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Keine Angst vorm Internet Onlinesuche trainiert Gehirn

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Senioren haben oftmals die Möglichkeit, in speziellen Kursen das Internet kennenzulernen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ältere Menschen mit wenig Internet-Erfahrung sollten sich nicht davor scheuen, online zu gehen, da sie durch gezieltes Suchen im world wide web ihre kognitiven Fähigkeiten selbst im höheren Alter noch trainieren und so möglicherweise länger erhalten können. Darauf macht Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) in Krefeld aufmerksam unter Berufung auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus Los Angeles, die vor kurzem auf der Jahreskonferenz der Society for Neuroscience in Chicago vorgestellt wurde.

"Die Abneigung vieler älterer Menschen gegenüber dem Internet wurde schon oft auf Alterungsprozesse im Gehirn zurückgeführt, die eine Annäherung an das neue Medium erschweren würden", erläutert der niedergelassene Neurologe aus Köln. "Jetzt haben Forscher um Teena Moody vom Semel Institute for Neuroscience and Human Behavior an der Universität Los Angeles gezeigt, dass auch bei älteren Menschen, die bisher nur wenig Web-Erfahrung gemacht haben, durch wiederholtes, aktives Recherchieren im Internet schon nach wenigen Tagen bestimmte Areale im Gehirn verstärkt aktiviert werden. Das Lösen von Internetsuchaufgaben kann offenbar dazu verhelfen, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis und die Entscheidungsfähigkeit zu trainieren."

Wirkungen in mehreren Hirnarealen messbar

Für die genannte Untersuchung wurde bei 24 neurologisch unauffälligen Probanden in einem Alter zwischen 55 bis 78 Jahren die Hirnaktivität (das heißt das Ausmaß der Durchblutung einzelner Hirnareale) im Magnetresonanztomograf (fMRT) gemessen, während sie bestimmte Recherche-Aufgaben im Internet lösen sollten. Die eine Hälfte der Teilnehmer bezeichnete sich als häufige Internet-Nutzer, die andere Hälfte war hingegen im Cyberspace wenig bewandert.

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Die Internetsuch kann das Kurzzeitgedächtnis trainieren.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Wie die fMRT-Scans aufzeigten, führte das Websurfen zu einer gesteigerten Aktivität in bestimmten Hirnregionen (Frontal-, Temporal- und Parietallappen sowie in den Sehzentren und im hinteren Abschnitt des Gyrus cinguli), die für die Steuerung von Sprach-, Lese- und visuellen Fähigkeiten sowie für das Ablegen von Informationen im Gedächtnis zuständig sind. Diese Stimulation war bei den häufigen Internet-Nutzern ungefähr doppelt so stark ausgeprägt wie bei den Internet-Unerfahrenen.

Ergebnisse bereits nach einer Woche

Nach diesem ersten fMRT-Scan sollten die Studienteilnehmer in den nächsten zwei Wochen auch zu Hause an insgesamt sieben Tagen täglich eine Stunde online gehen, um weitere Suchfragen im Internet zu bearbeiten. Danach wurden sie von den Wissenschaftlern zu einem zweiten fMRT-Scan eingeladen, der ähnlich wie der erste Recherche-Aufgaben umfasste, nur zu anderen Themen. Beim Vergleich der Scans wurde deutlich, dass sich die Gehirnirnaktivitätsmuster der Internet-Unerfahrenen deutlich an diejenigen der häufigen Internet-Nutzer angeglichen hatten.

Selbst infolge des relativ kurzen, häuslichen Internet-Trainings von täglich einer Stunde über die Dauer von nur einer Woche wurde nun auch bei den Internet-Unerfahrenen eine erhöhte Gehirnaktivität gemessen - und zwar nicht nur in den bereits erwähnten Hirnarealen, sondern zusätzlich auch in zwei weiteren Regionen, dem Gyrus frontalis medius und dem Gyrus frontalis inferior. Eine Stimulation dieser beiden Areale, die für das Kurzzeitgedächnis und die Entscheidungsfindung zuständig sind, ist nach Ansicht der Forscher ein guter Hinweis, dass aktive Internet-Recherchen vor allem diese zwei wichtigen, kognitiven Funktionen trainieren können.

Quelle: n-tv.de, BDN

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