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Die Seuchen des modernen Menschen Experte fürchtet Krim-Kongo-Virus

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Der Patient mit Krim-Kongo-Fever zeigt die typischen inneren Blutungen.

(Foto: Dr. B.E. Henderson, CDC, wikipedia)

Nachdem 2011 die EHEC-Erkrankungen Deutschland in Angst und Schrecken gehalten haben, könnte es in Zukunft das Krim-Kongo-Virus sein, das zu Unruhe und Panik führt, wenn wir nicht vorbereitet sind, sagt Emil Reisinger, Tropenmediziner an der Universität in Rostock.

In den letzten 30 Jahren sind auf der ganzen Welt regelmäßig neue, gefährliche Infektionskrankheiten aufgetreten. Vogel- und Schweinegrippe, aber auch Ebola- und Marburg-Fieber gehören dazu. Im vergangenen Jahr haben sich die EHEC-Bakterien dazugesellt. Viele dieser Krankmacher können zu schweren Krankheitsverläufen und auch zum Tod führen. Sie sind die Seuchen der modernen Menschen. "Vor allem das Krim-Kongo-Virus könnte sich in den nächsten Jahren auch nach Deutschland ausbreiten", sagt der Tropenmediziner Emil Reisinger von der Universität in Rostock in einem Gespräch mit n-tv.de.

Das Krim-Kongo-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern auf der Erde. Es löst das gleichnamige Fieber aus. Wie bei Infektionen mit Ebola und Lassa kann es auch beim Krim-Kongo-Fieber zu inneren Blutungen kommen, die dann tödlich enden können.

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Ein Arzt entfernt eine Zecke aus dem Bauch eines Patienten.

(Foto: REUTERS)

In den 1940er Jahren waren auf der Insel Krim Erkrankungen mit den spezifischen Symptomen dokumentiert worden. Den Namen bekam der Erreger schließlich, als im Kongo im Jahr 1956 erstmals das Virus aus menschlichem Blut isoliert wurde. Das Krim-Kongo-Virus wird von Zecken übertragen und könnte auf verschiedenen Wegen nach Deutschland gelangen. "Sowohl ein infizierter Reisender kann das Virus importieren, als auch ein Vogel, der eine infizierte Zecke trägt, könnte das Krim-Kongo-Virus nach Deutschland einschleppen", so der Experte weiter.

"Schon vor zehn Jahren kam es im Kosovo zu zahlreichen Erkrankungen. 2006 gab es in der Türkei 242 gemeldete Krim-Kongo-Erkrankungen mit mehr als 20 Toten. Auch Russland, Albanien, Bulgarien und Griechenland meldeten in den letzten Jahren Krim-Kongo-Erkrankungen. Bis 2009 stieg die Anzahl der Erkrankungen in der Türkei auf rund 1300 Fälle pro Jahr, also innerhalb von wenigen Jahren um mehr als das Fünffache", erläutert Reisinger. "Das Virus wartet quasi vor den Toren von Mitteleuropa und es ist eine Frage der Zeit, bis es hier ankommt."

Zahlreiche Übertragungsmöglichkeiten

Die Übertragungswege des Virus können vielfältig sein. Grasfressende Haus- und Wildtiere wie Kühe, Schafe, Ziegen oder Hasen dienen dem Erreger als Wirte. Sticht eine Zecke ein bereits infiziertes Tier, so kann dadurch der Krankheitserreger weitergetragen werden, da das Krim-Kongo-Virus im Verdauungssystem der Zecke überlebt. So wird die Zecke zum hauptsächlichen Krankheitsüberträger. Aber auch durch den Kontakt mit Speichel, Blut oder Fleisch infizierter Tiere können sich Menschen anstecken. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist durch Schmierinfektion möglich.

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Auch Mücken können gefürchtete Krankheiten übertragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zwischen der Infektion und dem Ausbruch des Fiebers kann eine Zeitspanne von zwei Tagen bis zu zwei Wochen liegen. Die Krankheitsverläufe können leicht bis sehr schwer sein. Sie gehen mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen einher. Innere Blutungen, sogenannte Hämorrhagien, treten bei rund 30 Prozent der Infizierten auf. Zwischen 5 und 20 Prozent der Erkrankten sterben am Krim-Kongo-Fieber. Ein einmal mit dem Krim-Kongo-Virus infizierter Mensch besitzt danach eine gewisse Immunität gegen das Virus.

Das Krim-Kongo-Virus gehört genau wie Ebola- oder Lassa-Virus, aber auch die Grippe Viren zu den sogenannten RNA-Viren. Das bedeutet, dass sich diese Viren schnell genetisch verändern, also mutieren können. "Mutationen können die Erreger so verändern, dass ihre krankmachenden Eigenschaften im infizierten Menschen zunehmen und sie zudem besser von Mensch zu Mensch übertragen werden können", erklärt der Tropenmediziner.

Zeckenschutz ist wichtig

"Da es bisher keine kommerziell erhältliche Impfung gegen das Krim-Kongo-Virus gibt, sollte man sich bei Aufenthalt in freier Natur mit langer, heller Kleidung und Insektenschutzmitteln gegen Zeckenstiche schützen. Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Krim-Kongo-Virus sollte man sich so schnell wie möglich an eines der Tropeninstitute in Deutschland wenden.

Neben dem Krim-Kongo-Virus kann man in Deutschland in den nächsten fünf Jahren auch andere Infektionskrankheiten wie das Dengue- und Chikungunya-Fieber und das West-Nil Virus erwarten, die sich von Süd- nach Mitteleuropa ausbreiten können. In Nord- und Osteuropa sind das Ockelbo- und das Pogosta Virus weit verbreitet, bei denen es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie in Deutschland auftreten  Die meisten dieser Viren werden durch Stechmücken übertragen. "Vor den Toren Europas gibt es einige Viren, die auch im Rahmen der globalen Erwärmung nach Mitteleuropa vordringen werden". so Reisinger abschließend.

Quelle: ntv.de

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