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Folgenschwere HundebisseTollwut tötet jeden Tag 160 Menschen

20.04.2015, 11:36 Uhr
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Vor allem in Ländern mit vielen streunenden Hunden ist die Gefahr, an Tollwut zu erkranken, hoch. (Foto: picture alliance / dpa)

Hierzulande ist die Gefahr, an Tollwut zu sterben, weitestgehend gebannt. Doch weltweit kostet der Erreger jeden Tag weiterhin viele Menschenleben. Dabei wäre es einfach, die gefährliche Virenerkrankung vollständig zu besiegen.

Weltweit sterben jeden Tag schätzungsweise 160 Menschen an Tollwut. In einer Studie berechnet ein internationales Forscherteam der Global Alliance for Rabies Control, dass die Virenerkrankung jedes Jahr etwa 59.000 Menschen umbringt, die meisten davon in armen Ländern Asiens und Afrikas. Im Fachblatt "PLOS Neglected Tropical Diseases" betonen die Forscher um Katie Hampson von der Universität Glasgow, die Krankheit lasse sich durch Massenimpfungen von Hunden einfach verhindern.

Die Forscher, darunter ein Mitarbeiter des deutschen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tiergesundheit, versuchten, Tollwut-Daten hauptsächlich für Schwellen- und Entwicklungsländer zu ermitteln. Dabei stützten sie sich auf human- und tiermedizinische Erhebungen und Studien, sichteten die Fachliteratur, berücksichtigten Daten zur Zahl der Hunde und Menschen in verschiedenen Regionen sowie die Umsätze von Herstellern von Tollwut-Impfstoffen für verschiedene Regionen.

Deutlich mehr Todesopfer als vermutet

"Die Datenbreite dieser Studie, von Überwachungsberichten über epidemiologische Daten bis hin zu Informationen zum weltweiten Verkauf von Impfstoffen, ist wesentlich größer als je zuvor", wird Hampson in einer Mitteilung der Globalen Allianz zitiert. Die Schätzung der Forscher von etwa 59.000 Todesopfern liegt zum Teil deutlich über früheren Annahmen.

Demnach entfallen knapp 60 Prozent davon auf Asien und gut 36 Prozent auf Afrika. Indien stellt mit 20.800 Opfern zwar mehr als ein Drittel der weltweiten Todesfälle, das liegt aber vor allem an der hohen Bevölkerungszahl. Umgerechnet auf die Bevölkerung sterben die meisten Menschen in Afrika südlich der Sahara an Tollwut.

In Amerika dagegen ist die Zahl der Fälle nach der Einführung von Impfprogrammen für Hunde stark gesunken: Auf dem gesamten Kontinent sterben pro Jahr weniger als 200 Menschen an Tollwut, die meisten davon in Haiti. Die weltweiten wirtschaftlichen Folgen der Erkrankung beziffern die Forscher auf 8,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr (8,1 Milliarden Euro).

Mehr als 99 Prozent der Infektionen, die unbehandelt fast immer tödlich enden, werden durch Hundebisse verursacht, schreiben sie. Durch wiederholte Massenimpfungen von Hunden lasse sich die Krankheit verhindern, was den meisten Industrieländern gelungen sei. "Die Studie zeigt, dass die globale Last durch Hundetollwut beträchtlich ist, obwohl die Krankheit vollständig vermeidbar ist", heißt es. "Der Erfolg liegt darin begründet, in die Kontrolle von Tollwut bei Hunden zu investieren. Daran mangelt es."

Quelle: ntv.de, ail/dpa