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Wellness goes Party Rauchfreies Tanzen

Wenn Karoline Förster abends ausgehen will, hat sie nicht viel Auswahl. "Wenn in einer Bar oder Disco geraucht wird, kann ich nicht hingehen", sagt die 35-Jährige, die seit ihrer Kindheit Asthma und eine verminderte Lungenkapazität hat. "Passivrauchen darf ich mir gesundheitlich einfach nicht leisten." Da die Heidelbergerin aber nicht ganz auf Partys verzichten möchte, macht sie sich regelmäßig auf die Suche nach rauchfreien Tanzveranstaltungen. In mehr als 20 Städten ist sie bislang fündig geworden. "Und es werden immer mehr", freut sie sich.

Im Vergleich zu den regulären Angeboten der Bars, Clubs und Discotheken ist die Zahl der Veranstaltungen mit rauchfreier Tanzfläche allerdings immer noch sehr gering. "Das ist eine Nische", sagt ein Mitarbeiter des Berliner Vereins Vor-Atlantis, welcher einmal in der Woche eine rauchfreie Party im Bezirk Schöneberg veranstaltet. "Mit dem Angebot großer Discotheken kann man das nicht vergleichen." Stammgäste der "Early Evening Dance Party" loben vor allem die familiäre Atmosphäre: "Ich fühle mich hier fast wie zu Hause", sagt Lothar Semmler, der fast jeden Samstag auf der Tanzfläche anzutreffen ist.

Obwohl die Mehrzahl der Gäste Nichtraucher ist, spricht das gesunde Tanzangebot auch Raucher an. "Ich komme hierher, um mich auszutoben. Dass ich auf der Tanzfläche nicht rauchen darf, finde ich gut", sagt die Berlinerin Susanne Wever, während sie im Raucher-Space genüsslich an ihrer Zigarette zieht.

Auch auf den Partys des DJs Ola Jannhov sind Raucher willkommen. Seit etwa sechs Jahren organisiert der gebürtige Schwede rauchfreie Discos. "Oft raucht etwa ein Drittel der Gäste. Sie finden es gut, dass sie beim Tanzen keinen Qualm einatmen", erzählt Jannhov, dessen Lokalitäten immer einen Raucherraum haben. Nach jahrelangen Engagement in Köln, bietet der überzeugte Nichtraucher seit Mai auch in Berlin alternative Disco-Abende an.

Von seinem Konzept "Wellness goes Party" ist der 42-Jährige, der mittlerweile in Potsdam lebt, überzeugt. "Irgendwann werden auch größere, kommerziell ausgerichtete Discos mitmachen", sagt er und zieht einen Vergleich zu der Entwicklung von Bioläden. "Früher waren das kleine Geschäfte mit Holz und Verkäufern in Birkenstock-Sandalen. Heute sind es große moderne Märkte."

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Discotheken und Tanzbetriebe, Stephan Büttner, sieht das allerdings anders: "Bei uns geht es um Freizeit, Party und Genuss. Rauchen gehört für die meisten unserer Gäste einfach dazu." Ein gesetzliches Rauchverbot, wie es derzeit von vielen Politikern gefordert wird, lehnt Büttner ab. "Das wäre für viele Betriebe extrem existenzgefährdend", sagt er.

Die Expertin des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Martina Pötschke-Langer, findet diese Einstellung unverantwortlich. "Jedes Jahr sterben mehr als 3300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens", sagt sie und verweist darauf, dass Discotheken zu den am meisten belasteten Räumlichkeiten gehören. "Sie stellen eine enorme Gesundheitsgefahr dar."

(Informationen über rauchfreie Tanzangebote unter: www.rauchfrei-tanzen.de, www.muenster.org/SelbsthilfePassivrauchen/shvPassivrauchen/disko.htm)

Quelle: ntv.de

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