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Meist zu spät erkannt Tod durch Sepsis oft vermeidbar

Blutprobe: Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt, kostet in Deutschland jährlich rund 60 000 Menschen das Leben. Foto: Jan-Peter Kasper

Blutprobe: Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt, kostet in Deutschland jährlich rund 60.000 Menschen das Leben

Etwa 60.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt. Mit Aufklärung, Hygiene und Impfungen ließen sich viele Todesfälle verhindern. Darauf will der erste Welt-Sepsis-Tag aufmerksam machen.

Etwa jeder dritte Todesfall durch Sepsis in Deutschland ist nach Einschätzung eines Experten vermeidbar. Bei der Infektion gelangen Krankheitserreger ins Blut und befallen ein Organ nach dem anderen. Mehr als 150.000 Menschen erkranken allein in Deutschland jedes Jahr an Sepsis (Blutvergiftung), für etwa 60.000 endet sie mit dem Tod. "Damit ist die Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland", sagte der Jenaer Intensivmediziner Konrad Reinhart, Vorsitzender der Global Sepsis Alliance (GSA). Weltweit seien es im Jahr mehr als 18 Millionen Erkrankungen und etwa 8 Millionen Tote.

Sepsis

Eine Sepsis kann als Komplikation bei Infektionskrankheiten auftreten. Sie wird durch Mikroorganismen und deren Gifte (Toxine) hervorgerufen.

Einer Sepsis sind schon viele prominente Opfer erlegen: An der im Volksmund oft Blutvergiftung genannten Erkrankung starben zum Beispiel Papst Johannes Paul II., Fürst Rainier III. von Monaco und der Hollywood-Schauspieler Christopher Reeves. Auch beim Dichter Rainer Maria Rilke und dem Komponisten Gustav Mahler war eine Sepsis, bei der oft mehrere Organe versagen, die Todesursache.

Eine Sepsis kann als Komplikation bei Infektionskrankheiten auftreten. Sie wird durch Mikroorganismen und deren Gifte (Toxine) hervorgerufen. Gelingt es dem Körper nicht, eine Infektion auf den Ursprungsort zu begrenzen - bei einer Lungenentzündung etwa auf die Lunge - werden weitere Organe befallen und geschädigt. Dies kann innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Auch bei intensivmedizinischer Behandlung sterben viele Menschen.

In Deutschland erliegen jährlich etwa 60.000 Menschen einer Sepsis. In den Entwicklungsländern ist die Erkrankung die Haupttodesursache bei Kindern und der zweithäufigste Grund für den Tod von Frauen im Kindbett. Hauptursache dafür sind schlechte hygienische Verhältnisse.

Mehr Bewusstsein für die Gefahren dieser Erkrankung: Das ist das Ziel des ersten Welt-Sepsis-Tages am 13. September, der von der GSA koordiniert wird. Mehr als 40 Länder beteiligen sich an Aktionen.

Selbst Ärzte ungenügend informiert

Der Experte nannte es erschreckend, wie wenige Menschen über die Sepsis (Blutvergiftung) Bescheid wüssten. "Jeder zweite Deutsche kennt noch nicht mal den Begriff." Auch viele Ärzte seien ungenügend informiert. Die Sepsis werde in der Ausbildung vernachlässigt, weil sie in Verbindung mit verschiedenen Infektionen auftreten könne. Viele Mediziner seien mit der Diagnose überfordert. Oft werde eine falsche Todesursache angegeben wie Lungenentzündung. "Tatsächlich hat aber nicht die Lungenentzündung zum Tod geführt, sondern die Sepsis, die infolge der Lungenentzündung eingetreten ist."

Das Problem liege im Wesen der Krankheit begründet. "Es kann mit einer ganz harmlosen Mandelentzündung anfangen." Wenn bei einer solchen Infektion plötzlich auch ganz andere Organe betroffen seien, müssten jedoch die Alarmglocken schrillen. "Dann muss der Patient so schnell wie möglich ins Krankenhaus", sagte Reinhart. Viele Erkrankungen würden erst diagnostiziert, wenn es für eine Behandlung zu spät sei. "Wahrscheinlich könnte ein Drittel der Sepsis-Todesfälle in Deutschland verhindert werden, wenn sie früher erkannt würden."

Obwohl die Zahl der Fälle zunimmt, besteht Hoffnung, dass sich die Krankheit in den Griff bekommen lässt. Auch das soll am Welt-Sepsis-Tag vermittelt werden. Durch Impfungen kann das Risiko einer Erkrankung gesenkt werden: "Die meisten Sepsis-Fälle sind Folge von Lungenentzündungen und dagegen schützt die Pneumokokken-Impfung." Außerdem lasse sich die Sepsis in vielen Fällen mit Antibiotika behandeln. Zudem könnten viele Erkrankungen durch sorgfältigere Hygiene verhindert werden, sagte Reinhart. "Allein in Krankenhäusern würde das mehrere Tausend Todesfälle weniger im Jahr bedeuten."

Quelle: ntv.de, dpa

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