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Interne Landkarte hilft bei OrientierungFledermäuse haben eine Art GPS

16.08.2011, 19:19 Uhr
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(Foto: dpa)

Fledermäuse sind für ihre Echoortung bekannt, die es ihnen ermöglicht, sich im Dunkeln zurechtzufinden. Doch nicht nur dies. Ein internationales Forscherteam findet heraus, dass Fruchtfledermäuse zudem eine imaginäre Karte und eine Art GPS im Kopf haben. Damit finden sie auch über weite Strecken zurück in ihre Höhlen.

Fledermäuse fliegen offensichtlich nach einer im Hirn gespeicherten Landkarte. Einige der untersuchten Tiere gelangen so jede Nacht bis zu einer 25 Kilometer entfernten bevorzugten Futterquelle, wie das Weizmann Institut in Rehovot (Israel) berichtete. Das Team um Nachum Ulanovsky hatte Ägyptische Fruchtfledermäuse mit nur zehn Gramm schweren GPS-Sendern ausgestattet.

Die Fledermäuse flogen jede Nacht aus einer Höhle nahe der israelischen Stadt Beit Shemesh direkt immer zum selben Baum, der Früchte trug. Dabei erreichten sie Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde. Auf ihrem Weg passierten die Tiere Bäume derselben Art, die näher an ihrer Höhle standen. Und selbst als die Fledermäuse 44 Kilometer südlich von ihrer Höhle freigesetzt wurden, konnten sie diese oder ihren Lieblingsbaum finden. Daraus schließen die Forscher, dass die Fruchtfledermäuse sich nicht vorzugsweise nach dem Geruch richten. Vielmehr erfolge die Orientierung vermutlich nach verschiedenen Markierungspunkten wie Hügel oder Ortslichter.

Navigation ähnelt der von Tauben

Schließlich ließen die Forscher die Fledermäuse an einem großen Krater 84 Kilometer von der Heimat entfernt frei. Ergebnis: Tiere, die am Kraterrand losflogen, fanden gleich zu ihrer Höhle zurück. Die auf dem Kraterboden freigesetzten Fledermäuse "irrten ziemlich lange herum" bevor sie aus dem Krater heraus zur Höhle fanden.

"Dies bestätigte die Einschätzung, dass Fledermäuse visuelle Information aus der Sicht eines Vogels benutzen, um ihre kognitive Landkarte über eine weite Fläche zusammenzustellen", schreibt das Weizmann Institut. Nach Auffassung der Forscher berechnen die Fledermäuse ihren Standort mit Hilfe verschiedener Landzeichen und Richtungswinkel.

"Die Daten zeigten, dass die Navigationsfähigkeiten der Fledermäuse mit denen von Tauben konkurrieren können", heißt es weiter. Dies sei die erste Studie, die belege, dass Säugetiere wie Fruchtfledermäuse solche großen internen Karten nutzen. Das internationale Forscherteam präsentiert seine Arbeit in den aktuellen "Proceedings" der Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Quelle: dpa