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Elternstress und Strukturlosigkeit Kinder werden schneller krank

Schon ein paar einfache Familienrituale erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder gesund aufwachsen - und das ganz egal, ob die Eltern arm oder reich sind, sagt eine Studie.

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Gemeinsame Mahlzeiten tragen zur Gesundheit von Kindern bei.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Kinder aus Familien, die wenig Rituale und Gemeinschaft pflegen, haben einer neuen Studie zufolge ein höheres Krankheitsrisiko. So ist etwa die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht bei Kindern 1,6 mal höher, wenn die Familie nicht regelmäßig zusammen frühstückt. Das geht aus der repräsentativen AOK-Familienstudie 2010 hervor, für die bundesweit mehr als 2000 Eltern mit Kindern zwischen vier und 14 Jahren befragt wurden. Zu viel Elternstress und strukturloser Alltag führt demnach auch beim Nachwuchs zu mehr psychischen und körperlichen Problemen. "Die Studie zeigt, dass es bei der Gesundheit der Kinder hauptsächlich auf die Einstellung und das Vorbild der Eltern ankommt", sagte Jürgen Graalmann vom AOK Bundesverband.

"Insgesamt kommen die Eltern mit ihrer Doppelt- und Dreifachrolle als Erzieher, Berufstätige und Lebenspartner mehrheitlich aber gut zurecht", betonte Kindheitsforscher Prof. Klaus Hurrelmann (Berlin), der die Studie mit betreute. Die meisten haben auch klare Ziele, um ihre Kinder gesund aufwachsen zu lassen. Probleme gebe es jedoch oft mit der Umsetzung - vor allem, wenn die Zeit immer allzu knapp ist oder psychische und finanzielle Belastungen hinzu kommen. "Vor allem Alleinerziehende stehen hier unter großem Druck", beschrieb der Forscher. Hier gelte es, Entlastung zu schaffen. "Auch Eltern brauchen Auszeiten."

Soziales Netzwerk federt ab

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Strukturlosigkeit geht meistens mit Unordnung zusammen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Haben Familien viele Menschen in der Umgebung, die ihnen bei Bedarf helfen, ist die Rate der Kinder mit körperlichen oder psychischen Stressanzeichen um fünf bis acht Prozent niedriger. Wenn Eltern es auch unter schwierigen zeitlichen und finanziellen Bedingungen schaffen, bestimmte Regeln und einen strukturierten Tagesablauf einzuhalten, wachsen ihre Kinder dennoch gesund auf, zeigt die Studie. "Es kommt gar nicht auf irgendwelche besonderen Extras im Tagesablauf an, sondern auf ganz normale Selbstverständlichkeiten", sagte Hurrelmann: Eine gemeinsame Mahlzeit, eine Phase ungeteilter Aufmerksamkeit für das Kind, begrenzter Medienkonsum, Interesse an Schule und Kita.

"Interessanterweise zeigt sich erst im Alter von 11 bis 14 Jahren, wie gesundheitsfördernd diese Familienroutinen für die Kinder sind", beschreibt Hurrelmann. Um dies in möglichst viele Familien zu transportieren, will die AOK künftig durch Aktionen in Schulen und Kitas noch mehr Eltern erreichen.

Hintergrund der Studie: Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Herzerkrankungen, die durch falsche Ernährung bedingt sind, verursachen in Deutschland jährlich Kosten von rund 70 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de, dpa

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