Tasmanischer TeufelKrebs verändert Fortpflanzung
Ein tödliches Krebsleiden verändert die Fortpflanzung der Tasmanischen Teufel: Statt wie bisher erst mit zwei Jahren Nachwuchs zu zeugen, werden die Weibchen schon mit einem Jahr geschlechtsreif.
Ein tödliches Krebsleiden verändert die Fortpflanzung der Tasmanischen Teufel: Statt wie bisher erst mit zwei Jahren Nachwuchs zu zeugen, werden die Weibchen schon mit einem Jahr geschlechtsreif und bekommen auch erstmals Junge.
Auf diese Weise stellen die Tiere ihre Fortpflanzung sicher, bevor sie von verheerenden Tumoren dahingerafft werden. Dies berichten australische Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").
Tumorerkrankung
Die "Teufelgesichts-Tumorerkrankung" - im englischen DFTD für devil facial tumor disease - breitet sich seit 1996 auf Tasmanien aus, der einzigen Insel, auf der die auch Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) genannten Tiere überhaupt noch vorkommen. Der Krebs befällt in Form von Knoten und Schwellungen zunächst das Gesicht der Tiere und breitet sich von dort über den gesamten Körper aus. Innerhalb weniger Monate sterben die infizierten Tiere. Die Seuche hat zu einem starken Rückgang der Tiere geführt; einzelne Populationen schrumpften seit Ausbruch der Krankheit um ganze 89 Prozent.
Das Leiden ist ansteckend: Die Tumorzellen werden beim Biss eines infizierten Tieres übertragen - und Bisse gehören zum Liebesspiel der Teufel dazu. Stirbt dann die Mutter, bevor die Jungen die Selbständigkeit erreicht haben, verendet auch der Nachwuchs. Forscher um Menna Jones von der University of Tasmania (Australien) hatten die Alterstruktur in insgesamt fünf Populationen auf der Insel vor und nach dem Auftauchen der Krankheit untersucht. Sie stellten fest, dass vor der Krankheit ältere Tiere über 3 Jahre die Populationen dominierten, nachher fehlten diese fast ganz. Gleichzeitig stieg in vier der fünf untersuchten Gruppen nach den ersten Krebsfällen die Zahl der vorzeitig geschlechtsreifen Weibchen rapide - im Schnitt um 16 Prozent.
Rettung vorm Aussterben unsicher
Die Tasmanischen Teufel haben damit auf den krankheitsbedingten Anstieg der Sterblichkeit reagiert, schreiben die Forscher. Ob dies die Tiere allerdings vor dem Aussterben retten wird, bleibt weiterhin unklar. Mit dem vorzeitigen Erreichen der Geschlechtsreife steigt nämlich auch das Risiko der Weibchen, selbst zu erkranken. Experten zufolge ist ein Aussterben der Beuteltiere in 20 bis 25 Jahren möglich.
Dies wäre nicht das erste Mal, dass die Tiere kurz vor dem endgültigen Verschwinden stehen: Von Beginn des 19. bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die Beutelteufel stark bejagt. Außerdem reduzierten Epidemien den Bestand. Dies mag auch dazu geführt haben, dass die genetische Vielfalt der heutigen Populationen eingeschränkt ist. Vor allem in zentralen Genen des Abwehrsystems fehlt es den Teufeln an Variabilität, was ihnen die Bekämpfung der Krebserkrankung erschwert.