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Ganzheitliche Tiermedizin Heilpraktiker für Vierbeiner

Chato hält ganz still. Seinen Kopf hat der Jagdhund auf die Beine seines Frauchens gelegt, das neben ihm auf dem Boden sitzt. Auf seinem Rücken liegt eine Art Kunststoffdecke, die mit mehreren Kabeln an ein Gerät angeschlossen ist. Chato bekommt eine "Bioresonanztherapie" in der Naturheilpraxis von Petra Mumme in Mainz. Eine alternative Heilmethode und für Annegret Ivenz und ihren Deutsch-Drahthaar-Rassehund die letzte Hoffnung: immer wieder leidet er unter epileptischen Anfällen.

"Mit zwei Jahren hatte er seinen ersten", erinnert sich Ivenz. In gut einem Jahr folgten 85 weitere Anfälle, zeitweise alle fünf Tage. Die besorgte Halterin ging zu verschiedenen Tierärzten, bis Chato schließlich neun starke Beruhigungstabletten täglich bekam. Doch die stete Erhöhung der Dosis brachte keinen Erfolg. "Uns wurde oft geraten, ihn einschläfern zu lassen." Stattdessen brachte Annegret Ivenz ihren Liebling vor fünf Wochen zu Petra Mumme in die Praxis - mit schnellem Erfolg. Bereits nach der zweiten Therapie blieben die Anfälle aus. Die starke Medikamentendosis wurde unter der Aufsicht der Naturheilerin Schritt für Schritt reduziert, denn Chato war mittlerweile von den Tabletten abhängig.

Einen kleinen Rückfall hatte er am Wochenende. Aber Annegret Ivenz merkt, wie gut es ihm jetzt geht: Seit ein paar Tagen ist der vor kurzem noch apathische Hund wieder lebhaft, mag lange Spaziergänge und tobt durch den Garten. "Viele Halter meinen: mit schweren Krankheiten geht man zum Tierarzt und mit leichten zu uns", sagt Petra Mumme. Sie allerdings habe schon Patienten mit Tumoren homöopathisch behandelt. "Man muss eben schauen, was man aus dem Körper noch an Selbstheilungskräften herausholen kann."

Sterbebegleitung gehört dazu

Einigen Tieren könne sie noch vier oder fünf Jahre mit guter Lebensqualität schenken. "Das ist für ein Hundeleben viel", sagt die Heilpraktikerin. Wenn die Behandlung aber in Quälerei ausarte oder das Tier vor sich hin vegetiere, sollte man "Schluss machen". Auch Sterbebegleitung gehört daher zu ihrem Alltag.

Dass gerade bei diesem Thema die konventionelle Medizin wenig zu bieten habe, meint Heidi Kübler, Vorsitzende der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin. "Ganz grob kann man sagen: akute Probleme kann die Schulmedizin besser lösen. Schwere, chronische, degenerative Dinge eher homöopathisch." Grundlage sollte nach ihrer Meinung allerdings immer eine klinische Untersuchung sein. Petra Mumme, die dieses Jahr ihr 20-jähriges Dienstjubiläum feiert, hat inzwischen ein großes Netzwerk auch mit Schulmedizinern aufgebaut. Oft bekommt sie "austherapierte" Patienten von Tierärzten aus der Umgebung überwiesen.

In ihrer Branche ist das nicht selbstverständlich: "Im Grunde kann jeder ein Schild vor die Türe hängen und sich Tierheilpraktiker nennen", sagt Heidi Kübler. Die Berufsbezeichnung sei nicht geschützt. Das macht auch Petra Mumme sauer, denn sie hat ein mehrjähriges Fachstudium absolviert und ärgert sich, weil die Tierhalter sie nicht von den "schwarzen Schafen" unterscheiden können. Der "älteste Verband der Tierheilpraktiker Deutschlands", bei dem sie Mitglied ist, versucht schon lange, ein klares Erkennungsmerkmal qualifizierter Tierheilpraktiker zu schaffen. Er nimmt etwa nur diejenigen auf, die vor dem Verband erfolgreich eine Prüfung abgelegt haben. "Das ist doch verantwortungslos, was man sonst den Tieren antut", sagt Heilpraktikerin Mumme.

Zusammenarbeit mit Tierarzt ist Qualitätsmerkmal

Neben einer Mitgliedschaft im Verband ist für Heidi Kübler die Kooperation mit einem Tierarzt ein Qualitätsmerkmal. Petra Mumme kann so etwas sogar international vorweisen. Eine Familie aus Südafrika hatte sie angerufen, weil ihre beiden Hunde an einer Hautkrankheit litten. "Aber Ferndiagnosen stelle ich nicht", erklärt sie bestimmt. Stattdessen hat sie das eingeschickte Blut im Labor untersuchen lassen und dann einem in Südafrika lebenden Tierarzt eine Therapiemöglichkeit empfohlen.

Chato hat seine Behandlung für heute überstanden. Die ist zwar nicht unangenehm, sein Körper wird mit biophysikalischen Schwingungen bearbeitet und das merkt er nicht. Aber das lange Liegen hat gereicht. Schwanzwedelnd schaut er sein Frauchen an, denn jetzt geht es raus an die frische Luft. In der Praxis heißt es "Die nächsten bitte" - Ehepaar Debus betritt den Behandlungsraum. Ihr silbergrauer Pudel Sheila hat Wasser in der Lunge.

Ursula Winkler, dpa

Quelle: ntv.de

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