Weniger Zeit zum FressenRaubkatzen töten in Menschennähe mehr

In den Santa Cruz Mountains können Spaziergänger schon mal auf einen Puma treffen. Das ist nicht nur für die Menschen unangenehm. Auch Raubkatzen lassen sich durch derartige Begegnungen aus der Ruhe bringen. Am schwersten trifft es allerdings die Hirsche.
In stärker urbanisierten Gegenden töten Raubkatzen wesentlich mehr Beutetiere als fernab menschlicher Siedlungen. Ursache sei vor allem die verringerte Fresszeit, berichten Forscher in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Sie erfassten für Pumas in Kalifornien, dass diese gut ein Drittel mehr Hirsche reißen, aber weit weniger Zeit mit dem Fressen des jeweils erbeuteten Tieres verbringen, wenn in ihrem Revier viele Menschen unterwegs sind.
Pumas können erbeutete Hirsche nicht in einem Zug komplett fressen, sie kehren darum in der Folgezeit immer wieder an die Stelle zurück. In dicht mit Menschen besiedelten Gegenden allerdings werden die Räuber häufiger gestört. Damit steigt das Risiko, dass ihre Beute von kleineren Aasfressern verspeist wird oder vergammelt, bevor sie sich wieder an den Kadaver herantrauen.
30 Pumas mit Sendern ausgestattet
Die Wissenschaftler um Justine Smith von der University of California in Santa Cruz hatten in den Santa Cruz Mountains 30 Pumas (Puma concolor) gefangen und mit Sendern ausgestattet. Aus den Daten errechneten die Forscher, wo sich die Raubkatzen länger aufhielten und suchten diese Plätze nach gerissenen Tieren ab. In die anschließende Analyse wurden nur getötete Hirsche, die bevorzugte Beute der Pumas der Region, einbezogen.
Die Bebauung an den Beutestellen wurde in vier Stufen unterteilt: von ländlich mit keinem Haus bis suburban mit mehr als neun Häusern in 150 Metern Umkreis. Erfasst wurde auch die Besiedlungsdichte im gesamten Revier des jeweiligen Pumas. Aus den insgesamt mehr als 200 im Versuchszeitraum erbeuteten Hirschen wurde auf die jährliche Gesamtzahl getöteter Tiere geschlossen.
Lediglich bei Weibchen zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Jagd und menschlichem Einfluss: Ihre Gesamtfraßzeit an einer Beute war in suburbanen Regionen 42 Prozent geringer als in menschenleeren. Im Gegenzug töteten sie im Mittel aufs Jahr hochgerechnet etwa 36 Prozent mehr Hirsche.
Männchen weniger anfällig
Im Mittel rissen die erfassten Puma-Weibchen 67 Hirsche im Jahr, bei den Männchen waren es 44. Männchen seien in ihren dreifach größeren Revieren ohnehin stärker unterwegs und daher weniger anfällig für Störungen, vermuten die Forscher. Zudem sei die mittlere Dichte an Häusern in ihren Revieren in Mittel weit geringer.
Das veränderte Verhalten der Weibchen habe nicht nur Auswirkungen auf die Puma- und die Hirschpopulation, erläutern die Forscher. Indem die Raubkatzen mehr Fleisch an den Kadavern ließen, vergrößere sich das Nahrungsangebot für Aasfresser.
Die Jagd mit Suche, Verfolgen und Töten von Beute sei für Raubtiere zudem sehr energieaufwendig. Mit den in Menschennähe im Mittel kürzeren Fresszeiten verschlechterten die Pumas ihre Bilanz von Energie-Aufwand und -Ertrag bei der Jagd mit bisher kaum erforschten Folgen für ihr Leben und ihre Fortpflanzung. Aus den Beobachtungen gebe es erste Hinweise darauf, dass Weibchen in stärker besiedelten Gebieten weniger erfolgreich Jungtiere großziehen.