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Donnerstag, 25. März 2010

Artenschutzkonferenz endet: Versagt, verspielt, verloren

Kein Herz für Haie: Die Flossen des Hammerhais landen wohl auch in Zukunft in der Suppenschüssel.
Kein Herz für Haie: Die Flossen des Hammerhais landen wohl auch in Zukunft in der Suppenschüssel.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach zwei Wochen geht die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES zu Ende. 3000 Delegierte aus 175 Unterzeichnerstaaten waren in Doha, Katar, zusammengekommen, um über Handelskontrollen und Handelsverbote abzustimmen – stets vor dem Hintergrund, das Überleben bedrohter Tiere zu sichern. Doch dieses Ziel scheint allzu häufig aus dem Blick geraten zu sein. Wie bewerten Umweltschützer die auf der Konferenz erzielten Ergebnisse? n-tv.de spricht mit Katalina Mauer, Artenschützerin beim WWF.

n-tv.de: Die Liste der Verlierer auf der Artenschutzkonferenz ist lang. War es für Artenschützer letztlich dennoch eine zufriedenstellende Veranstaltung? Wie beurteilen Sie das, was erreicht wurde?

Katalina Mauer: Der WWF ist von der Konferenz im Allgemeinen enttäuscht. Die internationale Staatengemeinschaft hätte in Doha die Gelegenheit gehabt, gerade die Meere in ihrer Artenvielfalt besser zu schützen. Doch diese Chance wurde verspielt. Weder für die Rote Koralle noch für den Blauflossentunfisch und diverse Haiarten wurden die Artenschutzziele erreicht. Der Blauflossentunfisch landet weiterhin als Sushi-Delikatesse auf dem japanischen Markt – und das, obwohl er hoch bedroht ist. Seine Population ist um bis zu 85 Prozent eingebrochen. Die Rote Koralle darf weiterhin gehandelt werden, und die Flossen von Hammerhai und Weißspitz-Hochseehai finden sich wohl auch in Zukunft in Suppenschüsseln wieder.

Aber es gab auf der Konferenz zum Glück auch Erfolge: Zu den wenigen Gewinnern gehören der Afrikanische Elefant und – durch einen Kompromissvorschlag - der Tiger.

Er gehört zu den wenigen tierischen Gewinnern der Konferenz: der afrikanische Elefant.
Er gehört zu den wenigen tierischen Gewinnern der Konferenz: der afrikanische Elefant.(Foto: picture-alliance / dpa)

Es ist die Rede von "abgesprochenen Aktionen", die die Bemühungen des Artenschutzes blockieren. Wer agiert hier mit wem und mit welchen Zielen?

Für den Blauflossentunfisch sollte ein totales internationales Handelverbot erreicht werden. Doch Japan, Hauptimporteur des im Mittelmeer und Atlantik überfischten Tieres, verhinderte dies durch eine Allianz mit mehreren Ländern. Die Ablehnung des Antrags geschah soliden wissenschaftlichen Grundlagen zuwider. Studien weisen darauf hin, dass die Bestände des Blauflossentunfischs bei Beibehaltung der heutigen Fangmengen in den nächsten Jahren zusammenbrechen, sodass die Population dann ausstirbt.

Japan hatte schon im Vorfeld der CITES-Konferenz Allianzen geknüpft: Bei den nordafrikanischen Fischereistaaten schürte es zum Beispiel deren Besorgnis um ihre Fischereiwirtschaft. Diese Angst wurde nach und nach auf andere Länder verbreitet. Zuletzt wurden sogar offen die wissenschaftlichen Grundlagen angezweifelt, auf die sich die Antragsteller verlassen hatten.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

China und seine Allianzen – ein weiteres Beispiel – verhinderten die Schließung von Tigerfarmen. Zunehmend lässt sich beobachten, dass sich Staaten wie Japan und China auf ihr nationales Recht als souveräne Staaten berufen und auf eben diesen Nationalstolz auch bei der Überzeugung ihrer Partner setzen. China betrachtet die Tigerfarmen als nationales Thema, bei dem sich die Staatengemeinschaft nicht einzumischen habe. Und bei den alliierten Einzelstaaten und Regionen wird darauf hingewiesen, dass sie ihre eigenen Fischereiabkommen haben, die das Problem der Überfischung selber in den Griff bekommen sollen.

