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Zwei, drei, vier Würmer Vögel können zählen

Neuseeländische Langbeinschnäpper können zählen. In Freilandversuchen wählten die Vögel die Verstecke mit den meisten darin versteckten Würmern. Dies berichten Wissenschaftler der Victoria University of Wellington in Neuseeland in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Der ausgeklügelte Sinn für Zahlen mache sich in der Wildnis sowohl beim Leeren eigener als auch beim Plündern fremder Futterverstecke bezahlt.

Simon Hunt und seine Mitarbeiter hatten das Zahlenverständnis bei insgesamt 14 Langbeinschnäppern (Petroica australis) untersucht, die in einem Schutzgebiet auf der Nordinsel Neuseelands heimisch sind. Obwohl nicht gezähmt, zeigen die Vögel keine Furcht vor Menschen und fressen ihnen sogar aus der Hand. In einem ersten Experiment versteckten die Wissenschaftler jeweils unterschiedliche Mengen von Würmern in zwei künstlichen Verstecken eines Astes. Sie legten - deutlich sichtbar für die Vögel - zum Beispiel einen Wurm in das eine und zwei in das andere Loch. Beide Löcher wurden mit einem leicht zu öffnenden Deckel verschlossen. Insgesamt testeten die Forscher acht Zahlenkombinationen, wie zum Beispiel zwei gegen drei Würmer, vier gegen sechs oder acht gegen zehn.

Schwierigkeiten bei hohen Zahlen

Die Vögel wählten später mit hoher Treffsicherheit das Versteck mit der größeren Beute, öffneten den Deckel und fraßen. Beim Versuch "ein Wurm gegen zwei" betrug die Trefferquote fast 90 Prozent. Bei den Kombinationen zwei gegen drei, drei gegen vier oder vier gegen acht lag die Quote immerhin noch bei 80 Prozent. Erst bei höherer Wurmzahl, wie etwa sechs gegen acht, kamen die Vögel über Zufallstreffer nicht hinaus. Die Schnäpper schienen "Rechnungen" mit insgesamt bis zu zwölf Würmern recht sicher ausführen zu können, schließen die Forscher.

In einem weiteren Experiment bestätigten sie, dass die Vögel ihre Entscheidung tatsächlich aufgrund der Menge der Objekte trafen. Sie versteckten dazu wiederum Würmer vor den Augen der Vögel - aber ein Teil der ins Loch gesteckten Beute verschwand in einer geheimen Falltür unter dem Loch. Die Langbeinschnäpper mussten also eine größere Beute erwarten, als sie sie tatsächlich fanden. Dabei zeigte sich, dass die Vögel länger suchten und warteten, wenn ihnen ein Teil der Beute vorenthalten wurde.

"Numerische Kompetenz"

Zeigten die Forscher den Vögeln zum Beispiel zwei Würmer, ließen sie aber nur einen fressen, warteten die Vögel viermal so lange als wenn sie einen Wurm gezeigt bekamen und diesen auch verputzen durften. Sie hatten also tatsächlich mitgezählt - die Forscher sprechen von "numerischer Kompetenz". Für eine effiziente Leerung der angelegten Futterverstecke sei es sinnvoll, sich an die versteckte Menge zu erinnern, erklären die Forscher das Zahlenverständnis. Angesichts der verderblichen Insektenbeute könnten zum Beispiel immer erst jene Vorratsverstecke angeflogen werden, in denen am meisten Beute wartet. Auch beim Plündern fremder Verstecke zahle sich das Zahlenverständnis aus. Zwischen Männchen und Weibchen komme dies vor allem im Winter regelmäßig vor.

Quelle: ntv.de

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