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Eine gestreifte Seeschlange.
Eine gestreifte Seeschlange.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Samstag, 08. August 2009

"Kleptothermie": Schlange klaut Wärme

Wärmediebstahl in der Bruthöhle: Eine giftige Seeschlange kriecht mitunter in die Höhle von Keilschwanz-Sturmtauchern, um von deren Körperwärme zu profitieren.

Reptilien sind wechselwarm und nehmen daher die Temperatur ihrer Umgebung an – und die ist in der Höhle der Vögel deutlich höher als an anderen Orten. Die Vögel nutzen einen großen Teil ihrer Energie, um ständig auf Betriebstemperatur zu bleiben.

37 statt 22 Grad

Francois Brischoux von der Universität im australischen Sidney hatte einen Gewöhnlichen Plattschwanz (Laticauda laticauda) mit einem Gerät ausgestattet, das Zeit, Tauchtiefe und Temperatur aufzeichnet. Dabei stellte sich heraus, dass die hochgiftige amphibische Wasserschlange nicht immer im Meer schwamm. Für ganze drei Tage blieb sie in der Nisthöhle eines Pärchens von Keilschwanz-Sturmtauchern (Puffinus pacifica). Während dieser Zeit profitierte sie von der Wärme der Vögel. Deren Körpertemperatur blieb bei etwa 37 Grad Celsius, während die Temperatur außerhalb der Höhle stark schwankte und nachts bis auf 22 Grad sank.

Auch in den von Schlangen häufig genutzten leeren Bruthöhlen der Seevögel wechselte die Temperatur zwischen kühl in der Nacht und gemäßigt am Tag, die bewohnte Höhle blieb aber deutlich wärmer, berichtet der Forscher in den britischen "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Neuer Name für Wärmeraub

Auch weitere wechselwarme Tiere profitieren von der Wärme anderer, etwa Echsen, die sich in Ameisen- und Termitenbauten zurückziehen. Diese Strategie sollte einen eigenen Namen bekommen, schlägt Brischoux vor. Neben der Ektothermie der wechselwarmen und der Endothermie der wärmeproduzierenden Arten sollte sie "Kleptothermie" heißen, übersetzt also "Wärmeraub".

 

Quelle: n-tv.de