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Hilfe nach Herzinfarkt Neue Rolle für die Milz

03.08.2009, 15:13 Uhr

Bei einigen Organen hält sich hartnäckig die Vermutung, sie seien "irgendwie nutzlos" oder gar "entbehrlich", etwa beim Blinddarm, den Mandeln oder der Milz. Für letztere gilt diese Vermutung fortan jedoch weniger als bisher.

Die Milz ist ein bedeutendes Reservoir für Immunzellen, die bei der Reparatur des geschädigten Herzens helfen. Das berichtet eine Gruppe um Filip Swirski von der Harvard Medical School in Boston im Journal "Science”.

Quell für Monozyten

In der Milz gibt es außergewöhnlich viele Monozyten, schreibt die Gruppe. Diese Gruppe der weißen Blutkörperchen "eilt" mit dem Blutstrom zu Entzündungsherden. Dort sorgen die Monozyten für den Abbau geschädigter Zellen und bereiten das Gewebe auf das Wachstum neuer Blutäderchen vor. Das fanden die Forscher heraus, indem sie den Blutfluss im Herzen von Mäusen bremsten und damit den Herzmuskel schädigten. In der Folge wanderten viele Monozyten aus der Milz ins Herz der Tiere und halfen bei der Beseitigung der Schäden, die durch den Infarkt entstanden waren. Bisher wurde angenommen, dass die Monozyten vor allem im Blut und im Knochenmark stecken.

"Verzichtbar, aber nicht irrelevant”

Länger bekannt ist, dass die Milz Blutzellen am Ende ihres Lebens aus dem Blutstrom filtert. Nach der chirurgischen Entfernung des Organs beim Menschen steigt die Zahl der weißen Blutkörperchen, die Reaktion auf einige Impfstoffe ist verringert und die Wahrscheinlichkeit für Infektionen mit bestimmten Bakterien und Parasiten steigt. "Verzichtbar, aber nicht irrelevant”, so beschreiben Ting Jiau und Eric Pamer vom Sloan-Kettering Institute in New York die Bedeutung der Milz in ihrem begleitenden Kommentar in "Science”. Die neuen Ergebnisse trügen dazu bei, der oft vernachlässigten Milz ein wenig mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, schließen Jiau und Pamer.

Quelle: dpa