Es werden also zunehmend nationale (Wirtschafts-)Interessen verteidigt. Diese Entwicklung untergräbt eigentlich die Funktion von CITES als internationales und von den Staaten selbst ins Leben gerufenes (!) Gremium für die Kontrolle des internationalen Handels mit Arten aus Wildbeständen.

Wie sinnvoll ist eine Konferenz mit 3000 Delegierten vor dem Hintergrund solcher "Absprachen" und Blockaden?

Angesichts der eben beschriebenen Entwicklungen stellt sich diese Frage natürlich. Dennoch muss man sich bewusst machen, dass die Roten Listen der bedrohten Arten immer länger werden und CITES bisher tatsächlich das einzige Werkzeug ist, mit dem man internationale Abkommen zur Handelskontrolle von Wildarten erzielen kann.

Wie kann sich der Artenschutz durchsetzen? Wie sieht die Strategie für die Zukunft aus, sodass sich auf künftigen Konferenzen mehr Erfolge erzielen lassen?

CITES ist bisher das einzige Werkzeug ist, mit dem sich internationale Abkommen zur Handelskontrolle von Wildarten erzielen lassen.
CITES ist bisher das einzige Werkzeug ist, mit dem sich internationale Abkommen zur Handelskontrolle von Wildarten erzielen lassen.(Foto: picture alliance / dpa)

Die internationalen Abkommen, die auf den Vertragsstaatenkonferenzen geschlossen werden, haben keinen Rechtscharakter. Es ist die Aufgabe jedes einzelnen Staates, die Beschlüsse in nationales Recht umzusetzen und zu implementieren. Manche Länder machen das vorbildlich, andere wenig bis gar nicht. Es kommt also auf mehr an als auf die Listung auf den Anhängen von CITES, um eine Art zu retten.

Deswegen müssen Nichtregierungsorganisationen wie der WWF und Artenschutzprogramme wie TRAFFIC darauf achten, dass in den jeweiligen Ländern ein Bewusstsein für den Artenschutz entsteht. Außerdem müssen sie für eine verbesserte Durchführung sorgen, etwa durch die Ausbildung von Zollbeamten oder politische Lobbyarbeit.

Ist es meist der Handel beziehungsweise illegale Handel, der dem Artenschutz im Weg steht? Wird an Konzepten alternativer Einnahmequellen gearbeitet?

Der illegale Handel ist bloß eine Facette. Für manche Arten wie den Tiger ist der illegale Handel eine große Bedrohung, andere Arten sind davon gar nicht betroffen. Viele Tiere sind durch Klimaveränderung, Lebensraumzerstörung oder –zerstückelung oder Umweltverschmutzung in ihren Beständen bedroht.

Bei WWF-Projekten wird immer auch auf die Zusammenarbeit mit den lokalen Bevölkerungen geachtet. Die Entwicklung alternativer Einkommensquellen ist integraler Bestandteil vieler WWF-Projekte, so zum Beispiel wenn es um die nachhaltige Nutzung und der Vertrieb von Kiefernüssen in der Amurregion geht, dem Lebensraum des Amurtigers.

Es geht auch ohne Fisch ...
Es geht auch ohne Fisch ...(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zum Schluss noch ein konkretes Beispiel aus dem Alltag: Immer wieder lesen wir von Überfischung, bekommen unser Sushi aber dennoch wie gewohnt mit Fisch. Wieso ist es so schwer, dem Import und Export der gefährdeten Arten Einhalt zu gebieten?

Einige Fischarten - wie manche Störe, die Kaviar liefern, und der Aal - sind schon bei CITES gelistet und unterliegen Handelskontrollen. Diese Arten bekommt man im Supermarkt nicht so einfach.

Der Fischereimarkt ist ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor, und sobald wirtschaftliche Interessen im Spiel sind, spielt der Artenschutz nur noch eine Randrolle. Aus genau diesem Grund hat CITES hat in diesem Jahr auf dem Gebiet der Fischerei versagt.

Hinzu kommt die Unwissenheit der Konsumenten, gerade in Deutschland. Die Fischvielfalt in unseren Kühlregalen gaukelt dem Konsumenten einen Fischreichtum vor, den es gar nicht mehr gibt. Wir merken davon in Deutschland nichts, weil immer Ware nachrückt. Wenn man die Scholle in der Nordsee nicht mehr fangen kann, fängt man sie eben woanders. Das Fischangebot in Deutschland besteht mittlerweile zu über 85 Prozent aus importiertem Fisch.

Quelle: n-tv.de