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Ganz langsamer Stoffwechsel Riesen-Kalmare sind genügsam

Zahlreiche Schauermärchen gibt es um die Riesen-Tintenfische aus der Tiefsee, aber diese gehören alle in das Reich der Mythologie. Die vielarmigen Weichtiere sind alles andere als gefräßige und gierige Räuber. Sie kommen mit 30 Gramm Nahrung pro Tag aus.

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Ein riesiger Kalmar macht Beute. Das Foto aus der Tiefsee stammt vom 30. September 2004 und wurde vom Forscherteam um den Japaner Tsunemi Kubodera gemacht.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Rui Rosa vom Laboratorio Maritimo da Guia in Lissabon hat zusammen mit Brad Seibel von der Universität von Rhode Island berechnet, das der riesige Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) mit 30 Gramm Nahrung pro Tag auskommt. In seiner Umgebung – viele hundert Meter tief – ist es nur 1,5 Grad warm, der Stoffwechsel läuft daher sehr langsam. Das berichten die Forscher im "Journal of the Marine Biological Association of the United Kingdom".

Die rund 450 Kilogramm schweren, und vielleicht noch größer werdenden Tiere kommen demnach mit 45,3 Kilokalorien am Tag aus. Ein 18,5 Gramm schwerer Schoko-Müsliriegel liefert bereits das Doppelte, 92 Kilokalorien. Rechnerisch wären damit 30 Gramm Nahrung am Tag ausreichend, heißt es in dem Journal. Dies alles lege einen eher langsamen Lebenswandel nahe und stehe im Gegensatz zu der Einschätzung, die Tiere seien unersättliche, gefräßige, schnelle und gierige Räuber. Wahrscheinlich lasse sich das Tier in der Dunkelheit treiben und packe zu, wenn Beute in Reichweite kommt.

Der Koloss-Kalmar gehört zu jener Organismengruppe, für die der Laie pauschal das Wort "Tintenfisch" verwendet. Die Kopffüßer (Cephalopoda), so der korrekte Name, umfassen etwa 750 Arten, die alle im Meer leben und zum Stamm der Weichtiere zählen – sie sind also mit Muscheln und Schnecken verwandt. Weil die biegsamen Kopffüßer so grundsätzlich anders aussehen als alle anderen Tiere, haben sie den Menschen seit Jahrhunderten fasziniert, geekelt oder herausgefordert.

Seltener Fang in der Ross-See

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Ein ausgewachsener Koloss-Kalmar mit 495 Kilogramm Körpergewicht ging neuseeländischen Fischern im Februar 2007 ins Netz.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In der abgelegenen Ross-See vor der Antarktis wurde 2007 ein 495 Kilogramm schwerer und etwa zehn Meter langer Kolosskalmar gefangen. Die Augen hatten einen Durchmesser von 25 bis 30 Zentimetern – vermutlich, um in der Tiefe möglichst noch das letzte Photon einzufangen. Menschen können ab einer Tiefe von 500 bis 600 Metern nichts mehr sehen.

Vielleicht sind einzelne Nervenzellen im Sehzentrum des Kalmars zusammengeschaltet, um das Restlicht noch besser zu verstärken. Das würde ihnen sowohl bei der Jagd als auch bei der Suche nach Feinden oder Artgenossen helfen. Experten vermuten, dass die großen Augen vor allem dazu dienen, Biolumineszenz und Tierumrisse (potenzielle Beute, potenzielle Räuber und Artgenossen) mit dem horizontalen Blick in die Dämmerlichtzone zu finden.

Quelle: n-tv.de, dpa/jze