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Nach Schlangenbiss Erst Adrenalin, dann Gegengift

Nach einem Schlangenbiss sollte einer Studie zufolge Adrenalin noch vor dem Gegengift gespritzt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher aus Sri Lanka in einer Studie mit mehr als 1000 Patienten. Durch diese Kombination werde das Risiko einer allergischen Reaktion auf das Gegengift deutlich gesenkt.

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(Foto: REUTERS)

Spritzt man nach einem Schlangenbiss noch vor dem Gegengift Adrenalin, wird das Risiko einer allergischen Reaktion auf das Gegengift deutlich gesenkt. Dies schreiben Forscher aus Sri Lanka im Anschluss an eine Untersuchung mit mehr als 1000 Patienten. Die Gabe von Hydrocortison und Promethazin (ein Anti-Histaminikum) vor dem Antiserum hingegen habe keinen solchen Effekt, so Asita de Silva von der Fakultät für Medizin der Universität von Kelaniya in Ragama. Wurde Adrenalin plus Hydrocortison vor dem Gegengift gegeben, sei die Wirkung des Adrenalins sogar behindert worden. Die Ergebnisse sind in "PLoS Medicine" nachzulesen.

Weltweit erleiden jedes Jahr etwa 421.000 Menschen den Biss einer Giftschlange und haben danach Vergiftungserscheinungen, etwa 20.000 Menschen sterben daran. Schätzungen zufolge könnten es jedoch mehr als vier Mal so viele Fälle sein, schreiben die Autoren. In Sri Lanka werden jedes Jahr etwa 200 von 100.000 Einwohnern mit Schlangenbissen in Krankenhäusern gesehen, damit ist die Rate eine der höchsten der Welt.

Die potenziell wirksamen Gegengifte enthalten Eiweiße, auf die die Patienten allergisch reagieren können. Die Beschwerden können von Ausschlag über Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Fieber und Kopfschmerzen reichen. In 40 Prozent der Fälle kann es zu schweren Reaktionen bis hin zum lebensgefährlichen Schock kommen, so de Silva. Dann greifen die Mediziner auf die nun getesteten Mittel als Notfallmedikamente zurück.

An der aktuellen Studie nahmen fünf Kliniken teil. Die Patienten wurden in Gruppen eingeteilt und wussten nicht, welche Therapie sie erhielten. Das Personal verabreichte Adrenalin, Hydrocortison und Promethazin oder ein Placebo – einzeln oder kombiniert – vor der Gabe des jeweiligen Gegengifts. Im Vergleich zum Placebo habe die Vorbehandlung mit Adrenalin schwere Reaktionen nach Gabe des Antiserums um 43 Prozent in der ersten Stunde reduziert, und um 38 Prozent in den ersten zwei Tagen danach. Adrenalin wurde unter die Haut gespritzt.

Die Autoren fordern, dass Industrie, die Weltgesundheitsorganisation WHO und andere Akteure mehr Anstrengungen unternehmen, um die Qualität der Antiseren zu verbessern. Bis dies gewährleistet sei, empfehlen sie nun die Gabe von niedrig dosiertem Adrenalin vor dem Gegengift, raten jedoch von einer vorsorglichen Verwendung von Hydrocortison ab. De Silva und Kollegen betonen, dass die Ergebnisse aus den 48 Stunden nach der Gabe des Antiserums bei jenen Patienten verwässert sein könnten, die aufgrund von schweren allergischen Reaktionen im Verlauf Notfallmedikamente erhalten mussten.

Quelle: n-tv.de, dpa

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