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Mit moderner Technik lässt sich tief ins Gehirn blicken.
Mit moderner Technik lässt sich tief ins Gehirn blicken.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Freitag, 08. April 2011

Andere Hirnstrukturen bei Konservativen: Die Angst spielt eine Rolle

Menschen, die sich politisch als konservativ bezeichnen, haben ein größeres Angstzentrum als beispielsweise liberal eingestellte Personen. Das beweisen Forscher mit Hilfe von Magnetresonanzaufnahmen von Probanden.

Politisch konservative Menschen haben ein größeres Angstzentrum im Hirn. Das berichtet eine Gruppe um Ryota Kanai vom University College London im Journal "Current Biology". Ihre Untersuchung zeigte außerdem: Probanden, die sich eher dem liberalen Spektrum zuordnen, haben mehr graue Hirnmasse in einem Bereich der vorderen Großhirnrinde (anteriorer cingulärer Cortex, ACC).

Das Team hatte 118 Probanden zunächst nach deren politischer Einstellung befragt. Auf einer fünfteiligen Skala sollten sie sich einem Spektrum von "sehr liberal" bis "sehr konservativ" zuordnen. Danach wurden die Volumenanteile ihrer Hirnregionen mit der Magnetresonanz-Tomographie ermittelt. Menschen, die in Großbritannien als liberal gelten, gehören in Deutschland am ehesten zur Gruppe der Linksliberalen. Die Gruppe der Konservativen ist auf der Insel wie in Deutschland ähnlich.

Rechter Mandelkern ist größer

Die Grafik zeigt die rechte und die linke Amygdala im menschlichen Gehirn.
Die Grafik zeigt die rechte und die linke Amygdala im menschlichen Gehirn.(Foto: Washington Irving)

Die Bilder zeigten, dass konservative Menschen eine vergrößerte rechte Amygdala haben. Diese Struktur – sie wird auch Mandelkern genannt – ist paarig angelegt und findet sich in der linken und rechten Hirnhälfte. Die Amygdala ist für das Entstehen der Angst zuständig. Zudem ist sie an der Verarbeitung möglicher Gefahren beteiligt. Die Amygdala zählt zum limbischen Systems, das Emotionen verarbeitet. Der anteriore cinguläre Cortex steuert zentral etliche höhere Hirnfunktionen. Dazu zählen das Lernen, das Sozialverhalten, Entscheidungen, und andere zielgerichtete Verhaltensweisen.

"Vorher [vor der Studie] war bekannt, dass einige psychologische Eigenschaften die politische Orientierung von Menschen vorhersagen können", erklärte Kanai. "Unsere Studie verknüpft nun solche Persönlichkeitseigenschaften mit spezifischen Hirnstrukturen." Ausgelöst wurde die Untersuchung von Hinweisen, nach denen Liberale beim Verarbeiten sich widersprechender Informationen eine höhere Aktivität im ACC haben. "Das war der erste neurowissenschaftliche Hinweis auf biologische Unterschiede zwischen Liberalen und Konservativen."

Politische Orientierung nicht im Hirn ablesbar

Die Forscher berichten außerdem, dass es bereits vor ihrer Arbeit mehrere Hinweise darauf gab, dass Konservative empfänglicher für Bedrohungen und Unsicherheiten sind. Liberale hingegen gelten als offener für neue Erfahrungen. Diese Differenzen könnten sich im Hirn zeigen, vermutete das Team – und behielt recht. Kanai betont jedoch: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die aktuelle politische Orientierung direkt in diesen Hirnregionen verschlüsselt ist."

Bilderserie

Die Forscher weisen außerdem darauf hin, dass politische Einstellungen in mehr als nur in konservative oder liberale Kategorien fallen. Vielleicht könnten ähnliche Unterschiede in der Größe von Hirnregionen auch erklären, warum sich einige Menschen gar nicht für Politik interessierten – oder warum eine Gruppe strikt auf Mac-Computer setze, während andere PCs mit Windows bevorzugten.

Quelle: n-tv.de