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Gefährliche SchimmelpilzeMeist im Verborgenem

17.10.2006, 10:29 Uhr

Die gesundheitlichen Risiken durch den Befall von Schimmelpilzen werden, trotz vielfältiger Informationen, immer noch häufig unterschätzt.

Chemische Belastungen der Luft in Innenräumen stellen ein hohes gesundheitliches Risiko dar. Das ist nach den Umweltdiskussionen der letzten Jahrzehnte allgemeiner Konsens. Die gesundheitlichen Gefahren durch den Befall mit Schimmelpilzen dagegen werden häufig immer noch unterschätzt. Es war ausgerechnet das gestiegene Umweltbewusstsein, das die Schimmelproblematik in deutschen Haushalten verschärft hat, führt doch die verbesserte Wärmedämmung, durch dicht schließende Fenster etwa, zu einer Konzentration der Feuchtigkeit in Innenräumen und kann so das Wachstum der mikroskopisch kleinen Pilze begünstigen. Laut einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena haben mit rund sieben Millionen deutschen Wohnungen mittlerweile 22 Prozent des Wohnungsbestandes ein Schimmelproblem.

Schimmel – weit mehr als nur ein Schönheitsfehler

Fast jeder Dritte in Deutschland leidet laut Statistik heute schon unter einer Allergie, 35 bis 40 Prozent der Betroffenen reagieren auf Schimmelsporen. Ausgelöst wird die allergische Reaktion durch die Verbreitung der Pilzsporen in der Atemluft. Schimmel gibt es überall, weltweit. Doch nur, wenn er verstärkt auftritt und sich die Sporenkonzentration weit über das normale Maß erhöht, droht Gefahr. Da es bis heute noch keine festgelegten Grenzwerte für die Sporenbelastung gibt, ist davon auszugehen, dass jede Belastung über den Werten der normalen Außenluft zumindest Allergierisiken birgt. Menschen mit schwachem Immunsystem sind besonders gefährdet, da bei ihnen noch die Gefahr einer Pilzinfektion droht. Wer häufig unter Symptomen wie trockener oder verstopfter Nase, Nasenlaufen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen oder Lethargie leidet, sollte überprüfen, ob ein Pilzbefall der Wohnräume vorliegen könnte. Übrigens gilt Schimmel als Mietmangel. In der Praxis entsteht aber leider oft Streit, wer Schuld daran trägt – der Mieter mit seinem Verhalten, oder der Vermieter wegen unterlassener Sanierungsarbeiten. Hilfe geben in Zweifelsfällen regionale Mietervereine (zu finden unter www.mieterbund.de) oder Haus- und Grundeigentümervereine.

Blüht im Verborgenen: der Schimmelpilz

Wo Schimmel mit schwarzen Verfärbungen sichtbar wird, ist die Diagnose relativ einfach. Häufig aber entwickelt sich das Wurzelgeflecht der Pilze – das so genannte Mycel – im Verborgenen oder versteckt sich in Hohlräumen, hinter Bildern oder Möbeln. Ein muffiger Geruch kann hier auf den Befall hinweisen. In jedem Fall sollten die Räume dann genauer unter die Lupe genommen werden. Besonders Ecken und Nischen, Flächen hinter großen Möbelstücken oder an kalten Stellen der Außenwand müssen untersucht werden. Um verdeckten Schimmelbefall aufzuspüren, werden heute immer häufiger speziell ausgebildete Schimmelspürhunde eingesetzt, die auch verborgene oder unzugängliche Kontaminationen auffinden.

Im Zweifelsfall sollten Spezialfirmen hinzugezogen werden, die die Belastung der Raumluft messen. Bei der Beauftragung einer Schimmelpilzmessung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das gewählte Laboratorium Qualitätssicherung betreibt und z.B. erfolgreich an Ringversuchen teilnimmt. Hilfe geben die Verbraucherschutzverbände oder die örtlichen Gesundheitsämter. Verbraucherverbände in Wohnortnähe findet man auf der Website des Bundesverbands der Verbraucherzentralen unter www.vzbw.de

Hilfe! Was macht der Schimmel ausgerechnet bei mir?

Schimmel ist ziemlich anspruchslos: Er entsteht überall, wo er genügend Feuchtigkeit und geringe Mengen Nährstoffe findet. Er wächst in Gipskarton, im Holz, auf Leder, in Tapeten und Anstrichen, dem Hausschimmel genügt sogar der ganz normale Hausstaub. Es ist fast unmöglich, dem Schimmel die Nahrungsgrundlage zu entziehen, „das Wasser abgraben“ kann man ihm aber schon. Deshalb gilt es zunächst, die Ursachen für die Feuchtigkeit an betroffenen Stellen herauszufinden. Dies können bauliche Mängel sein, wie etwa Risse im Mauerwerk und Kamin, defekte Fallrohre für den Abfluss des Regenwassers oder Hohlräume, die Wasser von außen eindringen lassen. Diese Mängel müssen beseitigt werden, da eine langfristige Schimmelentfernung sonst nicht möglich ist. In vielen Fällen ist aber Tauwasser, also der Niederschlag der Luftfeuchtigkeit im Raum, für die Feuchtigkeit verantwortlich. Dazu muss man bedenken, dass in einem normalen Haushalt durch Schwitzen, Duschen und Kochen tagtäglich 14-18 Liter Wasser an die Luft abgegeben werden, und die müssen irgendwo bleiben. Bei sehr dicht schließenden Fenstern etwa findet kaum mehr Luftaustausch statt; die Feuchtigkeit kondensiert in der Wohnung. Besonders in älterem Baubestand, bei dem die Außenwände nur mangelhaft gedämmt sind, kondensiert das Wasser bevorzugt an kalten Außenwänden oder so genannten „Wärmebrücken“, an denen die Wärme besonders schnell nach außen abfließt, wie etwa an Fensterrahmen, Mauersohlen oder Balkonen.

