Wissen

Wie bitte?Schlecht hören trotz guter Ohren

29.09.2005, 16:23 Uhr

Wie bitte, was haben Sie gesagt? Wenn einer etwas nicht versteht, muss das nicht heißen, dass er schlecht hört. Alles verstanden?

Trotz völlig intakter Ohren haben zwei bis drei Prozent der Deutschen große Schwierigkeiten, Gesagtes zu verstehen. "Bei diesen Menschen ist die Signalverarbeitung im Gehirn gestört", sagte der Tübinger Psychologe Harry de Maddalena.

"Besonders betroffen sind zum einen Kinder, deren Gehirne sich nicht optimal entwickelt haben, zum anderen Ältere, etwa nach einem Schlaganfall." Die Schwerhörigkeit trotz normal funktionierender Ohren lässt sich nach Maddalenas Angaben bislang vor allem durch Therapien von Psychologen, Pädagogen und Logopäden behandeln. "Unter anderem geht es darum, den Betroffenen beizubringen, sich besser auf Stimmen zu konzentrieren und weniger auf Störgeräusche zu achten", sagte der Mediziner.

Durch größeres sprachliches Wissen lasse sich die Verarbeitung des Gehörten erleichtern. Eine große Hilfe für die Patienten sei es zudem, wenn Gesprächspartner nicht nur langsam artikulierten, sondern auch Blickkontakt aufnähmen. "Die Entwicklung von Medikamenten steckt hingegen noch in den Kinderschuhen."

Hintergrund der so genannten "auditiven Verarbeitungsstörung" ist die fehlende Zusammenarbeit von verschiedenen Gehirnregionen, etwa der für das Hören verantwortlichen mit der für das Erleben zuständigen. Die Ursachen dafür seien noch unklar, sagte Maddalena. Die Störung lasse sich meist auch nicht mit bildgebenden Verfahren - wie einer Aufnahme des Gehirns per Positronen-Emissions-Tomographie - sehen. "Teilweise ist der Defekt wohl auf Erbanlagen zurückzuführen, eine genauso große Rolle spielen aber die Umwelt und Sozialisation in den verschiedenen Entwicklungsphasen eines Kindes", sagte er. "Bei ersten Misserfolgserlebnissen kommt dann oft eine psychische Blockade dazu."