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Forscherin bis zum TodMarie Curie zum 140.

07.11.2007, 10:11 Uhr

Die Entdeckung geschah im Stillen - und war dennoch eine Sensation: Als Marie Curie 1898 das Element Radium vorstellte, widerlegte sie nicht nur die These von der Unveränderlichkeit der Elemente.

Die Entdeckung geschah im Stillen - und war dennoch eine Sensation: Als Marie Curie 1898 das Element Radium vorstellte, widerlegte sie nicht nur die These von der Unveränderlichkeit der Elemente. Sie bewies auch, dass Frauen sich trotz aller Hürden und Hindernisse in die Männerwelt der Wissenschaft vorkämpfen konnten. Mit zwei Nobelpreisen in Physik und Chemie gilt Curie auch 140 Jahre nach ihrer Geburt noch als eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen überhaupt.

Der französische Name trügt: Geboren wurde Marie Curie am 7. November 1867 als Maria Salomee Sklodowska in Warschau. Der akademische Hintergrund ihres Vaters, der als Hochschulprofessor arbeitete, mag den Weg in die Wissenschaft erleichtert haben. Steinig war er trotzdem: Weil ein Studium für Frauen damals nur in Frankreich möglich war, arbeitete Sklodowska zunächst als Hauslehrerin in Polen. Als sie genügend Geld zusammen hatte, ging sie zum Physikstudium an die Universität Sorbonne nach Paris.

Dort lernte Marie, wie sie sich nun nannte, als Assistentin von Antoine Henri Becquerel die seltsame und erst kurz zuvor entdeckte Strahlung der Uranerze kennen. In ihrer Doktorarbeit wollte sie dieses Phänomen genauer untersuchen - es wurde zur Lebensaufgabe. Bei ihrer Forschung kam sie auch mit dem Chemiker Pierre Curie in Kontakt, den sie im Juli 1895 heiratete. Drei Jahre später stießen die Curies bei der Untersuchung des Uranerzes Pechblende auf eine unbekannte Strahlung. Innerhalb nur eines Monats isolierte das Ehepaar ein neues Metall, dem Marie nach ihrer Heimat den Namen "Polonium" gab.

Die starke Strahlung der Uranerze konnte mit dem Polonium allein jedoch nicht erklärt werden. Nachdem ihr Kollege Eugne Demarcay die Existenz eines zweiten radioaktiven Elements bestätigt hatte, trugen Pierre und Marie am 26. Dezember 1898 der Akademie der Wissenschaften in Paris ihr Resümee vor: Sie nahmen an, "dass die radioaktive Substanz ein neues Element enthält, dem wir den Namen 'Radium' geben wollen". Die Aktivität des Radiums, so schlussfolgerten die Curies, müsse ungeheuer sein.

Die Isolierung des Elements dauerte fast vier Jahre. Unter primitivsten Bedingungen lösten die Wissenschaftler das Element fast Atom für Atom aus mehreren Tonnen Pechblende heraus. Schließlich hatten sie ein zehntel Gramm reines Radium gesammelt und bestimmten das Atomgewicht. Die Entdeckung war eine Sensation: Für die Charakterisierung der beiden neuen Elemente erhielten die Curies 1903 zusammen mit Becquerel den Nobelpreis für Physik. Marie Curie war die erste und viele Jahrzehnte lang einzige Frau, der ein Physiknobelpreis verliehen wurde.

Gefahr der Radioaktivität zu spät erkannt

In Tierversuchen zeigte sich, dass Radium kranke Zellen zerstört. Das Element wurde deshalb auch in der Strahlentherapie gegen Krebs eingesetzt und gehörte lange zu den teuersten Substanzen der Welt. Später wurde es auch in Leuchtzifferblättern von Uhren und Kompassen verwendet bis sich herausstellte, dass das Element, welches Fotoplatten im Dunkeln schwärzt und Hitzewellen aussendet, nicht nur positive Eigenschaften besitzt.

Die Curies waren sich der immensen Gefahren zunächst nicht bewusst und setzten sich jahrelang der Radioaktivität aus. Pierre verursachte sich sogar aus Neugier mit der verheerenden Strahlung des Radiums eine schwerheilende Wunde am Arm. Das Element lagerte sich in die Knochen ab. Obwohl die Curies an Müdigkeit, Schwäche und rheumaähnlichen Schmerzen litten, schöpften sie keinen Verdacht. Marie hatte 1903 eine Frühgeburt - doch obwohl das Kind kurz darauf starb, arbeitete sie bis zur völligen Erschöpfung weiter in ihrem Labor.

Als Pierre Curie drei Jahre später von einem Pferdewagen überfahren und tödlich verletzt wurde, trat Marie seine Nachfolge als Vorsitzende des Radiuminstituts und Professorin der Universität Sorbonne an. Sie war die erste Frau, die an dem renommierten Institut unterrichtete. Schließlich wurde sie 1911 für die Reindarstellung des Radiums mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Marie Curie ist damit die einzige Frau, die gleich zwei Nobelpreise erhielt.