wir waren überrascht, wie konstant die Häufigkeit hochgradiger Erkrankungen über die Zeit blieb", sagt Penney. Eine "Entnahme der Prostata oder Strahlentherapie, die üblichen Behandlungen, können schädliche Nebenwirkungen haben wie Impotenz oder Inkontinenz. Eine aktive Überwachung könnte diese Verringerung der Lebensqualität verhindern. Männer mit geringgradiger Erkrankung sollten ernsthaft erwägen, darüber mit ihren Ärzten zu reden."

Professor Peter Albers spricht von einer validen Interpretation der Ergebnisse. "Ich glaube, dass man das daraus folgern kann", sagt der Direktor der Urologie am Uniklinikum Düsseldorf. "Man sollte die aggressiven Tumoren therapieren und die anderen zunächst einmal lassen." Allerdings schränkt er ein, dass die Prostata durchaus verschiedene Tumorherde unterschiedlicher Aggressivität enthalten kann. Daher solle man vor der Entscheidung über eine aktive Überwachung sämtliche Herde in dem Organ untersucht haben.

Quelle: ntv.de, dpa