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Geheimnis um 1200 Jahre alte Gebeine gelüftet Sind es Kaiser Karls Knochen oder nicht?

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Der Karlsschrein in Aachen.

(Foto: dpa)

Der Karlsschrein im Aachener Dom ist berühmt. Aber sind da auch wirklich die Knochen von Karl dem Großen drin? Wissenschaftler lüften jetzt das Geheimnis - zum ersten Mal seit der letzten Öffnung des Schreins 1988.

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Ein Großteil der Gebeine Karls des Großen liegt im Karlsschrein in Aachen.

(Foto: dpa)

An einem Tag im Jahr 1988. Es ist eine Geheimaktion. Eingeweiht sind das Aachener Domkapitel, die Domschatzkammer und das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege. Der Schrein Karls des Großen soll geöffnet werden, zum ersten Mal seit 1949. Es ist absolute Vertraulichkeit vereinbart. Erst 26 Jahre später, kurz nach dem 1200. Todestag Karls des Großen, dürfen die Wissenschaftler erstmals öffentlich über die Gebeine berichten. Zum Vortrag am Mittwochabend setzte sich auch der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff ins Publikum.

Man habe damals eine Sensationsberichterstattung verhindern wollen, sagte der Anthropologe Joachim Schleifring, der den Inhalt damals dokumentierte. Er beschrieb die Szene, dazu die historischen Fotos, die zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurden: Als die Holzlade mit den Gebeinen aufging, fährt den Umstehenden ein stechender Geruch in die Nase, vermutlich Formaldehyd. "Wir glauben, dass die Knochen damit imprägniert worden sind", sagte Schleifring.

Kaum DNA übrig

Durch diesen Versuch der Konservierung sei von der DNA an der Knochen-Oberfläche vermutlich kaum mehr etwas übrig, sagte Professor Frank Rühli (Zürich), der später Schädel- und Schienbeinknochen untersuchte. Rühli und Schleifring berichteten zum ersten Mal zusammenfassend über die medizinhistorischen, anthropologischen und pathologischen Untersuchungen.

Für sie ergibt sich folgendes Bild von dem Frankenherrscher: Karl war mit 1,84 Meter und "grob berechneten" 78 Kilogramm ein großer, schlanker Mann, der die meisten Männer seiner Zeit fast um einen Kopf überragte. Nach heutigen Maßstäben entspräche das einer Größe von 1,95 Meter. Das helfe vielleicht bei der Frage, wie Karl damals gesehen wurde: als großer Mensch oder politische Größe.

Hinkte Karl?

Tatsächlich könnte Karl gegen Ende seines Lebens gehinkt haben, wie es sein fränkischer Biograf Einhard schrieb. Es gab Verknöcherungen an der Kniescheibe und am Fersenbein. Einen 1949 beschriebenen, verheilten Bruch des Schlüsselbeins, konnten die Forscher nicht mehr sichten, der Knochen ist nicht mehr da.

Einen Beweis dafür, dass Karl an einer Lungenentzündung starb, fanden sie nicht. "Eine Lungenentzündung hinterlässt an Knochen keine Spuren", stellten die Forscher fest. Die Schilderungen des Biografen Einhard von Fieber und stechenden Schmerzen im Brustbereich kurz vor Karls Tod ließen aber auf eine Lungenerkrankung als Todesursache schließen, sagte Schleifring.

Fixiert für Prozessionen

94 Knochen und Knochenfragmente im Karlsschrein hat er dokumentiert und Auffälligkeiten beschrieben. Die alten Fotos zeigen die Knochen auf einem roten Tuch fein säuberlich aufgereiht, mit rotem Band oder Goldfäden fixiert. Ansonsten wären die Knochen bei Prozessionen durcheinandergefallen, sagte Schleifring. "Alle 94 Knochen in dem Schrein sind von einem einzigen Menschen. Es ist ein Mann", sagte Schleifring.

Auch wenn der letzte Beweis fehlt, die Forscher gehen davon aus, dass Karls Knochen echt sind. "Aufgrund der Ergebnisse von 1988 bis jetzt können wir sagen, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das Skelett von Karl dem Großen handelt", sagte Rühli. Durch genetische Untersuchungen, die beweisen könnten, dass alle Knochen einem Menschen gehörten, würde man Gewebe zerstören, äußerten sich die Forscher zurückhaltend. Und vielleicht gebe es in der Zukunft ja auch noch neue Untersuchungsmethoden.

Die große Masse der Knochen sei vorhanden, aber es fehlten auch Teile. Es seien wohl Teile als Reliquien weggegeben worden. So habe die französische Kaiserin Josephine um einen Armknochen für ihren Napoléon gebeten.

Quelle: n-tv.de, Elke Silberer, dpa

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