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Gemeiner Vampir findet Vene zielgenauWärme des Bluts lockt Fledermaus

04.08.2011, 11:45 Uhr

Vampire sollen ja bekanntlich das Blut ihrer Opfer riechen. Für die Fledermausart Gemeiner Vampir - Vorbild für manch blutdürstige Nachtgestalt - haben Wissenschaftler diese These jetzt widerlegt. Und auch eine verwandtschaftliche Besonderheit konnte geklärt werden.

Gemeiner-Vampir
Der Gemeine Vampir saugt seinem Opfer esslöffelweise Blut aus dem Körper. (Foto: Wikipedia / WikedKentaur)

Die Fledermausart Gemeiner Vampir wird einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge nicht vom Geruch des Blutes zu ihrer Beute gelockt, sondern von dessen Wärme. Die auf dem amerikanischen Kontinent lebende Fledermaus erkenne eine Wärmequelle dank ihrer Gesichtsnerven "auf 20 Zentimeter Entfernung", erklärte der Forscher David Julius von der Universität von Kalifornien in San Francisco. Sie nehme genau wahr, wo die Venen am dichtesten unter der Haut liegen und wo sie das Opfer folglich beißen muss, um ihm esslöffelweise Blut abzusaugen. Möglich ist dies, weil der Gemeine Vampir einen Eiweißstoff für sich umgewandelt hat, den alle Säugetiere herstellen und der sie vor Verbrennungen schützt, wie Julius erläuterte.

Jedes Lebewesen hat verschiedene Rezeptoren, mit Hilfe derer es äußere Reize wie Druck oder Geruch wahrnimmt - das Protein TRPV1 springt etwa auf Wärme an und meldet Verbrennungsgefahr an das zentrale Nervensystem, wenn die Hauttemperatur auf über 43 Grad Celsius steigt. Zusätzlich zu dem normalen Protein produziert der Gemeine Vampir mit dem lateinischen Namen Desmodus rotundus aber die verkürzte Variante TRPV1-S, die schon auf viel niedrigere Temperaturen um dreißig Grad reagiert, wie der Molekularbiologe Julius und seine Kollegen in der in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten Untersuchung feststellten.

Andere Fledermausarten, die sich von Obst, Nektar oder Insekten ernähren, haben die verkürzte Proteinvariante demnach nicht, weil sie nicht auf einen "Wärmemelder" angewiesen sind. Die Studie bestätigte den Wissenschaftlern zufolge außerdem, dass die Fledermaus von ihrem Erbmaterial her dem Hund und der Kuh nähersteht als dem Menschen und dem Nagetier, was lange Zeit angenommen worden war - denn auch Hunde, Kühe, Schweine und Maulwürfe können die verkürzte Variante des Proteins bilden, während etwa Menschen und Affen nicht dazu in der Lage sind.

Quelle: AFP