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Importiertes ObstÖkobilanz des Apfels

23.06.2008, 09:46 Uhr

Importierte Äpfel setzen nicht zwangsläufig mehr Kohlendioxid (CO2) frei als Obst aus heimischer Produktion. Der Energieaufwand für einen Apfel hängt mit der Betriebsgröße direkt zusammen.

Importierte Äpfel setzen nicht zwangsläufig mehr Kohlendioxid (CO2) frei als Obst aus heimischer Produktion. Das ist das Ergebnis einer Studie zu Tafeläpfeln von Elmar Schlich von der Universität Gießen. Der Energieaufwand für deutsche Äpfel hängt demnach von Betriebsgröße und nicht von Transportentfernung ab. Die Resultate gründen sich auf Untersuchungen in deutschen Anbauregionen am Bodensee, in Rheinhessen und an der Niederelbe.

Produkte aus kleineren Betrieben können bis zu fünfmal mehr Energie pro Kilogramm erfordern als solche aus größeren, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Vor allem der Transport der Äpfel ist dort aufwendiger – die Fahrzeuge sind kleiner. Zudem hätten kleinere Betriebe keine eigenen Kühllager, daher müsse die Ware nach der Ernte in externe Kühlhäuser transportiert werden. Als Mindestproduktionsmenge haben Schlich und seine Kollegen 500 bis 600 Tonnen Äpfel kalkuliert – kleinen Betrieben wird eine Kooperation empfohlen.

Die Betriebsgröße ist wichtig

Nur wenn die Anbaubetriebe groß genug seien, könne zu Recht von regionalen Lebensmitteln mit "hoher ökologischer Qualität” gesprochen werden, erklärt Schlich. "Insoweit gibt es keinen Grund, Äpfel globaler Herkunft wegen des angeblich so verschwenderischen Umgangs mit Energie oder wegen der vermuteten Klimaschädlichkeit anzuprangern.”

Dem Forscher zufolge stammen fast 60 Prozent des deutschen Verzehrs aus Südeuropa. Weitere zehn Prozent würden von der Südhalbkugel, aus Argentinien, Neuseeland und Südafrika per Schiff importiert. Der Energieaufwand für deutsche Tafeläpfel beträgt bei Betrieben mit einer Jahresproduktion von mehr als 1000 Tonnen nur 0,1 Kilowattstunden pro Kilogramm. Dabei werden etwa 40 Gramm CO2 pro Kilogramm freigesetzt. Betriebe, die weniger als 200 Tonnen Tafeläpfel pro Jahr erzeugen, benötigen hingegen bis zu 0,5 Kilowattstunden pro Kilogramm – und verursachten bis zu 200 Gramm CO2 je Kilogramm.