Wissen

Neue Astronauten-Crew der ESA Diese Europäer starten bald ihre Reise ins All

45f586f494b1f78448074c14c0563bfb.jpg

Meganne Christian, John McFall and Rosemary Coogan gehören zu den fünf Kandidaten, die für eine ESA-Mission ausgebildet werden.

(Foto: REUTERS)

Werden sie zum Mond fliegen? Oder zur ISS? Das Ziel der neuen Kandidaten für eine ESA-Weltraummission ist noch unklar. Fest steht, dass sie zuerst ihre Ausbildung absolvieren müssen. Dafür geht es zunächst nach Köln, um dort neben dem Ingenieurwesen auch Russisch zu erlernen.

Für fünf Europäerinnen und Europäer ist der Traum wahr geworden: Die Französin Sophie Adenot, der Spanier Pablo Álvarez Fernández, die Britin Rosemary Coogan, der Belgier Raphaël Liégeois und der Schweizer Marco Alain Sieber bilden die neue Astronauten-Crew der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Das gab die ESA in Paris zum Ende des ESA-Ministerratstreffens bekannt. Doch noch sind die Sterne für die Neuen nicht zum Greifen nah.

Für die glücklichen fünf Kandidaten lockt vor dem Weltall nun erst einmal der Rhein. Beim Europäischen Astronautenzentrum in Köln läuft die einjährige Grundausbildung, in der die Crew Grundlagen der Naturwissenschaften und des Ingenieurwesens erlernt, Russisch paukt und auch das Training für Weltraumflüge beginnt. Anschließend durchlaufen die Neuen die etwa einjährige Aufbauausbildung, bei der sie besonders mit der Raumstation ISS vertraut gemacht werden und zum Beispiel an der Bodenkontrolle ihre Kolleginnen und Kollegen im All unterstützen.

Erst in der dritten Phase der Ausbildung erhalten die Astronautinnen und Astronauten eine konkrete Mission und bereiten sich auf diese vor. Etwa anderthalb Jahre lang beschäftigen sich die künftigen Raumfahrer dann damit, wie die Experimente ihrer Mission durchgeführt werden und was wissenschaftlich dahinter steckt.

Flugchancen wohl auch für Reserve-Astronauten

Bis die neue Astro-Crew ins All abhebt, kann es also locker drei Jahre dauern, wenn nicht länger. Matthias Maurer etwa wurde 2017 ins Astronautencorps aufgenommen und flog im vergangenen November in den Weltraum. Sein deutscher Vorgänger Alexander Gerst wurde der Öffentlichkeit im Mai 2009 vorgestellt, begann seine Ausbildung im September und schaffte es dann 2014 erstmals ins All.

Wohin die neue Generation der Astronautinnen und Astronauten fliegen wird, steht auch noch in den Sternen. Denn die Zukunft der ISS ist weiter ungewiss. Russland hatte angekündigt, nach 2024 aus dem Gemeinschaftsprojekt aussteigen zu wollen. Die US-Raumfahrtbehörde NASA sieht sich zumindest bis 2030 verpflichtet, den Außenposten in Betrieb zu halten. Flüge eines ESA-Astronauten zum Mond könnten auch noch etwas auf sich warten lassen. Möglich wären zum Beispiel Missionen zum "Lunar Gateway", der geplanten Station auf der Mondumlaufbahn.

Neben den fünf Astronauten, die die ESA als sogenannte Karriereastronauten vorgestellt hat, wurden auch neun Raumfahrer in Reserve ausgewählt, darunter die Deutsche Amelie Schoenenwald. Ins All gehen könnte es auch für sie. Matthias Maurer etwa war in der Top Zehn seines Bewerbungsjahrgangs, aber zunächst nicht in der finalen Auswahl, und wurde dann Jahre später als Astronaut nominiert.

Erhöhtes Budget für die ESA

Teil der astronautischen Reserve wird auch der Brite John McFall sein, der für die neu geschaffene Stelle als Astronaut mit körperlicher Behinderung ausgewählt wurde. McFall wird Teil eines Projekts, das herausfinden möchte, wie Barrieren in der Raumfahrt abgebaut werden können. ESA-Chef Josef Aschbacher sagte, man sei gewillt, das All für alle zu öffnen. Man brauche dafür spezielle Studien und eventuell Anpassungen im Weltraum oder auf dem Weg dorthin.

Die ESA hatte die Suche nach neuen Astronauten und Astronautinnen im vergangenen März gestartet. Insgesamt gingen mehr als 22.000 Bewerbungen ein, davon knapp 3700 aus Deutschland, 670 aus der Schweiz und 470 aus Österreich.

Auf dem Pariser Treffen beschlossen die 22 Mitgliedsländer außerdem ein deutlich erhöhtes Drei-Jahres-Budget für die ESA in Höhe von 16,9 Milliarden Euro. Gegenüber dem bisherigen Budget ist das ein Plus von 17 Prozent.

Deutschland steuert für den Etat der Europäische Weltraumorganisation künftig vier Milliarden Euro bei. Das gab Anna Christmann, Koordinatorin der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, bekannt. Frankreich wird dabei nach Aussagen von Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire 3,2 Milliarden Euro zahlen.

Deutschland will Führungsrolle behalten

Die ESA hatte ursprünglich 18,5 Milliarden Euro zur Finanzierung von Raketenstarts, Satelliten und der europäischen Beteiligung an der Planetenforschung für den Zeitraum 2023-25 gefordert - auch mit Blick auf die hohen Ausgaben der USA, Chinas oder Indiens für Weltraumprogramme. Deutschland übernahm in Paris den Vorsitz im ESA-Rat von Frankreich und wird die nächste Konferenz 2025 in Deutschland ausrichten.

Zu den Schwerpunkten der deutschen Beteiligung zählten satellitengestützte Projekte für besseren Klimaschutz, mehr europäische Souveränität und eine Stärkung privater Raumfahrtaktivitäten mit neuen Geschäftsmodellen (New Space), teilte das Wirtschaftsministerium mit. Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck, betonte, dass Deutschland auch bei der sogenannten astronautischen Raumfahrt weiterhin eine Führungsrolle innerhalb der ESA einnehmen werde.

Die Bundesregierung werde den Weiterbetrieb der Internationalen Raumstation ISS und die Entwicklung eines robotischen, europäischen Mondlanders sicherstellen. "Zudem bleiben wir verlässlicher Kooperationspartner der NASA im Artemis-Mondprogramm", betonte Habeck. Anfang der Woche hatte es Irritationen gegeben, ob er eine deutsche Beteiligung an dem NASA-Programm mitträgt, mit dem ab 2025 wieder Astronauten zum Mond geflogen werden sollen.

Quelle: ntv.de, lve/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen