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Junge Risse in der OberflächeMond ist geologisch aktiv

21.02.2012, 10:50 Uhr
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Das Bild der US-Weltraumbehörde Nasa zeigt die Rückseite des Mondes. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Mond ist möglicherweise bis heute tektonisch aktiv. Darauf deutet der Fund geologisch junger Gräben hin, die Forscher in den Bildern der Nasa-Mondsonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" aufgespürt haben.

Neue Aufnahmen der Nasa-Mondsonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) zeigen, dass die Kruste des Erdtrabanten gedehnt wurde, wodurch lange Bruchlinien, sogenannte Gräben entstanden sind. Die zuvor unbekannten Formationen auf der Mondoberfläche könnten deutlich jünger als 50 Millionen Jahre sein, schreibt eine Gruppe Wissenschaftler um Thomas Watters von der Smithsonian Institution in Washington im Fachblatt "Nature Geoscience". Als jüngste tektonische Formationen auf dem Erdtrabanten galten bislang Abbruchkanten im lunaren Hochland mit einem Alter von etwas unter einer Milliarde Jahren.

Die Forscher um Watters hatten in den Raumsonden-Aufnahmen von der Rückseite des Mondes Grabenbrüche ausgemacht, die zum Teil lediglich zehn Meter breit und nur einen Meter tief sind. Sie haben Eigenschaften geologisch junger Formationen und sind noch nicht von Einschlagkratern überdeckt worden. Daraus schließen die Wissenschaftler auf ein Alter von maximal 50 Millionen Jahren, möglicherweise deutlich weniger, wie sie in "Nature Geoscience" schreiben. Die Formationen passten gut zu den flachen Mondbeben, die im Rahmen des "Apollo"-Programms aufgezeichnet worden seien. Verwerfungen unterhalb der neu entdeckten Gräben könnten mögliche Quellen solcher Beben sein. Angetrieben werde die kürzliche geologische Aktivität möglicherweise vom Abkühlungsprozess eines immer noch heißen Mondinneren.

Die Gräben sind Ausdruck einer Dehnungstektonik, was die Forscher überrascht. Nach den etablierten Vorstellungen der Mondentwicklung sollte der Erdtrabant gegenwärtig einer starken Kompression ausgesetzt sein, weil sich sein Inneres immer weiter abkühlt, schrumpft und so an der Kruste zerrt. Diese Kompression sollte den Modellen zufolge sogar so stark sein, dass sie jegliche Grabenbildung unterdrücken müsste, argumentieren die Wissenschaftler. Die Entdeckung der jungen Grabenbrüche lege nahe, dass der Mond möglicherweise niemals ganz geschmolzen war.

Quelle: dpa