Umweltschützer fürchten RekordMehr tote Schweinswale
Die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere hat in diesem Jahr bereits 50 tote Schweinswale gefunden.
Die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) hat in diesem Jahr bereits 50 tote Schweinswale gefunden. Das seien bereits 15 Kadaver mehr als im Vergleichszeitraum 2007, teilten die Naturschützer mit. "Die aktuellen Zahlen deuten schon jetzt auf einen neuen, traurigen Rekord hin", sagte Hans-Jürgen Schütte vom GSM-Sichtungsprojekt.
Die Naturschützer bemängelten, dass es am politischen Willen fehle, den einzigen heimischen Wal in der Ostsee zu schützen. Die Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag forderten die Regierung zum Handeln auf. Neue Konzepte zum Schutz der Tiere fehlten völlig, sagte Grünen-Umweltexperte Detlef Matthiessen.
Tod als Beifang
Fischerei und Schifffahrt gelten als die größten Feinde der Kleinen Tümmler (Phocoena phocoena). Allein als Beifang sterben nach Einschätzung der Naturschützer mehr Wale als geboren werden. Sie forderten die Umstellung der Fischerei auf ungefährlichere Fangtechniken wie Langleinen und Fischreusen. Die Verbände begrüßten ein neues Projekt des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums als ersten richtigen Schritt: Fischer sollen dabei motiviert werden, ihre Stellnetze künftig mit sogenannten Pingern auszustatten, die mit ihren Geräuschen die Wale vertreiben.
"Die Ausbeutung von Bodenschätzen wie Kies und Sand, Öl und Erdgas sowie Kriegsaltlasten und militärische Übungen machen den Lebensraum Ostsee für Schweinswale offensichtlich zur Hölle", sagte Hermann Schultz vom Naturschutzbund NABU. Nach Berechnungen der GSM leben in der östlichen und zentralen Ostsee nur noch zwischen 100 und 460 Schweinswale, in der westlichen dürften es um 5.000 Tiere sein. Der nur 1,60 Meter lange schwarz-weiße Tümmler mit der stumpfen Schnauze ist der einzige heimische Wal in der Ostsee. Im vergangenen Jahr fanden Naturschützer unterschiedlicher Verbände zusammen rund 175 tote Schweinswale am deutschen Teil der Ostsee.