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Selbsthilfe mit SchmerzmittelnNicht länger als drei Tage

21.03.2007, 09:15 Uhr

Die ersten drei Plätze in der Verkaufscharts für rezeptfreie Schmerzpräparate teilen sich die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Paracetamol. Nicht jeder dieser Wirkstoffe ist für jeden Patienten gleich gut geeignet.

Wenn der Schädel brummt, ist Hilfe meist schnell zur Hand: Ein Schmerzmittel herunterspülen - und weg ist die Pein. Die ersten drei Plätze in der Verkaufscharts für rezeptfreie Schmerzpräparate teilen sich die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Paracetamol. Nicht jeder dieser Wirkstoffe ist jedoch für jeden Patienten gleich gut geeignet.

Wenn die Ursache des jeweiligen Schmerzes bekannt ist - zum Beispiel Kopfschmerzen nach einer durchzechten Nacht oder während einer Reise -, spricht nichts gegen eine Selbstmedikation. "Das Problem fängt an, wenn Schmerzen immer wieder auftauchen", sagt Prof. Hartmut Göbel, ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel. Müssen Schmerzmittel dauerhaft eingenommen werden, sollte sich ein Profi der Sache annehmen, der sich auf die Suche nach den Ursachen macht.

Für die Selbstmedikation von Schmerzmitteln gibt die Pharmazeutin Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin folgende Faustregel vor: "Nicht länger als drei Tage hintereinander, nicht häufiger als zehn Tage im Monat." Um eine schnelle Wirkung zu erzielen, sollten Schmerzmittel möglichst auf nüchternem Magen geschluckt werden. Und sie sollten grundsätzlich mit einem Glas Flüssigkeit und möglichst in Form von Brausetabletten oder -granulaten eingenommen werden, rät die Expertin. Sind keine Brausetabletten verfügbar, könne man auch "normale" Tabletten in einem Wasserglas zerfallen lassen.

Nach Angaben des Branchendienstleisters IMS Health in Frankfurt/Main ist Paracetamol das in Deutschland am häufigsten verkaufte rezeptfreie Schmerzmittel. Etwas mehr als 57 Millionen Packungen wurden im vergangenen Jahr abgesetzt. Mit 51 Millionen Einheiten folgt Acetylsalicylsäure (ASS). Ibuprofen wurde 28 Millionen Mal verkauft. Zusammen sorgten die drei Wirkstoffe für einen Umsatz von rund 612 Millionen Euro.

Hartmut Göbel rät, möglichst Monopräparate zu verwenden, die nur aus einem einzigen Wirkstoff bestehen. Kombinationspräparate, die ASS, Paracetamol und auch Koffein enthalten - beispielsweise Tomapyrin -, lehnt der Schmerzexperte ab: "Die führen sehr schnell dazu, dass man sich daran gewöhnt und immer mehr davon nimmt. Koffein macht die Betroffenen zwar wacher und leistungsfähiger, es reduziert aber den schmerzlindernden Effekt." Bei den Monopräparaten bestehe keine Gefahr, abhängig zu werden.

Der Aspirin-Wirkstoff ASS wirkt, indem er die Freisetzung von Schmerzsubstanzen hemmt. Dies geschieht an den Synapsen, den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Im zentralen Nervensystem aktiviert es laut Hartmut Göbel die Schmerzabwehr. Zudem wirkt ASS entzündungshemmend und fiebersenkend.

ASS ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Bestimmte Personengruppen sollten den Wirkstoffe dennoch meiden: "Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte es nicht nehmen, weil es Magengeschwüre verstärken kann", sagt Ursula Sellerberg. Gleiches gelte bei bereits bestehenden Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Um eine empfindliche Magenschleimhaut zu schützen, sollte bei Acetylsalicylsäure vorher etwas gegessen werden. ASS könne zudem die Ausschüttung von lungenverengenden Neurotransmittern fördern: Asthmatiker sind gut beraten, auf ASS zu verzichten.

Und auch Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft sollten ASS nur nach Rücksprache mit dem Arzt nehmen: Es kann die Wehen hemmen. Vor Zahnarztbesuchen ist die Einnahme von ASS ebenfalls wenig ratsam, da es die Blutgerinnung heruntersetzt. Die Behandlung könnte blutiger werden als allgemein üblich. Aus diesem Grund wird ASS auch zur Thrombosevorbeugung verwendet.

Für Kinder, die hohes Fieber haben, verbietet sich ein Griff zu ASS ebenso: Denn Kinder vertragen nach Angaben von Ursula Sellerberg das Schmerzmittel nicht immer. Wird ASS dennoch eingenommen, kann in Einzelfällen das so genannte Reye-Syndrom auftreten: Eine schwere, nicht ansteckende Erkrankung, die vor allem die Leber und das Gehirn betrifft. Anzeichen für ein Reye-Syndrom sind beispielsweise Erbrechen und Fieber, das fünf bis sieben Tage nach dem Ende der ursprünglichen Ersterkrankung auftritt. Das Kind ist dann verwirrt und ruhelos oder leidet gar unter Halluzinationen. Bei mehr als der Hälfte der schwereren Fälle verläuft das Reye-Syndrom tödlich.

Ibuprofen wirkt ähnlich wie ASS und hat auch ähnliche Nebenwirkungen. "Es ist aber nicht so potent wie das Aspirin. Es wirkt kürzer, aber dafür schneller", erklärt Hartmut Göbel. Weil es deutlich schlechter schmeckt, wird es normalerweise als Tablette oder Kapsel eingenommen. Ibuprofen hat zudem eine krampflösende Komponente. "Es wird sehr gerne von Frauen genommen, die Monatskrämpfe haben", sagt Ursula Sellerberg. Ibuprofen wirke zudem weniger stark als ASS auf die Blutgerinnung.

Paracetamol wirkt im Gegensatz zu den genannten Arzneien nicht an den Synapsen der Nervenzellen, sondern direkt im Gehirn: "Das Besondere am Paracetamol ist, dass es sehr gut verträglich ist - auch für Kinder, für Schwangere, für Leute mit Magenbeschwerden und Asthmatiker." Sprich: alle, die das ASS nicht nehmen dürfen, sind mit Paracetamol gut beraten. Ein pharmazeutisches Rundum-Sorglos-Paket ist der Wirkstoff aber nicht: Wird Paracetamol überdosiert, kann es Leberschädigungen verursachen.

Die richtige Dosis - siehe Beipackzettel - ist das A und O jeder Schmerzbehandlung. "Viele scheuen sich und nehmen zu wenig", sagt Hartmut Göbel: "Die Schmerzen halten dann länger an." Sein Tipp: "Gleich am Anfang richtig dosieren, damit man einen Blutspiegel erreicht, der wirkt."

Arnd Petry, dpa