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Angstauslöser in den Genen Mäuse können Katzen riechen

Die Angst, die Mäuse vor Katzen haben, ist ihnen angeboren. Die Tiere können ihre Widersacher über spezielle Zellen in der Nase wahrnehmen. Selbst Tiere, die nie einer Katze begegnet sind, bekommen Angst durch deren Geruch.

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Genmanipulierte Mäuse zeigten keine Angst mehr vor Katzen. Bereits 2007 schalteten japanische Forscher genetisch die verantwortlichen Geruchsnervenzellen aus.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

US-Forscher haben Geruchsmoleküle gefunden, die bei Mäusen die angeborene Angst vor Katzen und Ratten auslösen. Sie entdeckten zudem, dass Mäuse bestimmte Riechzellen in der Nase haben müssen, um den Geruch wahrnehmen zu können. Die Moleküle gehören zu einer Gruppe von Proteinen, die von zahlreichen Wirbeltieren gebildet werden. Diese "Major urinary proteins" (Mups) kommen im Urin von vielen Tieren vor, werden aber von Drüsen ausgeschüttet, etwa in den Speichel von Katzen. Die Wissenschaftler um Lisa Stowers vom Forschungszentrum The Scripps in La Jolla (Kalifornien) veröffentlichen ihre Ergebnisse im Journal "Cell".

Bislang war bekannt, dass Mups als Pheromone dienen können. Diese Duftstoffe dienen der Kommunikation zwischen Tieren einer Art, beispielsweise bei der Paarung oder als Kampfanreiz. Stowers Gruppe zeigt nun, dass sie auch den Kairomonen zugeordnet werden können. Diese Moleküle warnen Tiere vor möglichen Angreifern. Bislang waren Kairomone vor allem bei Insekten bekannt. Mäuse nehmen die Geruchs-Moleküle laut Studienautoren über das sogenannte Vomeronasale Organ wahr, eine Ansammlung bestimmter Riechzellen in der Nase verschiedener Tiere.

Gefahr ist riechbar

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Mäuse haben feine Nasen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das Team setzte Mäuse, die niemals Kontakt mit anderen Tierarten hatten, den Gerüchen verschiedener Tiere aus. Dazu gehörten Katzen, Ratten, Schlangen, Hasen und Mäuse. Dabei beobachten sie das Verhalten der Tiere und untersuchten die Höhe des Stresshormons ACTH im Blut. Rochen die Nagetiere den Geruch von Katzen, Ratten oder Schlangen, versteckten sie sich in ihrer Box oder legten sich hin; der ACTH-Spiegel war erhöht. Diese Faktoren gelten als Beweis von Angst bei den Tieren. Beim Hasengeruch zeigte sich diese Reaktion nicht.

Genetisch veränderte Mäuse ohne Vomeronasales Organ hingegen zeigten keinerlei Angstzeichen, als sie sogar mit einer lebendigen Ratte konfrontiert wurden. Während diese durch eine Narkose schlief, habe sich eine Maus sogar neben ihr eingerollt und ebenfalls zum Schlafen hingelegt, berichtet Stowers.

Um die Geruchs-Moleküle zu identifizieren, untersuchten die Wissenschaftler die einzelnen Bestandteile von Rattenurin und Katzenspeichel. In molekulartechnischen Untersuchungen fanden sie heraus, dass in beiden Körperflüssigkeiten jeweils Mup-Moleküle für vermehrte Aktivität der Mäuseriechzellen verantwortlich waren.

Quelle: ntv.de, dpa