Frischer Wind ins Haus

Schimmel mag keine frische Luft, denn die enthält wenig Feuchtigkeit und macht ihm daher zu schaffen. Die heute üblichen, energiesparenden und sehr dicht schließenden Fenster halten Wärme, aber auch die feuchte und verbrauchte Luft drinnen. Circa zweimal täglich stoßlüften lautet die Empfehlung, denn das ist für die Heizrechnung deutlich günstiger als permanentes Lüften durch ein gekipptes Fenster. Noch günstiger in der Energiebilanz sind Lüftungssysteme, die für einen permanenten Luftaustausch sorgen und die Wärme der Abluft mittels Wärmetauscher zum großen Teil wieder an die Zuluft zurückgeben, die Frischluft muss also nicht erst wieder erwärmt werden. Mehr über Geräte und Systeme, die auch Schadstoffe und Pollen aus der Außenluft filtern und über Feuchtigkeitssensoren gesteuert werden können, unter www.waerme-plus.de. Diese Geräte empfiehlt das Umweltbundesamt in seiner Broschüre „Hilfe! Schimmel im Haus“ besonders für Räume mit hohem Feuchtigkeitsanfall und wenn der Wärmeverlust durch Lüften minimiert werden soll.

Wärme dämmen – aber richtig

Wärmedämmung von außen ist die ideale Lösung, allerdings ist sie mit hohen Kosten verbunden. Oftmals ist sie auch gar nicht möglich, wenn etwa einzelne Wohneinheiten gedämmt werden sollen oder eine Fassade denkmalgeschützt ist.

In diesen Fällen kann eine Innendämmung helfen, die allerdings wiederum die Gefahr der Bildung von Staunässe zwischen kalter Außenwand und warmer Innendämmung mit sich bringt. Vermieden werden kann dies durch die Dämmung mit einem stark alkalischen Material wie Calciumsilikat, das zum Beispiel als vorgefertigte und leicht verarbeitbare Klimaplatte vom Sanierungsspezialisten Getifix (www.getifix.de) angeboten wird. Das Material kann zudem große Mengen Wasser zwischenspeichern und nach und nach wieder abgeben. Da Pilze saure Lebensbedingungen lieben, können sie sich auf dem stark basischen Material nicht ansiedeln. Auch bei Schimmelbildung in Kellerräumen, die wegen der fehlenden Heizung oft nur sehr schwer zu bekämpfen ist, kann eine Innendämmung sinnvoll sein.

Dem Schimmel zu Leibe rücken

Wenn mit Sanierungsmaßnahmen nicht sofort begonnen werden kann, sollten befallene Stellen zumindest sofort gereinigt und mit entsprechenden Mitteln desinfiziert werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass möglichst wenig Staub aufgewirbelt wird, der sonst die Sporenbelastung der Luft kurzzeitig stark ansteigen lässt. Gummihandschuhe und Mundschutz sollten auf jeden Fall getragen werden, Personen mit Allergien oder schwachem Immunsystem dürfen die Arbeiten auf keinen Fall selbst ausführen. Eine Essiglösung zur Desinfektion ist nur bedingt empfehlenswert. Zum einen neutralisieren viele Baustoffe den Essig, zum anderen können mit dem „Hausmittel“ auch organische Nährstoffe aufs Material gelangen, die das Pilzwachstum noch befördern. „Chemische Keulen“, etwa mit hohen Chlorkonzentrationen, können mehr Schaden als Nutzen anrichten, da sie ihrerseits die Raumluft mit toxischen oder allergenen Stoffen belasten. Wirkungsvoll ist 70- oder 80-prozentiger Alkohol, der aber wegen seiner hohen Flüchtigkeit und hoher Brand- und Explosionsgefahr nur mit großer Vorsicht angewendet werden darf. Für kleinflächigen Befall in Küche oder Bad empfehlen sich eher Reiniger wie der Jati-Schimmelpilz-Entferner (siehe www.kein-schimmel.de), der mit natürlichen Fruchtsäuren arbeitet und in der Anwendung einfach und sicher ist. Befallene poröse Materialien wie Tapeten, Gipskarton oder poröses Mauerwerk sollten entfernt werden, was kleinflächig durch gute Hobby-Handwerker erledigt werden kann. Bei größeren Flächen, wenn nicht festzustellen ist, wie tief der Befall ist oder ob unzugängliche Stellen vorliegen, sollten Sanierungsprofis hinzugezogen werden. Geeignete Handwerksunternehmen in Wohnortnähe sind zum Beispiel unter www.getifix.de zu finden.

Ausführliche Informationen zum Thema Schimmel liefert die Broschüre „Hilfe! Schimmel im Haus“, die auf der Website des Umweltbundesamtes heruntergeladen oder kostenlos angefordert werden kann. (djd)