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Woher kommt die Wurst? Herkunft bleibt ungewiss

Wer Feta kauft, kann sich seit kurzem sicher sein: Der Käse ist in Griechenland aus der Milch von Schafen oder Ziegen hergestellt worden, die nur dort weiden. Im Oktober 2007 ist die Frist abgelaufen, in der auch Produzenten in anderen Ländern die Bezeichnung Feta noch benutzen durften. So einfach ist es nicht immer: Verbraucher können sich nur selten umfassend über die Herkunft von Lebensmitteln informieren.

Wer weiß, wo die Lebensmittel herkommen, kann sich zum Beispiel bewusst für Produkte aus seiner Region entscheiden. "Das bedeutet kurze Transportwege oder dass Obst und Gemüse vor der Ernte ausreifen können", sagt Christoph Römer von der Verbraucherzentrale Berlin.

Zumindest bei rohem Rind- und Geflügelfleisch sowie bei Obst und Gemüse sind die Verbraucher noch vergleichsweise gut dran. Bei Ersterem verlangt eine EU-Regelung, dass der Geburts-, der Aufzuchts- und der Schlachtort des Rinds angegeben werden. "Das ist eine Folge der BSE-Krise", erklärt Laura Gross, Ernährungsexpertin bei der Verbraucher Initiative in Berlin.

Dagegen gilt bei anderem und bei verarbeitetem Fleisch in Sachen Herkunft allzu oft: Fehlanzeige. Da ist es auch nur bedingt hilfreich, dass auf verpackten Lebensmitteln in der Regel der Hersteller angegeben werden muss. Denn selbst wenn dieser aus Deutschland stammt, kann er die Zutaten von überall her beziehen.

In der Obst- und Gemüseecke wird dagegen immerhin von etwa 40 Sorten die Herkunft angegeben - bei jenen, die der europäischen Marktordnung unterliegen. "Aber Bananen zum Beispiel unterliegen ihr nicht", sagt Birgit Hinsch von der in Frankfurt/Main erscheinenden Zeitschrift "Öko-Test".

Oft ist das Problem aber nicht, dass Angaben fehlen oder schwer zu erkennen sind - sie führen vielmehr in die Irre: "Es gibt Marken, die mit einer Herkunft spielen", sagt Gross. Denn eine gut beleumundete Herkunft verkauft sich gleich besser. Das gilt auch für die Produkte selbst. So hat das Kasseler nichts mit Kassel zu tun - und vom Harzer Käse stammt allenfalls noch die Rezeptur aus dem Harz.

Selbst Produkte wie die Thüringer Rostbratwurst oder Aachener Printen, die das EU-Logo "geschützte geografische Angaben" (g.g.A.) tragen, stammen nicht immer ausschließlich aus den genannten Orten oder Regionen. "Das heißt zum Beispiel bei den Printen nur, dass ein wesentlicher Teil der Produktion und die Rezeptur Aachen-spezifisch sein müssen", erklärt Laura Gross. Das verarbeitete Mehl könnte aber theoretisch von überall her importiert worden sein.

Auch das EU-Logo "garantierte traditionelle Spezialität" (g.t.S.), das unter anderem der Serranoschinken trägt, bürgt nur für einen bestimmten Ursprung der Rezeptur. Sicherheit gibt hier nur das Logo "geschützte Ursprungsbezeichnung" (g.U.) - das jetzt der Feta trägt und das auch den Parmaschinken als italienisch ausweist.

Vollends kompliziert wird es bei Produkten, die mit sehr vagen Herkunftsangaben beworben werden: "Es gibt zum Beispiel Hinweise wie "Frisch vom Land"", sagt Christoph Römer. "Viele Leute denken dann, das kommt aus Deutschland - aber das muss nicht sein."

Wer vor allem heimische Produkte kaufen will, kann sich bei Produkten ohne Kennzeichnungspflicht an den Siegeln orientieren, die mehrere Bundesländern eingeführt haben. Dazu zählen das "Qualitätszeichen" und das "Bio-Zeichen" aus Baden-Württemberg. "Da definiert der Zeichengeber zwar jeweils selbst, wie viel Herkunft drin ist", sagt Gross. "Aber ein Hinweis sind solche Siegel schon."

Quelle: ntv.de

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