Wissen
Montag, 12. Oktober 2009

Irritation durch schwebende Dinge: Krähen kennen die Schwerkraft

15287921.jpgKrähen haben eine Vorstellung von der Schwerkraft. Die Vögel betrachten einen scheinbar schwebenden – und damit gegen die Naturgesetze verstoßenden – Gegenstand deutlich länger an als einen, der ordnungsgemäß abgestützt ist. Die Vögel seien irritiert, wenn eine Situation der Erdanziehung widerspreche, berichten Forscher in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Das Verständnis von den Regeln der Gravitation reiche bei den Vögeln gar über jenes von Schimpansen hinaus.

Christopher Bird von der Universität Cambridge und Nathan Emery von der Queen-Mary-Universität in London hatten sieben Saatkrähen (Corvus frugilegus) auf einem Monitor Aufnahmen von Ei-ähnlichen Objekten gezeigt. Insgesamt vier Situationen wurden präsentiert, dabei spielten ein "Objekt" und eine "Plattform" eine Rolle. In drei Fällen handelte es sich um ein Plastikei und eine Holzplatte, mit der die Krähen sich zuvor bereits ausführlich beschäftigt hatten. Im vierten Experiment waren ein Korken und eine Metallplatte zu sehen, die den Krähen neu waren.

Irritierender Anblick

Wenn auf den Bildern alles seine naturgesetzliche Ordnung hatte, zeigten sich die Krähen wenig interessiert – auch dann, wenn sie die dargestellten Gegenstände nicht kannten. Lagen Ei oder Korken aber so auf der Platte, dass sie hätten herunterfallen müssen, waren die Vögel irritiert und schauten genauer hin, heißt es in dem Journal. Das Bild wurde auch dann länger betrachtet, wenn der Gegenstand entgegen aller Regeln der Natur schwebte. Die Krähen wüssten also, dass ein Objekt irgendwo aufliegen muss – zumindest mit einem bestimmten Teil, schließen die Forscher.

Liegen oder hängen?

3967262.jpgAnders als Schimpansen reagierten die Saatkrähen zudem verwirrt, wenn der Gegenstand etwa auf der Unterseite der Platte "lag" – sprich, daran hing. Babys seien zu solchen Erkenntnissen frühestens im Alter von sechs Monaten in der Lage. In weiteren Versuchen wollen Bird und Emery nun prüfen, ob Krähen auch die Symmetrie eines unregelmäßig geformten Objekts berücksichtigen können, wenn sie abschätzen, mit wie viel Fläche dieses mindestens irgendwo aufliegen muss, ohne herunterzufallen. Dies würde dem Entwicklungsstand eines 13 Monate alten Kindes entsprechen, erläutern sie.

 

Quelle: n-tv.de