Schnabeltier-Erbgut entschlüsseltEierlegender Säuger
Mit der Entschlüsselung des Erbguts des Schnabeltiers haben Genetiker nicht nur Erklärungen für den merkwürdigen Körperbau des Eier legenden Säugers, sondern auch Hinweise auf die Entstehung des Menschen gefunden.
Mit der Entschlüsselung des Erbguts des Schnabeltiers haben Genetiker nicht nur Erklärungen für den merkwürdigen Körperbau des Eier legenden Säugers, sondern auch Hinweise auf die Entstehung des Menschen gefunden. Die Untersuchung der rund 18.500 Gene des Schnabeltiers habe Übereinstimmungen mit dem Erbgut von Säugetieren, Vögeln und Reptilien ergeben, heißt es in einer veröffentlichten gemeinsamen Studie der Universität von Washington und der britischen Universitäten Oxford und Cambridge. "Der Chromosomensatz des Schnabeltiers ist äußerst wichtig, weil es das fehlende Glied in unserem Verständnis davon ist, wie wir und andere Säuger sich entwickelten", betonte Chris Ponting von der Oxford University.
Die Gen-Analyse des Schnabeltieres sei "unser Fahrschein zurück in die Zeit, als alle Säugetiere Eier legten und ihre Jungen mit Milch säugten", erklärte Ponting. Mensch und Schnabeltier hatten demnach vor fast 170 Millionen Jahren einen gemeinsamen Vorfahren. Durch den Vergleich des Schnabeltier-Erbguts mit dem normaler Säugetiere könne nun festgestellt werden, welche Gene im Prozess der Evolution erhalten blieben, unterstrich Hauptautor Richard Wilson von der Washington University.
Das im Osten Australiens und Tasmaniens lebende Schnabeltier wird als Säugetier eingestuft, weil es einen Pelz hat und Milch produziert. Die Jungen saugen die Milch jedoch nicht aus Zitzen, sondern aus der Haut am Hinterleib der Mutter. Vogelartige Eigenschaften des Schnabeltiers sind sein flacher, entenähnlicher Schnabel, die Schwimmhäute an seinen Füßen und die Genstruktur zur Festlegung des Geschlechts. Während das Geschlecht bei Menschen durch zwei Chromosome bestimmt wird, sind es beim Schnabeltier zehn. Mit Reptilien hat das Schnabeltier gemeinsam, dass die Weibchen Eier legen und die Männchen Angreifer mit einem Gift ähnlich dem von Schlangen abwehren können.
"Es ist viel stärker gemischt, als alle erwartet haben", sagte Ewan Birney, der die Gen-Analyse am European Bioinformatics Institute in Cambridge leitete. Eine Besonderheit, die nur bei der kleinen Gruppe der Kloakentiere zu finden ist, der das Schnabeltier (wissenschaftlich: Ornithorhynchus anatinus) angehört, ist die sogenannte Elektrorezeption. Das bedeutet, dass das Schnabeltier Elektrosensoren hat, mit dem es auf der Jagd unter Wasser Muskelkontraktionen möglicher Beutetiere wahrnehmen kann. Schnabeltiere werden bis zu 50 Zentimeter groß, zwei Kilogramm schwer und ernähren sich von Würmern, Insektenlarven, Krabben und Krebsen.