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Wie beim Glücksspiel Torhüter sollten mehr dem Zufall überlassen

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Gut gehalten: Der niederländische Torwart Tim Krul beim Elfmeterschießen im Viertelfinalspiel gegen Costa Rica bei der WM 2014.

(Foto: dpa)

Torhütern geht es beim Elfmeterschießen ähnlich wie vielen Glücksspielern: Sie erliegen bei der Wahl der Ecke dem verführerischen "Spielertrugschluss". Dabei sind die Bälle, die auf sie zufliegen, oft einfach zu schnell für eine zielgerichtete Reaktion.

Beim Elfmeterschießen muss sich der Torwart intuitiv für eine Ecke entscheiden. Ein vom Profifuß getretener Ball ist meist schlichtweg zu schnell für eine gezielte Reaktion. Bei der Entscheidung für den richtigen Sprung erliegen die Torhüter häufig einem klassischen Denkfehler - das jedenfalls berichten Forscher vom University College London im Fachjournal "Current Biology". Ihre Beobachtung: Schießen die Feldspieler vorzugsweise in eine Ecke, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Torwart beim nächsten Schuss in die entgegengesetzte Richtung springt.

Psychologen sprechen bei diesem Entscheidungsphänomen von einem "Spielertrugschluss". Ihm zugrunde liegt eine falsche, wenn auch weit verbreitete Vorstellung von Zufallsmerkmalen. Ursprünglich entstand der Begriff bei der Erforschung von Glücksspielen. Auch am Roulette-Tisch erwarten die Spieler, dass nach häufigem Ziehen von "Rot" vermehrt "Schwarz" auftritt. Doch das subjektive Gefühl eines ausgeglichenen Farbenverhältnisses ist ein Trugschluss. Die Wahrscheinlichkeit bleibt unabhängig vom Auftreten der Ergebnisse bei jedem Zug dieselbe.

Analyse von 361 Schüssen

Die Parallelen zum Glücksspiel entdeckten die Wissenschaftler bei der Analyse von 361 Schüssen aus 37 Elfmeterschießen bei Welt- und Europameisterschaften zwischen 1976 und 2012. Wie Roulettespieler erwarten auch Torhüter demnach unbewusst ausgeglichene Schüsse gut verteilt auf die linke und rechte Ecke des Tores. "Überraschenderweise versäumen es die Schützen, diesen Vorteil zu ihren Gunsten zu nutzen", sagt Erman Misirlisoy, Hauptautor der Studie.

Den Grund vermuten die britischen Forscher im großen Druck, der auf den Schultern der Schützen lastet. Die Spieler seien auf den Moment des eigenen Schusses fokussiert und weniger auf die Abfolge.

Den Zufall entscheiden lassen

Für die Torhüter haben Misirlisoy und seine Kollegen ebenfalls einen guten Ratschlag: Aus ihrer Sicht sei es eine gute Strategie, sich vor dem Spiel für eine zufällige Abfolge von Ecken zu entscheiden und diese Strategie zu verfolgen, komme was wolle.

Eine andere Möglichkeit ist demnach das Verunsichern des Schützen durch psychologische Tricks. Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien wechselte der niederländische Nationaltrainer Louis van Gaal kurz vor dem Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale gegen Costa Rica den Ersatztorwart Tim Krul ein. Dieser redete vor jedem Strafstoß auf die gegnerischen Spieler ein, fuchtelte mit den Händen herum und ließ sich aufreizend viel Zeit, um ins Tor zurückzukehren. Mit Erfolg: Krul parierte zwei Strafstöße.

Quelle: ntv.de, abe/dpa

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