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Krebs, Bluthochdruck, Herzinfarkt "Männer altern nicht, sie verwittern!"

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(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Männer sind meistens kränker als sie selbst wahrhaben wollen, ist ein zentrales Ergebnis des ersten Deutschen Männergesundheitsberichts. Warum sie so selten zum Arzt gehen und es sich für Männer lohnt, mehr für ihre Gesundheit zu tun, erklärt Reinhold M. Schaefer, praktizierender Urologe in Bonn, im Gespräch mit n-tv.de

n-tv.de: Männer gelten als das starke Geschlecht. In Bezug auf die Gesundheit sind sie das laut dem ersten Deutschen Männergesundheitsbericht jedoch nicht. Woran liegt das?
 

Reinhold M. Schaefer: Tatsächlich gehen Männer oftmals erst zum Arzt, wenn sie starke gesundheitliche Einschränkungen oder Schmerzen verspüren. Die Früherkennungsuntersuchungen werden von gerade mal 15,6 Prozent aller Männer bundesweit wahrgenommen. Fast die Hälfte der Frauen dagegen schafft es, sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Viele der Männer die in meine Praxis kommen, werden von ihren Frauen geschickt, wahrscheinlich wäre sonst die Quote noch geringer.
 

Warum sind Früherkennungsmaßnahmen so wichtig?
 

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(Foto: picture alliance / dpa)

Weil sie Leben retten. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass auch die regelmäßigen Maßnahmen zur Früherkennung eine Krebserkrankung nicht verhindern können, aber jede Krebserkrankung ist heilbar, wenn sie früh genug entdeckt wird. Ich selbst bin ein lebendes Beispiel dafür. Ich habe durch regelmäßige Blutuntersuchungen eine Leukämie im frühen Stadium bei mir entdeckt. Das war vor acht Jahren heute bin ich, dank Chemotherapie und Knochenmarktransplantation wieder gesund.
 

Gibt es typische Männerkrankheiten?

Ja, Männer haben prinzipiell ein höheres Risiko an Krebs, Bluthochdruck und Herzinfarkt zu erkranken als Frauen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit an einer Sucht zu erkranken für Männer wesentlich höher als für Frauen. Bei den bösartigen Krankheiten ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart, an der Männer erkranken. In Deutschland sind das rund 64.000 im Jahr. Dazu kommen der Blasen- und der Lungenkrebs. Zu den hier nennenswerten Erkrankungen gehört ebenfalls der Hormonmangel beim älteren Mann, der auch gern mit den Wechseljahren bei der Frau verglichen wird.

Ist dieser Vergleich denn legitim?

Nur teilweise, denn die hormonelle Umstellung beim Mann ist wesentlich schleichender als bei Frauen. Ich sage dann immer, die Männer altern nicht, sie verwittern nur. Durch den langsamen Prozess, der beim Mann im Alter von bereits 40 Jahren einsetzen kann, werden die Symptome wesentlich weniger bemerkt und wenn, dann als Alterserscheinungen abgetan.

Was wünschen Sie sich denn von den Männern in Bezug auf ihre Gesundheit in der Zukunft?

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Dr. Reinhold M. Schaefer gehört zum nordrheinischen Ärztenetzwerk Uro-GmbH.

Männer sollten in Zukunft verantwortungsvoller mit ihrer Gesundheit umgehen, denn jeder Mensch ist für seine Gesundheit zu einem großen Stück selbst verantwortlich. Nicht jede Krankheit ist Schicksal. Gegen den Ausbruch der Leukämieerkrankung, die ich hatte, konnte ich zwar nichts machen, da diese Erkrankung genetisch determiniert ist, aber ich habe die Werkzeuge genutzt, die mir zur Verfügung stehen, um diese Erkrankung im Frühstadium zu erkennen. Als Aspekt für eine verantwortungsvolle Gesunderhaltung möchte ich hier besonders das Ess- und Trinkverhalten hervorheben. In Deutschland wird insgesamt zu viel gegessen, zu viel geraucht und zu viel Alkohol getrunken. Männer scheint es bei allen drei Dingen besonders schwer zu fallen, Maß zu halten. Gerade Männer sollten sich regelmäßig medizinisch durchchecken lassen.

Mit Reinhold Schaefer sprach Jana Zeh

 

Quelle: ntv.de

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