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Flugzeuge der Zukunft In 90 Minuten nach Australien

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So soll er aussehen, der "Spaceliner".

(Foto: DLR (CC-BY 3.0))

Extrem schnell und umweltfreundlich sollen die Flugzeuge der Zukunft sein - dank Raketenantrieb. Daran forschen Experten vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. In Bremen stellen sie den "Spaceliner" vor, mit dem Passagiere rasanter unterwegs sind als der Schall. In rund 40 Jahren könnte es soweit sein.

In weniger als zwei Stunden nach Australien fliegen - das sollen Flugzeuge mit Raketenantrieb künftig möglich machen. Auch die Umwelt könnte von den superschnellen Maschinen profitieren. Denn der Raketentreibstoff erzeuge keine schädlichen Treibhausgase, sagte der Projektleiter Martin Sippel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bremen.

Er und seine Kollegen erforschen jetzt in einem von der EU mit mehr als drei Millionen Euro geförderten Projekt, wie flüssiger Wasserstoff in Flugzeugtanks gelagert werden kann. Flugzeuge mit Raketenantrieb sollen künftig sehr viel schneller als der Schall fliegen. Wie könnten diese aussehen? Sippel: "Der 'Spaceliner' könnte etwa so aussehen wie das Space Shuttle. Er startet senkrecht und landet später horizontal. Er hat eine Stufe für den Tank und eine Stufe für die Passagiere. Im Gegensatz zum Space Shuttle wird er aber nicht in den Orbit fliegen, sondern etwas langsamer bleiben und - nachdem die Raketentriebwerke ausgebrannt sind - in bis 80 Kilometern Höhe durch die Erdatmosphäre gleiten."

Reisen mit Rettungskapsel

Das hört sich nicht nur gefährlich an, es ist auch tatsächlich zunächst alles andere als sicher. "Raketentriebwerke sind heute nicht so zuverlässig wie die von Flugzeugen", sagt der Experte. "Man muss für den Transport von Menschen die Technologie so weiter entwickeln, dass sie sicher ist. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass wir eine Rettungskapsel brauchen. Die Passagiere steigen nicht in den normalen Flugzeugrumpf, sondern in eine separate Kapsel. Diese wird kurz vor dem Start mit dem "Spaceliner" verbunden. Im Notfall könnte die Rettungskapsel dann abgesprengt werden."

Was sind denn die Vorteile dieses superschnellen Flugzeugs? Sippel: "Die Reisezeit verkürzt sich erheblich. Für einen Flug nach Australien bräuchten die Passagiere statt 30 Stunden nur noch 90 Minuten. Außerdem ist der 'Spaceliner' umweltfreundlicher, weil er mit Raketentreibstoff - flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff - fliegt. Während des Flugs entstehen keine klimaschädlichen Gase wie Kohlendioxid und keine Stickoxide."

Raketenantrieb im Linienverkehr

35 bis 40 Jahre wird es Sippel zufolge noch dauern, bis die ersten Flugzeuge mit Raketenantrieb im Linienverkehr unterwegs sind. "Es geht zunächst darum, das Ganze zuverlässig und sicher zu machen. Das ist eine Herausforderung. Prinzipiell sind Flugzeuge mit Raketenantrieb machbar, aber es muss auch von den Kosten her möglich sein. So etwas sollte natürlich auf private Initiative entwickelt werden. Es ist nicht vorstellbar, dass das allein staatlich finanziert wird."

Für kurze oder mittlere Strecken lohnt sich der "Spaceliner" nicht. Sich innerhalb weniger Sekunden von Hamburg nach München befördern zu lassen, ist damit nicht möglich. Denn wie Sippel erklärt, muss der "Spaceliner" eine große Höhe erreichen. "Wir müssen auch bedenken", sagt Sippel, "dass ein so schnelles Fahrzeug viel Lärm macht. Deshalb wird es spezielle Startplätze geben, die weit von Wohngebieten entfernt sind und deren Zahl begrenzt ist. Einer wird vielleicht in Europa sein, einer in Australien, einer in Amerika und einer in Asien." – Das allerdings geht dann doch zu Lasten der Reisezeit. Wer nicht in der Nähe eines Startplatzes wohnt, wird es dann also doch nicht in 90 Minuten bis nach Australien schaffen.

Quelle: ntv.de, asc/dpa