Genetische TricksereienErdnüsse für Allergiker?
US-Forscher haben zwei für Allergiker mitunter lebensgefährliche Proteine in Erdnüssen mit einem genetischen Trick gezielt ausgeschaltet.
US-Forscher haben zwei für Allergiker mitunter lebensgefährliche Proteine in Erdnüssen mit einem genetischen Trick gezielt ausgeschaltet. Damit weist die Gruppe um Peggy Ozias-Akins von der University of Georgia in Tifton womöglich einen neuen Weg zur Produktion sicherer Nahrungsmittel.
Bei einigen Menschen können schon winzige Erdnuss-Verunreinigungen von zwei Milligramm eine allergische Reaktion in Gang setzen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem tödlichen, sogenannten anaphylaktischen Schock. "Sowohl bei einer aktuellen, als auch bei einer früher festgestellten Erdnussallergie müssen die Patienten grundsätzlich auf den Konsum von Erdnuss-Produkten verzichten", rät daher Professor Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA).
Störende Schnipsel
Ozias-Akins und ihre Kollegen bedienten sich der RNA-Interferenz (RNAi). Dafür wurden kurze "Schnipsel" aus der Erbsubstanz RNA (Ribonukleinsäure) ins Genom der Erdnuss-Pflanzen gebracht. Diese sind so konstruiert, dass sie sich an die Protein-Bauanleitungen für die beiden am stärksten Allergie-auslösenden Proteine in der Erdnuss anlagern, "Ara h 2" und "Ara h 6".
Die Konzentration der Proteine in den Samen war daraufhin bis zu 16 Mal geringer als vorher, heißt es im "Journal of Agricultural and Food Chemistry". In den Keimblättern der so "stumm geschalteten" Pflanzen sei das Protein komplett ausgeschaltet worden. Diese Daten zeigen einen neuen Weg zur allergiefreien Erdnuss, heißt es bei Ozias-Akins. 80 bis 90 Prozent aller Erdnuss-Allergiker haben Antikörper gegen „Ara h 2 und „Ara h 6 im Blut. In Reagenzglas-Versuchen mit Antikörpern von Betroffenen zeigte sich eine verringerte Bindung.
Allergiker mit Antikörpern
Allergiker haben Antikörper gegen "Ara h 2" und "Ara h 6" im Blut. In Reagenzglas-Versuchen mit Antikörpern von Betroffenen zeigte sich eine verringerte Bindung. In den USA sind 0,6 Prozent der gesamten Bevölkerung allergisch auf die Nüsse, und bis zu 0,8 Prozent der Kinder, heißt es in dem Journal.
Demnach gehen zudem 80 Prozent der anaphylaktischen Schocks auf Erd- und andere Nüsse zurück, ein lebensbedrohendes Versagen des Herz- Kreislauf-Systems ist die Folge. "Eine Sensibilisierung gegen Erdnuss- Allergene lässt sich in Deutschland inzwischen bei jedem zehnten Kind feststellen", heißt es beim Aachener Allergologen Frank Friedrichs von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA).
Keine allergiefreien Erdnüsse für den Markt
Die US-Forscher erwarten derweil nicht, dass die experimentellen Pflanzen Ausgangspunkt von Produktionslinien werden. Dafür seien einerseits die Regeln für die Freisetzung solcher Pflanzen zu streng. Zum anderen sei nicht sicher, dass die beiden Gene durch RNAi auch auf Dauer stumm geschaltet blieben - womöglich ließen sich "Ara h 2" und "Ara h 6" aber auch anders und damit ganz ausschalten.
Zudem sind die beiden Proteine bei weitem nicht die einzigen Allergie auslösenden Substanzen in den Samen. Botanisch gesehen gehört die Erdnuss (Arachis hypogaea) zu den Schmetterlingsblütlern, wie die Gartenerbse. Die Nüsse werden zum Problem, wenn sie unwissentlich gegessen werden, etwa versteckt in Soßen, in anderen Gerichten oder in Schokoriegeln und weiteren Süßwaren.