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Breiter Therapieansatz für Erfolg nötigSucht hat eine Ursache

09.10.2009, 10:09 Uhr

Suchterkrankungen werden häufig durch andere psychiatrische Probleme verursacht oder verstärkt. Für süchtige Menschen ist es daher äußerst schwierig, eine Abhängigkeitserkrankung selbsttätig zu überwinden, wenn zusätzliche Störungen unbehandelt bleiben.

Suchterkrankungen werden häufig durch andere psychiatrische Probleme verursacht oder verstärkt. Für süchtige Menschen ist es daher äußerst schwierig, eine Abhängigkeitserkrankung selbsttätig zu überwinden, wenn zusätzliche Störungen unbehandelt bleiben. "Bei 60 Prozent aller Patienten mit problematischem Substanzkonsum werden parallel eine oder mehrere Persönlichkeitsstörungen diagnostiziert. Dabei ist die Sucht - beispielsweise Alkohol- oder Tabletten-Missbrauch - oft nur eine ungünstige Bewältigungsreaktion zugrunde liegender Störungsbilder, die der Abschwächung emotionaler Anspannung oder dem Wunsch nach Veränderung von unangenehmen Zuständen dient.

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Biertrinker vor einem riesigen Feuer. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Menschen, die zu Suchtverhalten neigen, sollten nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn eine Selbstbewältigung ist überaus schwierig, wenn psychiatrische Grund- oder Zweiterkrankungen nicht zeitgleich bewältigt werden", erklären Prof. Andreas Heinz und sein bereichsleitender Oberarzt Dr. Thorsten Kienast von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. "Werden durch eine Therapie gegen ungünstige Verhaltensweisen und Reaktionen keine adäquaten Bewältigungsstrategien erlernt, ist es kaum möglich, den Teufelskreis von wiederholtem Substanzkonsum zu durchbrechen und die Wahrscheinlichkeit für Rückfälle hoch."

Selbst in der Therapie stellt die Kombination aus einer Abhängigkeitserkrankung und Persönlichkeitsstörungen besondere Anforderungen. Werden diese Störungsbilder zeitlich versetzt behandelt, hat dies oft ein Wiederaufflammen der erstbehandelten Erkrankung zufolge, was den gesamten Therapieerfolg gefährdet. So beeinträchtigen beispielsweise Rückfälle in den Substanzmissbrauch eine wirksame Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, weil etwa Patienten aufgrund des Drogenkonsums Therapiepläne nicht einhalten. Umgekehrt fördern Störungen der Persönlichkeit die Aktivierung ungünstiger Verhaltensweisen, hemmen die Abstinenzmotivation und öffnen den Weg für Rückfälle in den Suchtmittelkonsum.

Verschiedene Therapieansätze

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9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken zu viel Alkohol. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Gute Aussichten auf einen Behandlungserfolg hat die für abhängigkeitserkrankte Borderline-Patienten weiterentwickelte Dialektisch-Behavoriale Therapie für Substanzabhängige (DBTS). Sie wurde von Dr. Kienast in Kooperation mit Prof. Marsha Linehan, der amerikanischen Professorin, die das Therapiemodel der DBT in den 90er Jahren entwickelt hat, in ein strukturiertes therapeutisches Programm gefasst. Hier erlernen Patienten, Situationen, in denen bislang ungünstige Verhaltensschemata, wie etwa Frustration und Substanzmissbrauch angewendet wurden, zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren. Ebenso wie bei einer zweiten Therapiemethode, der Dual-Fokus Schema Therapie gelingt es Betroffenen durch Aufzeigen vorteilhafter Bewältigungsstrategien besser, mit Spannungszuständen umzugehen und Rückfälle zu vermeiden", ergänzt der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin.

In Deutschland haben etwa 11 Prozent der Bevölkerung eine Persönlichkeitsstörung. Von einer Persönlichkeitsstörung (PS) spricht man, wenn eine Person regelmäßig starre, unflexible und unzweckmäßige Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigt, die von üblichen gesellschaftlichen Erwartungen abweichen und zu erheblichem Leid auf Seiten des Betroffenen oder auf Seiten der Umwelt führen.

Quelle: DGPPN