Inseln schlagen FestlandGrößere Artenvielfalt
Inseln bedecken zwar nur rund vier Prozent der Erdoberfläche, für den Erhalt der Artenvielfalt sind sie aber neunmal wichtiger als ein gleich großes Stück Festland.
Inseln bedecken zwar nur rund vier Prozent der Erdoberfläche, für den Erhalt der Artenvielfalt sind sie aber neunmal wichtiger als ein gleich großes Stück Festland. Dies ist das Resultat einer Analyse deutscher und US-amerikanischer Forscher. Die Gruppe um den Bonner Projektleiter und Co-Autor Gerold Kier hatte dafür die bislang größte Datensammlung zum globalen Vorkommen von Pflanzen- und Wirbeltierarten zusammengestellt, teilte die Hochschule mit. Mehr als 70.000 Pflanzenarten haben ihre Heimat der Studie zufolge auf den ozeanischen Inseln. Das ist fast ein Viertel der nach Angaben der Forscher weltweit rund 315.000 Arten. Die Verteilung von Vögeln, Reptilien, Amphibien und Säugetieren folgt einem ähnlichen Muster, erklären die Wissenschaftler. Die Resultate sind in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") erschienen.
Spitzenreiter in diesem "Biodiversitäts-Ranking" ist die Insel Neukaledonien vor der Nordküste Australiens. Auf einer Fläche vergleichbar mit Rheinland-Pfalz beherbergt sie 3270 Pflanzenarten, von denen 2432 nur auf dieser Insel vorkommen (sie sind "endemisch"). Darunter ist beispielsweise Amborella, die ursprünglichste aller lebenden Blütenpflanzen. Auch einzigartige Vogelarten finden sich dort, etwa der kranichartige Kagu. Die Forscher haben ihre Resultate in Karten zusammengefasst: "Karten wie unsere hatte es bislang nur für einzelne Kontinente gegeben", erläuterte Co-Autor Holger Kreft. "Man kann damit erkennen, welche Regionen im weltweiten Vergleich besonders wichtig für den Naturschutz sind."
Ebenfalls sehr wertvoll: Südafrika
Auch viele Gebirge, insbesondere in den Tropen, gehören zu den aus Sicht der biologischen Vielfalt besonders wertvollen Regionen, gefolgt von Gebieten mit mediterranem Klima. Auch einige Festlandgebiete haben bemerkenswert hohe Werte, allen voran die als Kapensis bekannte Südspitze Afrikas. Kreft ergänzt: "Inseln sind zwar schon seit Charles Darwin für ihre einmalige Pflanzen- und Tierwelt bekannt. Aber es fehlte bislang an einer weltweiten Analyse, die ihren Wert im Hinblick auf den Naturschutz mit Kontinenten vergleicht." Es sei aber nicht sinnvoll, Schutzbestrebungen nun einseitig auf Inseln zu konzentrieren: Drei Viertel aller Pflanzenarten entfallen weiterhin aufs Festland, erklärte der Forscher.
Bedrückende Aussichten
Ihre für das Jahr 2100 kalkulierten Szenarien lassen derweil befürchten, dass die Tier- und Pflanzenwelt auf Inseln zukünftig sehr viel stärker gefährdet wird als auf dem Festland. Hauptursache ist die Waldrodung für neue Ackerbauflächen. Auch verdrängen aus anderen Teilen der Welt eingeschleppte Tiere und Pflanzen heimische Arten, wie bislang bereits vielfach geschehen.